Hydratation in der Palliativmedizin: Evidenz und Nutzen
Hintergrund
In den letzten Lebensstunden bis -wochen kommt es bei palliativmedizinisch versorgten Erwachsenen häufig zu einer reduzierten oralen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Dies kann zu Symptomen führen, die mit einer Dehydratation einhergehen und das Wohlbefinden beeinträchtigen.
Zur Linderung dieser Beschwerden wird teilweise eine medizinisch unterstützte Flüssigkeitszufuhr über intravenöse oder subkutane Zugänge eingesetzt. Als Alternative gilt die Standardversorgung, welche sich auf eine gute Mundpflege zur Linderung des Durstgefühls konzentriert.
Der aktuelle Cochrane Review (2023) evaluiert die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Maßnahme im Vergleich zu Placebo oder Standardversorgung. Der Fokus der Untersuchung liegt auf der Lebensqualität, dem Überleben sowie potenziellen unerwünschten Ereignissen.
Empfehlungen
Der Review fasst die aktuelle Evidenzlage in folgenden Kernpunkten zusammen:
Lebensqualität
Laut Review gibt es unzureichende Evidenz, um zu beurteilen, ob eine medizinisch unterstützte Flüssigkeitszufuhr die Lebensqualität verbessert. Die eingeschlossenen Studien zeigten im Vergleich zu Placebo keine eindeutigen Vorteile (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Überleben
Die Meta-Analyse liefert keine belastbaren Daten dafür, dass die Flüssigkeitsgabe das Überleben von Menschen im Endstadium einer Erkrankung verlängert. Sowohl im Vergleich zu Placebo als auch zur Standardversorgung bleibt der Effekt unklar.
Unerwünschte Ereignisse
Es ist laut den Autoren ungewiss, ob die Intervention zu vermehrten unerwünschten Ereignissen führt. Untersucht wurden unter anderem:
-
Schmerzen an der Injektionsstelle
-
Lokale Schwellungen
-
Generalisierte Ödeme oder vermehrte Atemwegssekretion
Klinische Entscheidungsfindung
Da belastbare Leitlinienempfehlungen fehlen, wird eine individuelle Abwägung gefordert. Die Entscheidung für oder gegen eine Flüssigkeitszufuhr sollte basierend auf den wahrgenommenen individuellen Vor- und Nachteilen getroffen werden.
Zudem wird betont, dass die Studienergebnisse ausschließlich auf stationären Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen basieren. Eine Übertragbarkeit auf andere Settings oder Diagnosen wie Demenz ist nicht gegeben.
💡Praxis-Tipp
Da die Evidenzlage zur künstlichen Flüssigkeitsgabe am Lebensende unzureichend ist, wird eine individuelle und symptomorientierte Entscheidungsfindung empfohlen. Der Review hebt hervor, dass eine gute Mundpflege als Standardversorgung oft ausreicht, um das Durstgefühl effektiv zu lindern, ohne das Risiko einer potenziellen Überwässerung einzugehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es dafür keine ausreichende Evidenz. Es ist unklar, ob die Maßnahme im Vergleich zu einer guten Mundpflege einen messbaren Vorteil für das Wohlbefinden bietet.
Die aktuelle Datenlage lässt keine Rückschlüsse auf eine Verlängerung der Überlebenszeit zu. Die eingeschlossenen Studien zeigten eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit bezüglich dieses Endpunkts.
Zu den potenziellen unerwünschten Ereignissen zählen Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle. Zudem wird in der Literatur vor einer möglichen Überwässerung gewarnt, die zu Ödemen oder vermehrter Atemwegssekretion führen kann.
Der Review verneint dies ausdrücklich. Alle eingeschlossenen Studien untersuchten ausschließlich stationäre Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen am Lebensende.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Medically assisted hydration for adults receiving palliative care (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Palliative care interventions in advanced dementia
Cochrane Review: Interventions for palliative symptom control in COVID-19 patients
Cochrane Review: The effectiveness and cost-effectiveness of hospital-based specialist palliative care for adults with advanced illness and their caregivers
Cochrane Review: Systemic corticosteroids for the management of cancer-related breathlessness (dyspnoea) in adults
Cochrane Review: Drug therapy for delirium in terminally ill adults
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen