Antimikrobielle Prophylaxe bei Krebs: ASCO/IDSA Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Eine antibakterielle und antimykotische Prophylaxe wird bei tiefer, prolongierter Neutropenie (< 100/µL für > 7 Tage) empfohlen.
- •HSV-seropositive Patienten benötigen bei allogener Stammzelltransplantation oder Leukämie-Induktion eine antivirale Prophylaxe (z. B. Aciclovir).
- •Eine PJP-Prophylaxe ist ab einem Pneumonie-Risiko von > 3,5 % indiziert (z. B. bei ≥ 20 mg Prednison-Äquivalent/Tag für ≥ 1 Monat).
- •Bei hohem Risiko für eine HBV-Reaktivierung sollen Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (z. B. Entecavir, Tenofovir) eingesetzt werden.
Hintergrund
Die gemeinsame Leitlinie der ASCO und IDSA (2018) definiert Standards für die antimikrobielle Prophylaxe bei erwachsenen Krebspatienten. Zielgruppe sind Patienten mit einer krebs- oder therapieassoziierten Immunsuppression, die ein hohes Risiko für opportunistische Infektionen aufweisen.
Indikationen zur Prophylaxe
Die Empfehlungen zur medikamentösen Prophylaxe richten sich nach dem spezifischen Risikoprofil und der Art der Immunsuppression. Die Leitlinie stratifiziert die Therapie nach Erregergruppen:
| Erreger / Infektion | Hochrisiko-Kriterien | Empfohlene Prophylaxe |
|---|---|---|
| Bakterien & Pilze | Erwartete tiefe, prolongierte Neutropenie (< 100 Neutrophile/µL für > 7 Tage) oder andere Risikofaktoren | Antibakterielle und antimykotische Prophylaxe |
| Herpes-simplex-Virus (HSV) | HSV-seropositiv UND allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) oder Leukämie-Induktionstherapie | Nukleosidanaloga (z. B. Aciclovir) |
| Pneumocystis jirovecii (PJP) | > 3,5 % Pneumonie-Risiko (z. B. durch ≥ 20 mg Prednison-Äquivalent/Tag für ≥ 1 Monat oder Einsatz von Purinanaloga) | PJP-Prophylaxe |
| Hepatitis-B-Virus (HBV) | Hohes Risiko für eine HBV-Reaktivierung | Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (z. B. Entecavir oder Tenofovir) |
Allgemeine Präventionsmaßnahmen
Neben der medikamentösen Prophylaxe empfiehlt die Leitlinie weitere Basismaßnahmen für immunsupprimierte Krebspatienten, um das Infektionsrisiko im Alltag und klinischen Umfeld zu minimieren:
- Durchführung empfohlener Impfungen
- Vermeidung von Umgebungen mit hoher Konzentration an luftgetragenen Pilzsporen (z. B. Baustellen, Landwirtschaft oder Renovierungsarbeiten)
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie bei onkologischen Patienten unter hochdosierter Kortikosteroidtherapie (≥ 20 mg Prednison-Äquivalent für ≥ 1 Monat) oder Purinanaloga stets aktiv die Indikation für eine Pneumocystis-jirovecii-Prophylaxe.