HPV-Impfung: Prävention von Zervixkarzinom und CIN2+
Hintergrund
Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Eine anhaltende Infektion mit Hochrisiko-Typen des humanen Papillomavirus (HPV) gilt als Hauptfaktor für die Entstehung von Zervixkarzinomen sowie weiteren Karzinomen an Vulva, Vagina, Anus, Penis und im Kopf-Hals-Bereich.
Prophylaktische HPV-Impfstoffe zielen darauf ab, Krebsvorstufen und Genitalwarzen zu verhindern, indem sie Antikörper gegen spezifische HPV-Typen generieren. Die Impfung ist am wirksamsten, wenn sie vor dem ersten Kontakt mit dem Virus verabreicht wird.
Der vorliegende Cochrane Review (2025) untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit der von der WHO präqualifizierten HPV-Impfstoffe (Cervarix, Gardasil, Gardasil-9 und Cecolin). Die Meta-Analyse umfasst Daten von über 150.000 Personen aus 60 randomisierten kontrollierten Studien.
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2025) liefert folgende zentrale Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfung:
Wirksamkeit bei Frauen und Mädchen
Laut Meta-Analyse reduziert die HPV-Impfung bei 15- bis 25-jährigen Frauen signifikant das Risiko für hochgradige Gebärmutterhalskrebsvorstufen (CIN2+, moderate Evidenz). Bei Frauen über 25 Jahren zeigt sich hingegen kaum ein Unterschied im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Zudem wird für die Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen berichtet:
-
Leichte Reduktion von hochgradigen vulvären (VIN) und vaginalen (VaIN) Neoplasien unter Gardasil oder Gardasil-9.
-
Starke Senkung der Rate an Genitalwarzen (hohe Evidenz).
-
Signifikante Reduktion der Behandlungsraten für HPV-bedingte präinvasive Erkrankungen.
Wirksamkeit bei Männern und Jungen
Bei 15- bis 25-jährigen Männern, die Sex mit Männern haben, zeigt sich unter Gardasil eine Reduktion hochgradiger analer intraepithelialer Neoplasien (AIN). Für penile Krebsvorstufen (PeIN) konnte in den Studien kein Unterschied festgestellt werden (niedrige Evidenz).
Krebserkrankungen und Langzeitfolgen
Der Review stellt fest, dass die bisherigen Studien nicht lang genug liefen, um die tatsächliche Entwicklung von Krebserkrankungen zu erfassen. Für die Altersgruppe unter 15 Jahren liegen laut Review zudem keine direkten Daten zu Krebsvorstufen vor.
Sicherheitsprofil
Die Meta-Analyse bestätigt ein sehr gutes Sicherheitsprofil der HPV-Impfstoffe. Es zeigt sich kein Unterschied bei der Häufigkeit schwerwiegender unerwünschter Ereignisse im Vergleich zu den Kontrollgruppen (hohe Evidenz).
Lokale Reaktionen wie Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle treten laut den Studiendaten jedoch häufig auf.
Dosierung
Der Cochrane Review listet die Eigenschaften und Standard-Impfschemata der von der WHO präqualifizierten HPV-Impfstoffe auf:
| Impfstoff | Valenz | Abgedeckte HPV-Typen | Standard-Impfschema |
|---|---|---|---|
| Cervarix | Bivalent | 16, 18 | 3 Dosen (Monat 0, 1, 6) |
| Cecolin | Bivalent | 16, 18 | 2 Dosen (Monat 0, 6) |
| Gardasil | Quadrivalent | 6, 11, 16, 18 | 3 Dosen (Monat 0, 2, 6) |
| Gardasil-9 | Nonavalent | 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58 | 3 Dosen (Monat 0, 2, 6) |
Anmerkung: Der Review untersucht auch reduzierte Impfschemata (1 oder 2 Dosen), die zunehmend von der WHO und nationalen Gremien empfohlen werden.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxisaspekt des Reviews ist die starke Altersabhängigkeit der Impfeffektivität. Es wird deutlich, dass die HPV-Impfung bei Frauen über 25 Jahren kaum noch einen messbaren Nutzen bezüglich hochgradiger Zervixdysplasien (CIN2+) aufweist. Daher ist die Aufklärung und Impfung im frühen Jugendalter, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt, von entscheidender Bedeutung für den Präventionserfolg.
Häufig gestellte Fragen
Der aktuelle Cochrane Review stellt fest, dass die bisherigen Studien zu kurz liefen, um direkte Krebsfälle zu erfassen. Es ist jedoch durch hohe Evidenz belegt, dass die Impfung hochgradige Krebsvorstufen (CIN2+) signifikant reduziert.
Die Meta-Analyse bestätigt ein sehr gutes Sicherheitsprofil ohne erhöhtes Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen. Lokale Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle werden jedoch häufig beobachtet.
Ja, der Review zeigt, dass die Impfung bei jungen Männern das Risiko für Genitalwarzen senkt. Bei Risikogruppen (Männer, die Sex mit Männern haben) wird zudem eine Reduktion analer Krebsvorstufen beschrieben.
Alle präqualifizierten Impfstoffe decken die Hochrisiko-Typen 16 und 18 ab, die für etwa 70 Prozent der Zervixkarzinome verantwortlich sind. Gardasil und Gardasil-9 schützen zusätzlich vor den Typen 6 und 11, welche Genitalwarzen verursachen.
Laut den Daten des Reviews zeigt sich bei Frauen über 25 Jahren nur ein geringer oder gar kein Unterschied in der Rate von Gebärmutterhalskrebsvorstufen im Vergleich zu ungeimpften Frauen. Die Effektivität sinkt deutlich, wenn bereits Kontakt mit dem Virus bestand.
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Quelle: Cochrane Review: Human papillomavirus (HPV) vaccination for the prevention of cervical cancer and other HPV-related diseases: a network meta-analysis (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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