WHO2021

HIV-Infektion: Diagnostik, Therapie, PrEP und PEP

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2021) liefert umfassende Empfehlungen zur Prävention, Testung und Behandlung von HIV-Infektionen. Ein zentraler Fokus liegt auf einem personenzentrierten Ansatz im Rahmen der öffentlichen Gesundheit.

Ziel ist es, die globale HIV-Mortalität zu senken und die UNAIDS-Ziele für 2025 zu erreichen. Dabei wird die Bedeutung des Abbaus struktureller Barrieren wie Stigmatisierung und Diskriminierung hervorgehoben.

Die Publikation berücksichtigt neue Entwicklungen wie die breite Einführung von Dolutegravir, HIV-Selbsttests und differenzierte Modelle der Leistungserbringung. Zudem werden spezifische Strategien für fortgeschrittene HIV-Erkrankungen und Koinfektionen definiert.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

HIV-Testung und Diagnostik

Laut Leitlinie wird empfohlen, gemeindebasierte HIV-Testangebote zusätzlich zu routinemäßigen Tests in Gesundheitseinrichtungen bereitzustellen (starke Empfehlung). Zudem wird der Einsatz von HIV-Selbsttests als zusätzlicher Ansatz befürwortet (starke Empfehlung).

Für Säuglinge und Kinder unter 18 Monaten wird die Nutzung von Point-of-Care-Nukleinsäuretests (NAT) zur Diagnose empfohlen (starke Empfehlung).

HIV-Prävention (PrEP und PEP)

Als Teil einer umfassenden Präventionsstrategie empfiehlt die Leitlinie:

  • Orale Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit Tenofovir (TDF) für Personen mit erheblichem HIV-Risiko (starke Empfehlung)

  • Den Dapivirin-Vaginalring als zusätzliche Option für Frauen mit erheblichem Risiko (bedingte Empfehlung)

  • Für die Postexpositionsprophylaxe (PEP) ein Basisregime aus TDF und 3TC (oder FTC) (starke Empfehlung)

  • Dolutegravir (DTG) als bevorzugtes drittes Medikament für die PEP (starke Empfehlung)

Antiretrovirale Therapie (ART)

Es wird empfohlen, eine ART für alle Menschen mit HIV unabhängig vom klinischen WHO-Stadium und der CD4-Zellzahl zu beginnen (starke Empfehlung). Ein rascher ART-Beginn innerhalb von sieben Tagen nach der Diagnose wird angestrebt. Personen, die dazu bereit sind, sollte ein ART-Beginn noch am selben Tag angeboten werden (starke Empfehlung).

Für die Erstlinientherapie formuliert die Leitlinie folgende Präferenzen:

  • Erwachsene und Jugendliche: DTG in Kombination mit einem NRTI-Rückgrat (starke Empfehlung)

  • Alternative für Erwachsene: Efavirenz (EFV) in niedriger Dosis (400 mg) plus NRTI-Rückgrat (starke Empfehlung)

  • Neugeborene: Raltegravir (RAL)-basiertes Regime (bedingte Empfehlung)

Monitoring und Koinfektionen

Zur Überwachung des Therapieerfolgs wird die Messung der Viruslast als bevorzugte Methode empfohlen (starke Empfehlung). Bei einer Tuberkulose-Koinfektion sollte die ART so schnell wie möglich innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der TB-Therapie gestartet werden (starke Empfehlung).

Dosierung

Die Leitlinie nennt unter anderem folgende spezifische Dosierungen für ausgewählte Therapiesituationen:

Indikation / MedikamentDosierung
Alternative Erstlinien-ART
Efavirenz (EFV)400 mg einmal täglich
Kryptokokken-Meningitis (Induktion)
Amphotericin B Desoxycholat1,0 mg/kg pro Tag (für 1 Woche)
Flucytosin100 mg/kg pro Tag (aufgeteilt in 4 Dosen)
Fluconazol1200 mg täglich (Kinder: 12 mg/kg pro Tag)

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von einem sofortigen ART-Beginn bei Personen mit kryptokokkenbedingter Meningitis ab, da dies mit einer erhöhten Mortalität assoziiert ist. Der Beginn sollte um 4 bis 6 Wochen nach Start der Antimykotika-Therapie verschoben werden.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass NNRTI-basierte Regime (wie Efavirenz) vermieden werden sollten, wenn die Prävalenz von vorbehandelten NNRTI-Resistenzen in der Population bei 10 % oder höher liegt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie stellt die kryptokokkenbedingte Meningitis eine wichtige Ausnahme für den ansonsten empfohlenen sofortigen ART-Beginn dar; hier wird eine Verzögerung der antiretroviralen Therapie um 4 bis 6 Wochen nach Beginn der Antimykotika-Gabe empfohlen, um die Mortalität nicht zu erhöhen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den Beginn einer ART für alle Menschen mit HIV, unabhängig vom klinischen Stadium oder der CD4-Zellzahl. Ein rascher Beginn innerhalb von sieben Tagen, idealerweise noch am Tag der Diagnose, wird angestrebt.

Als orale Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wird Tenofovir (TDF) für Personen mit erheblichem HIV-Risiko empfohlen. Für Frauen wird zudem der Dapivirin-Vaginalring als zusätzliche Option genannt.

Es wird ein Basisregime aus Tenofovir (TDF) und Lamivudin (3TC) oder Emtricitabin (FTC) empfohlen. Als bevorzugtes drittes Medikament für die PEP nennt die Leitlinie Dolutegravir (DTG).

Zur Überwachung des Therapieerfolgs und zur Diagnose eines Therapieversagens wird die regelmäßige Messung der Viruslast empfohlen. Wenn die Viruslast routinemäßig überwacht wird, kann auf regelmäßige CD4-Zellzahl-Messungen bei stabil eingestellten Personen verzichtet werden.

Die Leitlinie empfiehlt Dolutegravir (DTG) in Kombination mit einem NRTI-Rückgrat als bevorzugtes Erstlinienregime. Als Alternative wird Efavirenz in einer niedrigen Dosierung von 400 mg genannt.

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Quelle: Consolidated guidelines on HIV prevention, testing, treatment, service delivery and monitoring: recommendations for a public health approach (WHO, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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