Qualität in der MNCH-Versorgung: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Die WHO definiert 8 Qualitätsdomänen für die Mütter-, Neugeborenen- und Kindergesundheit (MNCH).
- •Die Implementierung von Qualitätsverbesserungen (QoC) erfolgt auf nationaler, distriktbezogener und einrichtungsbezogener Ebene.
- •Fünf Kernfunktionen stützen das System: Vor-Ort-Support, Wissensaustausch, Messung, Einbindung von Stakeholdern und Programmmanagement.
- •Auf nationaler Ebene leitet eine Technical Working Group (TWG) die Entwicklung einer Roadmap und eines operativen Plans.
- •Auf Einrichtungsebene treiben multidisziplinäre Quality Improvement (QI) Teams die konkreten Verbesserungen voran.
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie bietet einen praktischen Leitfaden zur Verbesserung der Versorgungsqualität (Quality of Care, QoC) in der Mütter-, Neugeborenen- und Kindergesundheit (MNCH). Zwischen 5,7 und 8,4 Millionen Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen werden jährlich auf mangelhafte Versorgungsqualität zurückgeführt.
Das konzeptionelle QoC-Rahmenwerk der WHO umfasst acht Qualitätsdomänen:
- 1. Evidenzbasierte Praktiken für Routineversorgung und Komplikationsmanagement
- 2. Handlungsfähige Informationssysteme
- 3. Funktionierende Überweisungssysteme
- 4. Effektive Kommunikation
- 5. Respekt und Wahrung der Würde
- 6. Emotionale Unterstützung
- 7. Kompetentes, motiviertes Personal
- 8. Essenzielle physische Ressourcen
Leitprinzipien der Implementierung
Für die Umsetzung von Qualitätsverbesserungen gelten folgende Leitprinzipien:
- Lernen, anpassen und teilen: Eine Kultur der Offenheit pflegen, die Erfolge feiert.
- Schnell, klein und einfach starten: Auf bestehenden Erfahrungen aufbauen, anstatt übermäßig viel Zeit mit Planung zu verbringen.
- Fokus auf Gesundheitsoutcomes und Patientenerfahrung: Direkte Patientenrelevanz priorisieren.
- Auf bestehenden Strukturen aufbauen: QoC-Aktivitäten in vorhandene Systeme und Abteilungen integrieren.
- Systeme ändern, um Gesundheitspersonal zu unterstützen: Keine Schuldzuweisungen an Individuen, sondern Systemverbesserungen anstreben.
Die 5 Kernfunktionen für Qualitäts-Gesundheitsdienste
Die Umsetzung strategischer QoC-Ziele wird durch fünf miteinander verbundene Funktionen unterstützt:
| Funktion | Beschreibung | Ziel |
|---|---|---|
| Vor-Ort-Support (On-site support) | Kontinuierliches Coaching und Unterstützung des Personals an vorderster Front. | Aufbau und Erhalt von QI-Fähigkeiten. |
| Teilen und Lernen (Sharing and learning) | Austausch von Best Practices und Fehlern zwischen Teams, Einrichtungen und Distrikten. | Skalierung erfolgreicher Interventionen. |
| Messung (Measurement) | Nutzung von Routine-Gesundheitsinformationssystemen (HMIS) und flexiblen Tools. | Überwachung von QI-Aktivitäten und MNCH-Outcomes. |
| Einbindung von Stakeholdern und Community | Systematische Einbeziehung von Gemeindevertretern und Patienten (z.B. Community Scorecards). | Sicherstellung von Verantwortlichkeit und Identifikation von Lücken. |
| Programmmanagement | Bereitstellung von Ressourcen, Planung und Überprüfung auf allen Ebenen. | Verknüpfung von QoC-Bemühungen mit breiteren Gesundheitssystemfunktionen. |
Umsetzung auf Nationaler Ebene
Auf nationaler Ebene ist die Technical Working Group (TWG) zentral. Sie koordiniert die Bemühungen und entwickelt eine Roadmap sowie einen operativen Plan.
- Durchführung einer Landschaftssynthese (Situation Analysis) zur Erfassung des Status quo und bestehender Ressourcen.
- Auswahl von Learning Districts (Lern-Distrikten) als repräsentative Testumgebungen für QoC-Interventionen.
- Lösung programmatischer und systemischer Einschränkungen (z.B. Richtlinien, Lieferketten, Finanzierung).
Umsetzung auf Distriktebene
Das District Health Management Team (DHMT) ist für die Organisation der Dienste und die Ressourcenzuweisung verantwortlich.
- Entwicklung eines distriktspezifischen operativen Plans basierend auf der nationalen Roadmap.
- Auswahl von Learning Facilities (Lern-Einrichtungen) zur Generierung von Erkenntnissen im klinischen Alltag.
- Mobilisierung von Kapazitäten für das QI-Coaching in den Einrichtungen.
- Sicherstellung der Funktionalität der fünf Kernfunktionen auf Distriktebene.
Umsetzung auf Einrichtungsebene
Die Qualitätsverbesserung in den Kliniken und Gesundheitszentren wird von zwei Hauptgruppen getragen:
| Team | Zusammensetzung | Aufgaben |
|---|---|---|
| Facility Leadership Team | Einrichtungsmanagement und QI-Teamleiter | Festlegung der QI-Ziele, Bereitstellung von Ressourcen, Sicherstellung des Vor-Ort-Supports. |
| Quality Improvement (QI) Team | Multidisziplinär (Ärzte, Pflegekräfte, Apotheker, Datenverwalter etc.) | Implementierung von QI-Interventionen, Datenerfassung, Erreichung der vereinbarten Verbesserungsziele. |
Die Teams definieren spezifische, messbare Ziele, die für die Patientenoutcomes relevant sind und vom Gesundheitspersonal motiviert verfolgt werden können.
💡Praxis-Tipp
Etablieren Sie multidisziplinäre Quality Improvement (QI) Teams in Ihrer Einrichtung und beginnen Sie mit kleinen, messbaren Zielen, die direkte Auswirkungen auf die Patientenerfahrung oder klinische Outcomes haben.