ICTRP-Suche: Nutzen für nicht-medikamentöse Verfahren
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht GA23-03 evaluiert die Notwendigkeit regelhafter Suchen im Studienregister ICTRP Search Portal der WHO. Bisher sehen internationale methodische Standards vor, bei umfassenden Informationsbeschaffungen stets mehrere Register zu durchsuchen.
Das ICTRP bündelt als Metaregister die Einträge primärer Register wie ClinicalTrials.gov (CT.gov) und dem EU Clinical Trials Register (EU-CTR). In der Praxis weist das Portal jedoch Unzulänglichkeiten hinsichtlich der Handhabbarkeit und Datenstruktur auf.
Daher wurde untersucht, ob eine ergänzende Suche im ICTRP bei Nutzenbewertungen einen relevanten Mehrwert bietet. Dabei wurde zwischen medikamentösen und nicht-medikamentösen Interventionen differenziert.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert klare methodische Schlussfolgerungen für die Informationsbeschaffung in Studienregistern.
Arzneimittelstudien
Laut IQWiG ist die Suche im ICTRP Search Portal nach Arzneimittelstudien verzichtbar. Dies gilt sowohl für Vollständigkeitsprüfungen im Rahmen von Dossierbewertungen als auch für umfassende Informationsbeschaffungen.
Die Auswertung der Datenbasis zeigte folgende Ergebnisse:
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Bei Dossiers von pharmazeutischen Unternehmern lag für weniger als 1 % der registrierten Studien ausschließlich ein ICTRP-Eintrag vor.
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In IQWiG-Berichten zu Arzneimitteln betrug dieser Anteil lediglich 2 %.
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Für die wenigen relevanten Studien lagen stets vollständige Informationen aus anderen Quellen (wie Studienberichten oder Publikationen) vor.
Ein Verzicht auf die ICTRP-Suche bleibt bei Arzneimitteln laut Bericht in den meisten Fällen ohne entscheidungsrelevante Konsequenzen. Die Suchen in CT.gov und EU-CTR werden als ausreichend erachtet.
Nicht-medikamentöse Verfahren
Für Bewertungen von nicht-medikamentösen Verfahren kommt der Bericht zu einer gegenteiligen Einschätzung. Hier wird die Suche im ICTRP Search Portal als essenziell eingestuft.
Die Analyse ergab deutliche Unterschiede zur Arzneimittelforschung:
-
Bei 33 % der registrierten Studien zu nicht-medikamentösen Verfahren lag ausschließlich ein ICTRP-Eintrag vor.
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Studien in diesem Bereich sind selten mehrfach in unterschiedlichen Registern erfasst.
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Über das ICTRP sind zusätzliche bewertungsrelevante Informationen zu erwarten.
Daher sollte bei Fragestellungen zu nicht-medikamentösen Interventionen keinesfalls auf die Durchsuchung des ICTRP verzichtet werden.
Gegenüberstellung der Suchergebnisse
Die folgende Tabelle fasst die Relevanz der ICTRP-Suche je nach untersuchter Datenbasis zusammen:
| Datenbasis | Anteil exklusiver ICTRP-Treffer | Empfehlung zur ICTRP-Suche |
|---|---|---|
| Arzneimittelstudien (Dossiers) | < 1 % | Verzichtbar |
| Arzneimittelstudien (IQWiG-Berichte) | 2 % | Verzichtbar |
| Nicht-medikamentöse Verfahren | 33 % | Nicht verzichtbar |
💡Praxis-Tipp
Bei der systematischen Literaturrecherche zu Arzneimitteln kann laut IQWiG auf die aufwendige Suche im ICTRP-Portal verzichtet werden, sofern CT.gov und EU-CTR durchsucht werden. Bei Recherchen zu nicht-medikamentösen Verfahren (wie Psychotherapie oder Physiotherapie) wird jedoch dringend darauf hingewiesen, das ICTRP weiterhin einzubeziehen, da hier ein Drittel der Studien exklusiv registriert ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist die Suche im ICTRP bei Arzneimittelstudien verzichtbar, wenn bereits in CT.gov und EU-CTR gesucht wird. Es wurde kein relevanter Mehrwert durch zusätzliche ICTRP-Treffer festgestellt.
Die Auswertung zeigt, dass Studien zu nicht-medikamentösen Verfahren seltener in CT.gov oder EU-CTR erfasst sind. Etwa ein Drittel dieser Studien war in der Untersuchung ausschließlich über das ICTRP auffindbar.
Für die Vollständigkeitsprüfung von Arzneimittelstudien in Dossierbewertungen werden Suchen in CT.gov und dem EU-CTR als ausreichend erachtet. Eine zusätzliche Abfrage des ICTRP Search Portals liefert laut Bericht keine entscheidungsrelevanten Zusatzinformationen.
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Quelle: IQWiG GA23-03: Evaluation regelhafter Suchen im ICTRP Search Portal (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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