Hebammengeleitete Versorgung: Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2025) adressiert den Übergang zu hebammengeleiteten Versorgungsmodellen ("midwifery models of care"). Ziel ist es, die Gesundheitsergebnisse für Mütter und Neugeborene zu verbessern und eine universelle Gesundheitsversorgung zu fördern.
In diesen Modellen übernehmen Hebammen die kontinuierliche Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. Sie treffen autonome Entscheidungen innerhalb ihres Kompetenzbereichs und arbeiten in interdisziplinären Teams.
Die Leitlinie betont, dass dieser Ansatz evidenzbasiert und kosteneffizient ist. Er trägt dazu bei, Übermedikalisierung zu reduzieren und die Betreuungserfahrung der Frauen maßgeblich zu verbessern.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Übergang zu hebammengeleiteten Versorgungsmodellen:
Strategische Planung
Laut Leitlinie wird ein vierstufiger Planungsprozess empfohlen:
-
Durchführung einer umfassenden Situationsanalyse zur Bewertung der aktuellen maternalen und neonatalen Gesundheitsversorgung.
-
Entwicklung eines strategischen Plans zur Definition nationaler oder regionaler Prioritäten.
-
Erstellung eines operativen Plans mit einem robusten Monitoring- und Evaluationsrahmen.
-
Ausarbeitung eines Finanzplans zur Sicherstellung der Ressourcenallokation.
Versorgungsstrukturen und Modelle
Es wird empfohlen, die Versorgungsmodelle an den lokalen Kontext anzupassen. Die Leitlinie beschreibt verschiedene Ansätze:
-
Modelle der kontinuierlichen Hebammenbetreuung ("continuity of midwife care"), bei denen eine bekannte Hebamme die primäre Bezugsperson bleibt.
-
Gemeindebasierte Modelle zur Verbesserung des Zugangs in ländlichen oder unterversorgten Gebieten.
-
Hebammengeleitete Geburtseinrichtungen ("birth centres"), die entweder eigenständig oder an Krankenhäuser angegliedert sind.
Interprofessionelle Zusammenarbeit
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer vertrauensvollen und nicht-hierarchischen Zusammenarbeit. Es wird empfohlen, gemeinsame Werte und Ziele über Berufsgruppen hinweg zu etablieren.
Zudem wird angeraten, interdisziplinäre Kommunikations- und Koordinationsmechanismen aufzubauen. Dies schließt klare Überweisungs- und Eskalationsprotokolle bei Komplikationen ein (starke Empfehlung).
Bildung und Personalmanagement
Gemäß der Leitlinie ist eine kompetenzbasierte Hebammenausbildung unerlässlich. Es wird empfohlen, flexible und validierte Programme für die kontinuierliche berufliche Weiterbildung zu implementieren.
Zur Sicherung des Personalbestands wird geraten:
-
Eine vorausschauende Personalplanung basierend auf Arbeitsmarktanalysen durchzuführen.
-
Faire und geschlechtsneutrale Vergütungssysteme zu etablieren.
-
Klare Karrierewege und Führungspositionen für Hebammen zu schaffen.
Bewertung des Übergangs (Transition Framework)
Die Leitlinie stellt ein Bewertungsinstrument zur Verfügung, um den Fortschritt in verschiedenen Bereichen zu messen. Die Phasen der Implementierung werden wie folgt klassifiziert:
| Phase | Beschreibung des Fortschritts | Engagement der Gemeinschaft | Interprofessionelle Zusammenarbeit |
|---|---|---|---|
| Phase I | Keine oder minimale Ansätze | Kein Einbezug von Frauen/Gemeinden | Eingeschränkte, hierarchische Zusammenarbeit |
| Phase II | Initiale Bemühungen | Erste unstrukturierte Einbindung | Erste informelle gemeinsame Initiativen |
| Phase III | Wachsendes Bewusstsein | Strukturierte, aber begrenzte Partizipation | Zunehmende, aber noch hierarchische Entscheidungsfindung |
| Phase IV | Klares Verständnis und Integration | Formale Engagement-Mechanismen etabliert | Autonome Hebammenentscheidungen mit guter Kommunikation |
| Phase V | Vollständige, landesweite Skalierung | Inklusive, kontinuierliche Mitbestimmung | Gleichberechtigte Partnerschaften und Netzwerke |
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die Vermeidung von hierarchischen Strukturen in der interprofessionellen Zusammenarbeit. Es wird betont, dass Hebammen ihre Autonomie innerhalb ihres Kompetenzbereichs voll ausschöpfen können müssen, um die Versorgungsqualität zu maximieren. Eine Kultur der psychologischen Sicherheit ohne Schuldzuweisungen wird als essenziell für den Erfolg des Modells beschrieben.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist dies ein Modell, in dem professionelle Hebammen die Hauptansprechpartnerinnen für Frauen und Neugeborene sind. Sie koordinieren die Versorgung während der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett autonom innerhalb ihres Kompetenzbereichs.
Die Leitlinie gibt an, dass dieses Modell die Betreuungserfahrung der Frauen verbessert und unnötige medizinische Interventionen reduziert. Zudem wird es als kosteneffiziente Strategie zur Senkung der maternalen und neonatalen Morbidität beschrieben.
Es wird empfohlen, nahtlose Überweisungssysteme und Eskalationsprotokolle zu etablieren. Die Leitlinie betont, dass Hebammen in solchen Fällen eng mit Geburtshelfern und Kinderärzten in einem interdisziplinären Team zusammenarbeiten.
Geburtshäuser ("birth centres") werden in der Leitlinie als dedizierte Einrichtungen für Frauen mit geringem Komplikationsrisiko beschrieben. Sie können entweder als eigenständige Einrichtungen oder in Anbindung an ein Krankenhaus betrieben werden.
Die Leitlinie empfiehlt gezielte Personalstrategien, einschließlich fairer Vergütung und der Schaffung sicherer Arbeitsbedingungen. Zudem wird geraten, klare Karrierewege und kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten zu fördern.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Implementation guidance on transitioning to midwifery models of care (WHO, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Consolidated guidelines for the prevention, diagnosis and treatment of postpartum haemorrhage: implementation guide
Scaling up postpregnancy family planning: practical guide
WHO labour care guide: implementation resource package
Guidance on planning, implementing and scaling up task sharing for contraceptive services
Implementation of self-care interventions for health and well-being: guidance for health systems
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen