Akute hämatogene Osteomyelitis bei Kindern (IDSA-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Blutkulturen sollten stets vor Beginn der empirischen Antibiotikatherapie abgenommen werden.
- •Die kalkulierte Antibiotikatherapie muss Staphylococcus aureus zwingend abdecken.
- •Bei klinisch stabilen Patienten kann die Antibiose für eine Biopsie um bis zu 48-72 Stunden verzögert werden.
- •Das MRT ist die bevorzugte erweiterte Bildgebung, ein routinemäßiges Abschluss-MRT wird jedoch nicht empfohlen.
- •Bei unkomplizierten Verläufen durch S. aureus beträgt die empfohlene Therapiedauer 3 bis 4 Wochen.
Hintergrund
Die akute hämatogene Osteomyelitis (AHO) betrifft vorwiegend Kinder und manifestiert sich meist in den Röhrenknochen. Der häufigste Erreger in allen Altersgruppen in Nordamerika ist Staphylococcus aureus. Bei spezifischen Risikogruppen müssen weitere Erreger bedacht werden (z. B. Kingella kingae bei Kleinkindern oder Salmonella spp. bei Hämoglobinopathien). Die vorliegende IDSA-Leitlinie fokussiert sich auf ansonsten gesunde Kinder im Alter von 1 Monat bis <18 Jahren.
Diagnostik
Die Diagnosestellung basiert auf Klinik, Labor und Bildgebung. Die mikrobiologische Sicherung ist essenziell für eine gezielte Therapie.
Laborparameter
| Parameter | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Blutkultur | Starke Empfehlung (vor Antibiotikagabe) | Positivrate liegt bei ca. 31 %. Kann invasive Eingriffe ersparen. |
| CRP (Serum) | Bedingte Empfehlung | Geringe diagnostische Genauigkeit, aber wichtig als Ausgangswert für die Verlaufskontrolle. |
| Procalcitonin | Bedingte Empfehlung dagegen | Keine Vorteile gegenüber CRP; unzureichende Genauigkeit für die AHO-Diagnostik. |
Bildgebung
| Modalität | Stellenwert | Empfehlung |
|---|---|---|
| Röntgen | Initialdiagnostik | Starke Empfehlung zum Ausschluss anderer Pathologien (z. B. Frakturen, Tumore). |
| MRT | Erweiterte Diagnostik | Bedingte Empfehlung gegenüber Szintigraphie, CT oder Ultraschall bei unklaren Befunden oder OP-Planung. |
| Ultraschall | Zusatzdiagnostik | Hilfreich bei Verdacht auf Gelenkerguss oder subperiostale Abszesse. |
Invasive Diagnostik
Die Gewinnung von Knochenaspiraten, Biopsien oder eitrigem Material für aerobe Kulturen und Gram-Färbungen wird gegenüber einer rein nicht-invasiven Diagnostik empfohlen (bedingte Empfehlung). Dies ermöglicht eine gezielte Schmalspektrum-Therapie.
Therapie
Zeitpunkt des Antibiotika-Beginns
- Kritisch kranke Kinder (Sepsis/rasche Progression): Sofortiger Beginn der empirischen Therapie (starke Empfehlung).
- Klinisch stabile Kinder: Verzögerung der Antibiotikagabe um max. 48 bis 72 Stunden vertretbar, um aussagekräftige invasive Kulturen zu gewinnen (bedingte Empfehlung).
Kalkulierte Antibiotikatherapie
Die empirische Therapie muss zwingend Staphylococcus aureus abdecken (starke Empfehlung).
| Erreger-Fokus | Therapie-Strategie | Bemerkung |
|---|---|---|
| MSSA | Cefazolin oder Oxacillin/Nafcillin | Bevorzugt in Regionen mit niedriger CA-MRSA-Prävalenz. |
| CA-MRSA | Clindamycin oder Vancomycin | Bei hoher lokaler MRSA-Rate oder kritisch kranken Patienten. |
| K. kingae | Ampicillin oder Cephalosporine | Zusatzabdeckung bei Kleinkindern erwägen. |
Chirurgische Intervention
Ein operatives Debridement ist indiziert bei:
- Sepsis oder rasch progredienter Infektion (starke Empfehlung).
- Klinisch stabilen Patienten mit dokumentiertem Abszess > 2 cm (bedingte Empfehlung).
Auf den routinemäßigen Einsatz von lokalen Antibiotikaträgern im OP-Situs sollte verzichtet werden (starke Empfehlung dagegen).
Verlauf und Therapiedauer
Zur Beurteilung des Therapieansprechens wird die sequenzielle Messung des CRP in Kombination mit der klinischen Evaluation empfohlen (bedingte Empfehlung).
- Umstellung auf Oraltherapie: Bei gutem Ansprechen auf die i.v.-Therapie wird der Wechsel auf eine orale Gabe gegenüber einer ambulanten parenteralen Therapie (OPAT) bevorzugt (starke Empfehlung).
- Therapiedauer: Bei unkomplizierter AHO durch S. aureus wird eine Gesamtdauer von 3 bis 4 Wochen empfohlen (bedingte Empfehlung).
- Abschlussbildgebung: Ein routinemäßiges MRT am Ende der Therapie wird bei unkomplizierten Verläufen ohne Beteiligung der Wachstumsfuge stark abgeraten.
💡Praxis-Tipp
Bestimmen Sie initial ein CRP als Ausgangswert für die Verlaufskontrolle. Bei klinisch stabilen Patienten können Sie den Antibiotikabeginn um bis zu 48-72 Stunden verzögern, um aussagekräftige Knochenkulturen durch eine Biopsie zu gewinnen.