IQWiG2022Onkologie

Enfortumab Vedotin bei Urothelkarzinom: IQWiG-Bericht

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A22-107 bewertet den Zusatznutzen von Enfortumab Vedotin bei erwachsenen Personen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom. Die Auswertung basiert auf der noch laufenden, offenen und randomisierten kontrollierten Studie EV-301.

Die untersuchte Population umfasst Betroffene, die zuvor bereits eine platinhaltige Chemotherapie sowie einen PD-1- oder PD-L1-Inhibitor erhalten haben. Für diese Gruppe wird eine zielgerichtete medikamentöse Tumortherapie evaluiert.

In der Studie wird Enfortumab Vedotin mit einer Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe verglichen. Als Vergleichstherapien kamen Vinflunin, Paclitaxel oder Docetaxel jeweils als Monotherapie zum Einsatz.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht beschreibt auf Basis der Studie EV-301 folgende zentrale Ergebnisse für die Gesamtpopulation.

Vorteile von Enfortumab Vedotin

Laut Bericht zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Enfortumab Vedotin gegenüber der Vergleichstherapie bei mehreren Endpunkten. Dazu gehören:

  • Gesamtüberleben (insbesondere bei männlichem Geschlecht)

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität (körperliche Funktion, Rollenfunktion und emotionale Funktion)

  • Globaler Gesundheitsstatus (bei Personen ab 65 Jahren)

  • Bestimmte Nebenwirkungen wie febrile Neutropenie (bei Männern) und Myalgie

Nachteile und Nebenwirkungen

Dem Bericht zufolge ergeben sich bei der Behandlung mit Enfortumab Vedotin auch statistisch signifikante Nachteile im Bereich der unerwünschten Ereignisse (UEs). Zu den gehäuft auftretenden Ereignissen zählen:

  • Periphere Neuropathie und Gehstörungen

  • Schwere Hyperglykämien

  • Augenerkrankungen und Dysgeusie

  • Akute Nierenschädigung (schwerwiegende UEs)

  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes

Subgruppen-Effekte

Das IQWiG identifiziert verschiedene Effektmodifikatoren, die das Therapieergebnis in Abhängigkeit von Patientenmerkmalen beeinflussen.

Ein signifikanter Vorteil beim Gesamtüberleben zeigt sich primär bei Männern, während bei Frauen ein Vorteil bei der Symptomskala Appetitverlust beobachtet wird. Zudem profitieren Personen ab 65 Jahren stärker hinsichtlich des globalen Gesundheitsstatus.

Dosierung

Der Bericht dokumentiert folgende Dosierungsschemata, die in der zugrundeliegenden Studie angewendet wurden:

WirkstoffDosierungAnwendung
Enfortumab Vedotin1,25 mg/kg Körpergewicht (max. 125 mg)i.v. an Tag 1, 8 und 15 eines 28-Tage-Zyklus
Vinflunin320 mg/m² Körperoberflächei.v. an Tag 1 eines 21-Tage-Zyklus
Docetaxel75 mg/m² Körperoberflächei.v. an Tag 1 eines 21-Tage-Zyklus
Paclitaxel175 mg/m² Körperoberflächei.v. an Tag 1 eines 21-Tage-Zyklus

Bei Bedarf sind Dosisanpassungen oder Unterbrechungen der Behandlung möglich. Für die Taxane (Docetaxel, Paclitaxel) wird eine entsprechende medikamentöse Vorbehandlung (z. B. mit Dexamethason) zur Vermeidung von Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben.

Kontraindikationen

Gemäß den Studienkriterien des Berichts sind bestimmte Vor- und Begleitbehandlungen für die Therapie ausgeschlossen:

  • Vorbehandlung mit Enfortumab Vedotin oder anderen MMAE-basierten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten

  • Vorbehandlung mit den im Vergleichsarm eingesetzten Chemotherapien (Docetaxel, Vinflunin, Paclitaxel)

  • Mehr als eine vorherige Chemotherapie im fortgeschrittenen Stadium

  • Gleichzeitige andere Chemo- oder Krebstherapien (mit Ausnahme endokriner Therapien bei Brustkrebs oder Knochenmetastasen-Behandlung)

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💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht hebt signifikante Nachteile von Enfortumab Vedotin im Bereich spezifischer Nebenwirkungen hervor. Es wird beschrieben, dass unter der Therapie vermehrt periphere Neuropathien, schwere Hyperglykämien sowie Haut- und Augenerkrankungen auftreten. Eine engmaschige klinische Überwachung dieser Parameter bietet sich im Behandlungsverlauf an.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht richtet sich die Therapie an Personen, die zuvor bereits eine platinhaltige Chemotherapie sowie einen PD-1- oder PD-L1-Inhibitor erhalten haben.

Die im Bericht beschriebene Dosierung beträgt 1,25 mg/kg Körpergewicht intravenös an den Tagen 1, 8 und 15 eines 28-tägigen Zyklus. Bei einem Körpergewicht ab 100 kg wird eine Maximaldosis von 125 mg verabreicht.

Als Vergleichstherapie nach ärztlicher Maßgabe kamen die Chemotherapeutika Vinflunin, Paclitaxel oder Docetaxel zum Einsatz. Diese wurden jeweils als Monotherapie verabreicht.

Der Bericht beschreibt eine Effektmodifikation durch das Geschlecht. Beim Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Enfortumab Vedotin bei Männern, während bei Frauen kein signifikanter Unterschied zum Vergleichsarm festgestellt wurde.

Es wird ein statistisch signifikanter Nachteil bei schweren unerwünschten Ereignissen wie Hyperglykämien, akuter Nierenschädigung sowie Erkrankungen des Nervensystems und der Haut beschrieben.

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Quelle: IQWiG A22-107: Enfortumab Vedotin (Urothelkarzinom) - Addendum zum Auftrag A22-61 (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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