Infusionstherapie bei Kindern: Dosierung & Elektrolyte
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie behandelt die intravenöse Infusionstherapie bei hospitalisierten, akut kranken Kindern jenseits der Neugeborenenperiode. Primäres Ziel der Therapie ist der Erhalt der Volumen- und Osmo-Homöostase sowie die Vermeidung einer katabolen Stoffwechsellage.
In der Vergangenheit führte die Verwendung hypotoner Infusionslösungen bei akut kranken Kindern häufig zu iatrogener Hyponatriämie. Durch eine krankheitsbedingte ADH-Ausschüttung und eine dadurch verminderte Diurese entsteht ein erhöhtes Risiko für ein lebensbedrohliches Hirnödem.
Um diese neurologischen Komplikationen sowie hyperchlorämische Azidosen zu vermeiden, fokussiert sich das moderne Flüssigkeitsmanagement auf den Einsatz adaptierter Infusionslösungen. Die Leitlinie grenzt dabei den Bedarf akut kranker Kinder explizit vom Erhaltungsbedarf gesunder Kinder ab.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der pädiatrischen Infusionstherapie ist die unkritische Verwendung von isotoner Kochsalzlösung (NaCl 0,9 Prozent) als Standardinfusion. Die Leitlinie betont, dass der unphysiologisch hohe Chloridgehalt zu hyperchlorämischer Azidose und Nierenschäden führen kann. Es wird stattdessen dringend empfohlen, balancierte Vollelektrolytlösungen (bVEL) für die Grund- und Volumentherapie zu bevorzugen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Holliday-Segar-Formel zur Abschätzung des Grundbedarfs. Bei akut kranken Kindern kann jedoch aufgrund einer ADH-Ausschüttung eine Reduktion auf 50 bis 80 Prozent des errechneten Volumens erforderlich sein.
Zur initialen Volumentherapie wird der Einsatz von balancierten Vollelektrolytlösungen (bVEL) ohne Glukosezusatz empfohlen. Die initiale Bolusgabe sollte laut Leitlinie 20 ml/kg Körpergewicht betragen.
Laut Leitlinie kann bei Kindern bis zu 6 Jahren mit einem 5-prozentigen Glukoseanteil begonnen werden. Bei älteren Kindern wird initial ein 2,5-prozentiger Glukoseanteil empfohlen, wobei die Zufuhr stets nach Blutzucker und Ketonurie angepasst werden sollte.
Der routinemäßige Einsatz von NaCl 0,9 Prozent wird aufgrund des hohen Chloridgehalts und der Gefahr einer Azidose nicht mehr empfohlen. Eine Ausnahme bildet die hypertrophe Pylorusstenose, bei der chloridreiche Lösungen zum Ausgleich der hypochlorämischen Alkalose indiziert sind.
Es wird empfohlen, auf eine Normalisierung der Herzfrequenz, eine Kapillarfüllungszeit von unter 3 Sekunden und eine altersentsprechende Urinproduktion (mindestens 0,5 bis 1 ml/kg/h) zu achten. Der Blutdruck fällt bei Kindern erst spät ab und ist als alleiniger Parameter in der Frühphase ungeeignet.
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Quelle: Intravenöse Infusionstherapie bei akut kranken Kindern jenseits der Neugeborenenperiode (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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