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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2019InfektiologieOrthopedics

Periprothetische Gelenkinfektion: Leitlinie (AAOS)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Adipositas ist ein gesicherter Risikofaktor (moderater Empfehlungsgrad) für periprothetische Gelenkinfektionen.
  • Zur präoperativen Diagnostik werden die Serum-Biomarker BSG, CRP und Interleukin-6 stark empfohlen.
  • Die intraoperative Gram-Färbung sollte zum Ausschluss einer PJI nicht verwendet werden.
  • Vor der Gewinnung von intraartikulären Kulturen sollten Antibiotika nach Möglichkeit für zwei Wochen pausiert werden.
  • Histopathologische Untersuchungen von periprothetischem Gewebe sind ein starker intraoperativer Diagnosepfeiler.
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Hintergrund

Die periprothetische Gelenkinfektion (PJI) nach Hüft- oder Kniegelenkersatz stellt eine schwerwiegende Komplikation dar. Die vorliegende Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) bewertet evidenzbasierte Strategien zur Prävention und Diagnostik.

Risikofaktoren für eine PJI

Die Leitlinie bewertet verschiedene Patientenmerkmale hinsichtlich ihres Risikos für die Entstehung einer PJI.

RisikofaktorEmpfehlungsgradBemerkung
AdipositasModeratAssoziiert mit einem erhöhten PJI-Risiko.
Vorherige intraartikuläre InjektionenLimitiertZeitabhängige Assoziation mit erhöhtem Risiko.
Diabetes, Anämie, Leber-/Nierenerkrankungen, TabakkonsumLimitiertErhöhtes Risiko bei Vorliegen dieser und weiterer Komorbiditäten.
Aktive Infektionen, Immunsuppression (HIV), AutoimmunerkrankungenKonsensErhöhtes Risiko; sorgfältige Abwägung vor der Operation zwingend erforderlich.

Präoperative Diagnostik (Bluttests)

Zur präoperativen Abklärung einer PJI werden spezifische Serum-Biomarker empfohlen, während andere keinen klinischen Nutzen zeigen.

BiomarkerEmpfehlungEmpfehlungsgrad
Erythrozytensedimentationsrate (BSG/ESR)EmpfohlenStark
C-reaktives Protein (CRP)EmpfohlenStark
Interleukin-6EmpfohlenStark
Periphere LeukozytenzahlNicht empfohlenModerat
Tumornekrosefaktor-α (TNF-α)Nicht empfohlenModerat

Synovial- und Intraoperative Diagnostik

Die Diagnosesicherung erfolgt über die Analyse der Synovialflüssigkeit sowie intraoperativ gewonnener Proben.

  • Synovialflüssigkeit (Moderater Empfehlungsgrad): Empfohlen werden Leukozytenzahl, Neutrophilen-Prozentsatz, aerobe/anaerobe Kulturen, Leukozytenesterase, Alpha-Defensin, CRP und PCR für Bakterien.
  • Histopathologie (Starker Empfehlungsgrad): Die histopathologische Untersuchung wird zur Diagnosesicherung stark empfohlen.
  • Intraoperative Kulturen (Moderater Empfehlungsgrad): Multiple Gewebekulturen sowie Kulturen und PCR der Sonikationsflüssigkeit des Implantats werden empfohlen.
  • Gram-Färbung (Moderater Empfehlungsgrad): Die intraoperative Gram-Färbung soll nicht zum Ausschluss einer PJI verwendet werden.

Prävention und Perioperatives Management

MaßnahmeEmpfehlung / IndikationEmpfehlungsgrad
Antibiotika-Karenz vor KulturMindestens 2 Wochen vor intraartikulärer Kultur pausieren.Limitiert
Perioperative AntibioseGabe vor Revisionschirurgie bei geringem PJI-Verdacht oder bekanntem Erreger.Stark
Antibiotika-AuswahlCephalosporine (1./2. Gen) oder Glykopeptide (Vancomycin).Limitiert
Antibiotikahaltiger ZementReduziert das Risiko bei zementierter Hüft-TEP (Limitiert). Routineeinsatz bei zementierter Knie-TEP nicht empfohlen (Limitiert).Limitiert
Präoperative DekolonisationUniverselle Chlorhexidin-Waschung (Limitiert). Nasales Mupirocin bei MRSA-Trägern (Konsens).Limitiert / Konsens
Intraoperative LavageVerdünnte PVP-Jod-Lösung (Betadine) zur Risikominimierung.Konsens

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Antibiotika bei Verdacht auf eine PJI nach Möglichkeit für mindestens zwei Wochen ab, bevor Sie intraartikuläre Kulturen gewinnen, um falsch-negative Ergebnisse zu vermeiden. Nutzen Sie intraoperativ keine Gram-Färbung zum sicheren Ausschluss einer Infektion.

Häufig gestellte Fragen

BSG (ESR), CRP und Interleukin-6 werden stark empfohlen. Die periphere Leukozytenzahl und TNF-α sind hingegen nicht aussagekräftig.
Nein, laut Leitlinie (moderater Empfehlungsgrad) sollte die Antibiotikagabe vermieden werden, bis Kulturen entnommen und die Diagnose gesichert ist.
Bei zementierten Hüftprothesen kann er das Risiko senken (limitierte Evidenz). Ein Routineeinsatz bei zementierten Knieprothesen wird jedoch nicht empfohlen.
Sie wird nicht empfohlen, um eine periprothetische Gelenkinfektion sicher auszuschließen (moderater Empfehlungsgrad).
Die Leitliniengruppe empfiehlt als Expertenkonsens die Verwendung einer verdünnten PVP-Jod-Lösung (Betadine-Lavage) zur Risikominimierung.

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