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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2022InfektiologieSurgeryOrthopedics

SSI-Prävention bei Extremitätentrauma: Leitlinie (IDSA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die frühzeitige systemische Antibiotikagabe (Cefazolin/Clindamycin) senkt das Infektionsrisiko bei offenen Frakturen.
  • Wundspülungen sollten ausschließlich mit reiner Kochsalzlösung ohne Zusätze durchgeführt werden.
  • Ein definitiver Wundverschluss oder eine Weichteildeckung sollte innerhalb von 7 Tagen erfolgen.
  • Bei offenen Frakturen bietet die Vakuumtherapie (NPWT) keinen Vorteil gegenüber Standardverbänden.
  • Rauchen, Diabetes, Adipositas und Alkoholabusus sind signifikante Risikofaktoren für Wundinfektionen.
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Hintergrund

Schwere Extremitätentraumata, insbesondere offene Frakturen, gehen mit einem hohen Risiko für postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) einher. Die vorliegende Leitlinie der AAOS und IDSA fasst evidenzbasierte Strategien zur Infektionsprävention zusammen.

Antibiotikaprophylaxe

Die frühzeitige und korrekte Antibiotikagabe ist essenziell zur Reduktion von tiefen Infektionen.

TherapieansatzEmpfehlungEvidenzgrad
Initiale GabeFrühestmögliche Verabreichung nach dem Trauma bei offenen Frakturen.Moderat
Systemische ProphylaxeCefazolin oder Clindamycin als Standard. Bei Typ III (und ggf. Typ II) offener Fraktur: Zusätzliche gramnegative Abdeckung (z. B. Piperacillin-Tazobactam).Stark
Lokale AntibiotikaEinsatz von Vancomycin-Pulver, Tobramycin-Ketten oder Gentamicin-beschichteten Nägeln kann vorteilhaft sein.Moderat

Chirurgisches Management und Wundversorgung

Das initiale Debridement und die Wundspülung legen den Grundstein für eine erfolgreiche Infektionsprävention.

  • Operationszeitpunkt: Ein Debridement und eine Spülung sollten so bald wie möglich, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, erfolgen.
  • Wundspülung: Es wird ausdrücklich reine Kochsalzlösung (ohne Zusätze) empfohlen. Zusätze wie Seife oder Antibiotika bieten keinen Vorteil. (Starke Empfehlung)
  • Frakturfixation: Eine definitive Fixation und ein primärer Wundverschluss sind bei ausgewählten Patienten möglich. Ein temporärer Fixateur externe bleibt eine valide Option.
  • Wundverschluss: Ein offener Wundverschluss wird empfohlen, sofern dies ohne grobe Kontamination machbar ist. (Starke Empfehlung)
  • Weichteildeckung: Eine definitive Wunddeckung (z. B. durch Lappenplastiken) sollte innerhalb von 7 Tagen nach dem Trauma erfolgen.

Spezifische Wundverbände und Vakuumtherapie

Die Evidenz zur Unterdruck-Wundtherapie (NPWT) unterscheidet sich je nach Frakturtyp:

Frakturtyp / WundeEmpfehlung zur NPWTEvidenzgrad
Geschlossene FrakturenNPWT kann das Risiko für Revisionsoperationen oder SSI senken.Stark
Offene FrakturenKein Vorteil der NPWT gegenüber versiegelten Standardverbänden. Keine Reduktion von Komplikationen oder Amputationen.Stark
Hochrisiko-Inzisionen(z. B. Pilon-, Tibiaplateau-, Calcaneusfrakturen): Inzisionale NPWT kann erwogen werden.Limitiert

Silberbeschichtete Verbände werden nicht empfohlen, da sie weder das klinische Outcome verbessern noch Pin-Infektionen bei Fixateur externe reduzieren.

Risikofaktoren für Wundinfektionen

Patienten sollten über modifizierbare Risikofaktoren aufgeklärt werden, die das SSI-Risiko erhöhen:

RisikofaktorEinfluss auf SSI-RisikoEvidenzgrad
Rauchen & DiabetesErhöhtes RisikoStark
AdipositasErhöhtes RisikoModerat
AlkoholabususErhöhtes Risiko (> 14 Einheiten/Woche)Moderat
HypoalbuminämieErhöhtes Risiko (< 36 g/L)Limitiert
HyperglykämieErhöhtes Risiko (postoperativ > 125 mg/dL)Limitiert

Hinweis: Eine hohe perioperative Sauerstofffraktion (FIO2), präoperative Transfusionen oder ein präoperativer MRSA-Status zeigten keinen signifikanten Einfluss auf das Infektionsrisiko.

Präoperative Hautvorbereitung

Mangels harter Evidenz empfiehlt die Arbeitsgruppe als Konsens:

  • Perioperative nasale und ganzkörperliche Dekolonisierung, wenn möglich.
  • Präoperatives Duschen/Baden mit Seife oder Antiseptikum.
  • Chirurgische Hautdesinfektion mit einem alkoholbasierten Antiseptikum.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der initialen Wundspülung offener Frakturen auf antibiotische oder antiseptische Zusätze – reine Kochsalzlösung ist ausreichend und evidenzbasiert sicherer.

Häufig gestellte Fragen

So bald wie möglich und idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Trauma.
Standardmäßig Cefazolin oder Clindamycin. Bei offenen Frakturen Typ III (ggf. auch Typ II) ist eine zusätzliche gramnegative Abdeckung indiziert.
Nein, bei offenen Frakturen zeigt die NPWT keinen Vorteil gegenüber sterilen Standardverbänden hinsichtlich der Infektionsrate.
Es wird die Spülung mit reiner Kochsalzlösung ohne Zusätze (wie Seife oder Antibiotika) empfohlen.

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