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American Society of Clinical Oncology (ASCO)2023OnkologieGastroenterologie

Metastasiertes Kolorektalkarzinom: ASCO-Leitlinie 2023

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Society of Clinical Oncology (ASCO) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Pembrolizumab ist die Erstlinientherapie der Wahl bei MSI-H oder dMMR mCRC.
  • Bei linksseitigen RAS-Wildtyp-Tumoren wird eine Anti-EGFR-Therapie plus Doubletten-Chemotherapie empfohlen.
  • Eine zytoreduktive Chirurgie (CRS) kann bei Peritonealkarzinose erwogen werden, HIPEC wird jedoch nicht empfohlen.
  • Encorafenib plus Cetuximab ist der Standard für vorbehandelte BRAF V600E-mutierte Tumoren.
  • Doubletten-Chemotherapie (FOLFOX/FOLFIRI) bleibt das bevorzugte Backbone, Tripletten (FOLFOXIRI) sind ausgewählten Patienten vorbehalten.
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Hintergrund

Das Kolorektalkarzinom (CRC) ist weltweit die dritthäufigste Krebsart. Etwa 33 % der Patienten entwickeln im Verlauf Metastasen. Die 5-Jahres-Überlebensrate für das metastasierte Kolorektalkarzinom (mCRC) liegt bei ca. 15 %. Die ASCO-Leitlinie 2023 adressiert spezifische Fragestellungen zur systemischen Therapie, zielgerichteten Ansätzen je nach molekularem Subtyp und Tumorlokalisation sowie zu lokoregionären Therapien bei Leber- und Peritonealmetastasen.

Systemische Erstlinientherapie (Chemotherapie-Backbone)

Für Patienten mit initial inoperablem, mikrosatellitenstabilem (MSS) oder pMMR mCRC, die für eine Kombination mit Bevacizumab infrage kommen, gelten folgende Empfehlungen:

TherapieEmpfehlungBemerkung
Doubletten-Chemotherapie (FOLFOX oder FOLFIRI)Sollte angeboten werden (Stark)Bevorzugtes Backbone. Capecitabin + Oxaliplatin kann als Alternative zu FOLFOX dienen.
Tripletten-Chemotherapie (FOLFOXIRI)Kann angeboten werden (Schwach)Nur für ausgewählte Patienten. Bessere Ansprechraten, aber signifikant höhere Toxizität (Grad ≥3).

Immuntherapie bei MSI-H / dMMR

  • Pembrolizumab sollte Patienten mit MSI-H oder dMMR mCRC in der Erstlinie angeboten werden (Starke Empfehlung).
  • Es zeigt einen signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben (PFS) und weniger schwere Nebenwirkungen im Vergleich zur Chemotherapie.
  • Hinweis: Für Patienten mit MSS/pMMR und hoher Tumor-Mutationslast (TMB ≥ 10 Mutationen/Mb) wird Pembrolizumab in späteren Therapielinien nicht empfohlen.

Zielgerichtete Therapie nach RAS- und BRAF-Status

Die Wahl der zielgerichteten Therapie in der Erstlinie hängt bei RAS-Wildtyp-Tumoren essenziell von der Tumorlokalisation ab:

Tumorlokalisation / StatusEmpfohlene TherapieNicht empfohlene Therapie
Linksseitig (RAS-Wildtyp)Anti-EGFR (Cetuximab/Panitumumab) + Doubletten-ChemoAnti-EGFR + Tripletten-Chemo
Rechtsseitig (RAS-Wildtyp)Chemotherapie + Anti-VEGF (Bevacizumab)Anti-EGFR-Therapie
RAS-mutiertChemotherapie + Anti-VEGFAnti-EGFR-Therapie

Für Patienten mit BRAF V600E-Mutation, die nach mindestens einer vorherigen Therapielinie progredient sind, sollte die Kombination aus Encorafenib plus Cetuximab angeboten werden (Starke Empfehlung).

Management von Peritonealmetastasen

Bei isolierten kolorektalen Peritonealmetastasen ist ein chirurgisches Vorgehen in spezialisierten Zentren zu prüfen:

  • Zytoreduktive Chirurgie (CRS) plus systemische Chemotherapie kann für ausgewählte Patienten empfohlen werden, bei denen eine komplette Resektion möglich ist.
  • Eine zusätzliche oxaliplatinbasierte HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie) wird nicht empfohlen (Starke Empfehlung gegen den Einsatz), da sie keinen Überlebensvorteil bietet, aber die Komplikationsrate an Tag 60 erhöht.

Management von Lebermetastasen

Die chirurgische Resektion bleibt die einzige potenziell kurative Option für auf die Leber beschränkte Metastasen.

SituationTherapieoptionEmpfehlungsgrad
Potenziell kurativ resektabelOperation mit oder ohne perioperative Chemotherapie (insgesamt 6 Monate)Schwach (dafür)
Inoperable OligometastasenSBRT (Stereotaktische Bestrahlung) nach systemischer TherapieSchwach (dafür)
Inoperable uni-/bilobäre MetastasenSIRT (Selektive Interne Radiotherapie)Schwach (dagegen) - nicht routinemäßig empfohlen aufgrund höherer Toxizität ohne OS-Vorteil

Alle Entscheidungen zu lokoregionären Therapien müssen in einem multidisziplinären Tumorboard (MDT) getroffen werden.

💡Praxis-Tipp

Beachten Sie bei RAS-Wildtyp-Tumoren zwingend die Seitenlokalisation: Setzen Sie Anti-EGFR-Antikörper nur bei linksseitigen Primärtumoren ein. Bei rechtsseitigen Tumoren ist Anti-VEGF (Bevacizumab) der Standard.

Häufig gestellte Fragen

Laut ASCO-Leitlinie sollte diesen Patienten Pembrolizumab als Erstlinientherapie angeboten werden.
Nein. Eine zytoreduktive Chirurgie (CRS) kann bei ausgewählten Patienten sinnvoll sein, eine zusätzliche oxaliplatinbasierte HIPEC wird jedoch ausdrücklich nicht empfohlen.
Bei vorbehandelten Patienten mit BRAF V600E-mutiertem mCRC wird die Kombination aus Encorafenib und Cetuximab empfohlen.
Sie kann bei ausgewählten Patienten mit initial inoperablem MSS/pMMR mCRC erwogen werden, erfordert aber eine sorgfältige Abwägung, da sie im Vergleich zur Doublette mit mehr schweren Nebenwirkungen einhergeht.
Nein, die selektive interne Radiotherapie (SIRT) wird nicht routinemäßig empfohlen, da sie keinen signifikanten Überlebensvorteil zeigte, aber zu mehr Nebenwirkungen führte.

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