Sofosbuvir/Velpatasvir bei HCV/HIV: IQWiG
Hintergrund
Die chronische Hepatitis C (CHC) erfordert bei Vorliegen einer Koinfektion mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) besondere therapeutische Aufmerksamkeit. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in seinem Addendum A16-73 die Fixkombination Sofosbuvir/Velpatasvir (SOF/VEL) für diese spezifische Personengruppe bewertet.
Ursprünglich lagen im Hauptdossier keine ausreichenden Daten für die Ableitung eines Zusatznutzens bei HIV-Koinfektion vor. Der pharmazeutische Unternehmer reichte im Stellungnahmeverfahren den finalen Studienbericht der einarmigen Phase-III-Studie ASTRAL-5 nach.
Ziel dieses Addendums war es zu prüfen, ob sich durch diese nachgereichten Daten ein Zusatznutzen für HIV-koinfizierte Personen mit den HCV-Genotypen 1 bis 6 feststellen lässt. Zudem wurde untersucht, ob Ergebnisse von monoinfizierten auf koinfizierte Personen übertragen werden können.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende zentrale Bewertungsergebnisse zur Studie ASTRAL-5:
Studiendesign und Population
Die Bewertung basiert auf der einarmigen, offenen Phase-III-Studie ASTRAL-5. Es wurden folgende Charakteristika erfasst:
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Eingeschlossen wurden erwachsene Personen mit CHC der Genotypen 1 bis 4 und einer HIV-Koinfektion.
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Die Therapie bestand aus einer 12-wöchigen Gabe von Sofosbuvir/Velpatasvir.
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Personen mit den Genotypen 5 und 6 wurden nicht in die Studie aufgenommen, weshalb für diese Gruppen keine Aussagen möglich sind.
Bewertung nach Genotypen
Für den Genotyp 1 (N = 78) zeigt der Bericht, dass die Raten des dauerhaften virologischen Ansprechens (SVR12) ähnlich hoch sind wie bei monoinfizierten Personen. Ein Zusatznutzen ist laut Institut dennoch nicht belegbar, da ein Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie fehlt und keine spezifischen Daten zu unerwünschten Ereignissen für diese Subgruppe vorgelegt wurden.
Für die Genotypen 2, 3 und 4 wurden nur sehr geringe Fallzahlen (N = 5 bis 12) in die Studie eingeschlossen. Auch hier fehlen vergleichende Daten und Angaben zu unerwünschten Ereignissen. Aufgrund der geringen Aussagekraft ist ein Zusatznutzen für diese Gruppen nicht beurteilbar.
SVR12-Raten im Vergleich
Der Bericht stellt die SVR12-Raten (dauerhaftes virologisches Ansprechen 12 Wochen nach Therapieende) der HIV-koinfizierten Personen den Raten der HCV-monoinfizierten Personen gegenüber:
| Genotyp | SVR12 HCV-monoinfiziert | SVR12 HIV-koinfiziert (ASTRAL-5) |
|---|---|---|
| GT 1 (ohne Zirrhose) | 98,7 % (n=297) | 94,9 % (n=74)* |
| GT 1 (mit komp. Zirrhose) | 98,8 % (n=79) | siehe oben* |
| GT 2 | 99,3 % (n=133) | 100 % (n=11) |
| GT 3 | 95,3 % (n=264) | 91,7 % (n=11) |
| GT 4 (ohne Zirrhose) | 99,0 % (n=95) | 100 % (n=5)* |
| GT 4 (mit komp. Zirrhose) | 100 % (n=27) | siehe oben* |
*Hinweis des Instituts: Für die HIV-koinfizierten Personen mit Genotyp 1 und 4 liegen keine nach Zirrhosestatus stratifizierten Daten vor.
Gesamtfazit
Zusammenfassend stellt das Institut fest, dass auf Basis der vorliegenden Daten keine Aussagen zum Zusatznutzen von Sofosbuvir/Velpatasvir bei einer HIV-Koinfektion möglich sind. Die Ergebnisse lassen zudem keine Rückschlüsse darauf zu, inwieweit Daten von HCV-monoinfizierten auf HIV-koinfizierte Personen übertragbar sind.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht lässt sich ein belegter therapeutischer Nutzen bei HCV-monoinfizierten Personen nicht automatisch auf Personen mit einer HIV-Koinfektion übertragen. Es wird hervorgehoben, dass für eine fundierte Bewertung in dieser speziellen Gruppe die alleinige Betrachtung von SVR12-Raten aus einarmigen Studien nicht ausreicht. Vergleichende Daten zur Standardtherapie sowie spezifische Auswertungen zu unerwünschten Ereignissen sind zwingend erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht stellt fest, dass auf Basis der nachgereichten ASTRAL-5-Studie kein Zusatznutzen belegt werden kann. Es fehlen insbesondere vergleichende Daten zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.
In der einarmigen Studie erreichten 94,9 Prozent der HIV-koinfizierten Personen mit Genotyp 1 ein dauerhaftes virologisches Ansprechen. Das Institut merkt an, dass diese Raten ähnlich hoch sind wie bei monoinfizierten Personen.
Nein, es wurden ausschließlich Personen mit den Genotypen 1 bis 4 eingeschlossen. Für die Genotypen 5 und 6 liegen laut Bewertung keine Daten bei Vorliegen einer HIV-Koinfektion vor.
Das Institut begründet dies mit dem Fehlen einer Kontrollgruppe und dem Mangel an spezifischen Daten zu unerwünschten Ereignissen für die koinfizierte Subgruppe. Die alleinige Betrachtung der SVR12-Raten lässt keine vollständige Nutzen-Risiko-Abwägung zu.
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Quelle: IQWiG A16-73: Sofosbuvir/Velpatasvir (chronische Hepatitis C) - Addendum zum Auftrag A16-48 (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.