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Delirium bei Palliativpatienten: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein Delirium tritt bei unheilbar kranken Erwachsenen in der terminalen Krankheitsphase häufig auf. Es äußert sich durch akute Aufmerksamkeitsstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen und veränderte Schlaf-Wach-Rhythmen.

Die Ursachen sind oft vielschichtig und können durch die Grunderkrankung, Medikamente oder andere Begleitsymptome bedingt sein. Ein Delirium stellt für die Betroffenen, ihre Angehörigen und das Behandlungsteam eine erhebliche Belastung dar.

Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit medikamentöser Therapien zur Behandlung von Deliriumsymptomen bei Palliativpatienten. Die Evidenzlage stützt sich primär auf Studien zu Antipsychotika und Benzodiazepinen im Vergleich zu Placebo.

Empfehlungen

Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Kernaussagen zur Therapie des Deliriums:

Nicht-medikamentöse Basistherapie

Laut Review wird in klinischen Leitlinien primär die Identifikation und Behandlung reversibler Ursachen empfohlen. Vor dem Einsatz von Medikamenten sollten nicht-medikamentöse Ansätze ausgeschöpft werden. Dazu gehören:

  • Überprüfung und Absetzen nicht zwingend erforderlicher Medikamente

  • Sicherstellung der Flüssigkeitszufuhr und adäquate Schmerzkontrolle

  • Förderung eines guten Schlaf-Wach-Rhythmus und regelmäßige Reorientierung

  • Ausschluss von Opioidtoxizität, Infektionen, Obstipation oder Harnverhalt

Medikamentöse Interventionen im Vergleich

Die Auswertung zeigt, dass Antipsychotika bei leichtem bis mittelschwerem Delirium keinen nachweisbaren Nutzen bringen. Es liegt Evidenz von niedriger Qualität vor, dass diese Medikamente die Deliriumsymptome im Vergleich zu Placebo sogar leicht verschlechtern können.

InterventionVergleichWirkung auf DeliriumsymptomeExtrapyramidale Nebenwirkungen
Haloperidolvs. PlaceboMögliche Verschlechterung (nach 48h)Wahrscheinlich erhöht
Risperidonvs. PlaceboMögliche Verschlechterung (nach 24h & 48h)Möglicherweise erhöht
Haloperidolvs. RisperidonKein wesentlicher UnterschiedNicht berichtet
Haloperidol + Lorazepamvs. HaloperidolSehr unsichere Evidenz für BesserungSehr unsichere Evidenz

Schwere und refraktäre Verläufe

Bei schwerem Delirium mit Agitation gibt es sehr schwache Hinweise, dass eine Kombination aus Lorazepam und Haloperidol wirksamer sein könnte als Haloperidol allein. Die Evidenz hierfür ist jedoch stark limitiert.

Für refraktäres, agitiertes Delirium in den letzten Lebensstunden oder -tagen wird in der klinischen Praxis Midazolam im Rahmen einer palliativen Sedierung eingesetzt. Der Review betont jedoch, dass dies in den eingeschlossenen randomisierten Studien nicht spezifisch evaluiert wurde.

Kontraindikationen

Der Review warnt davor, dass der routinemäßige Einsatz von Haloperidol oder Risperidon bei leichtem bis mittelschwerem Delirium in der Palliativmedizin die Symptomatik verschlechtern kann. Zudem wird auf das erhöhte Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen durch diese Antipsychotika hingewiesen.

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💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis des Reviews ist, dass Antipsychotika wie Haloperidol bei leichtem bis mittelschwerem Delirium am Lebensende nicht routinemäßig eingesetzt werden sollten, da sie die Symptome verschlimmern können. Es wird stattdessen empfohlen, primär reversible Ursachen wie Harnverhalt, Infektionen oder Opioidtoxizität zu suchen und zu behandeln.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es keine Evidenz für einen Nutzen von Haloperidol bei leichtem bis mittelschwerem Delirium am Lebensende. Es wird sogar darauf hingewiesen, dass es die Symptome im Vergleich zu Placebo leicht verschlechtern kann.

Die Auswertung zeigt, dass Medikamente wie Haloperidol und Risperidon das Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen erhöhen. Dies ist durch Evidenz von moderater bis niedriger Qualität belegt.

Es wird empfohlen, zunächst nach reversiblen Ursachen zu suchen und diese zu behandeln. Dazu gehören laut Review die Überprüfung der Medikation, der Ausschluss von Infektionen oder Obstipation sowie die Sicherstellung der Reorientierung.

Midazolam wird in der klinischen Praxis häufig als Erstlinientherapie bei refraktärem, agitiertem Delir im Rahmen der palliativen Sedierung eingesetzt. Der Review merkt jedoch an, dass die spezifische Wirksamkeit in den vorliegenden randomisierten Studien nicht ausreichend untersucht wurde.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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