Halsschmerzen (Pharyngitis): Centor-Score & Therapie
Hintergrund
Die DEGAM S3-Leitlinie adressiert die hausärztliche Versorgung von akuten Halsschmerzen bei Kindern ab drei Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen. Das Symptom gehört zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Primärversorgung.
Akute Halsschmerzen werden in der überwiegenden Zahl der Fälle durch Virusinfektionen verursacht und sind meist selbstlimitierend. Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt etwa eine Woche, unabhängig von einer Antibiotikagabe.
Ein zentrales Versorgungsproblem ist die hohe Rate an nicht nutzengerechten Antibiotikaverschreibungen bei banalen Atemwegsinfekten. Die Leitlinie zielt darauf ab, Überdiagnostik zu vermeiden und Patienten mit geringem Risiko für bakterielle Infektionen besser zu identifizieren.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Praxisfehler ist die routinemäßige Bestimmung von Entzündungsparametern (CRP, Leukozyten) oder des Antistreptolysin-Titers (ASL) zur Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Genese. Die Leitlinie rät von diesen Laboruntersuchungen bei unkomplizierten Verläufen ab, da sie keine sichere Differenzierung ermöglichen. Zudem wird betont, dass die Prävention eines akuten rheumatischen Fiebers in westlichen Industrienationen aufgrund der extrem niedrigen Inzidenz kein primäres Ziel einer Antibiotikatherapie mehr darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte ein Schnelltest auf Gruppe-A-Streptokokken vor allem bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren mit einem mittleren bis hohen klinischen Score (ab 3 Punkten) erwogen werden. Bei einem negativen Ergebnis wird empfohlen, auf eine Antibiotikatherapie zu verzichten.
Die Leitlinie empfiehlt Penicillin V als Mittel der ersten Wahl für eine Dauer von 5 bis 7 Tagen. Bei einer nachgewiesenen Penicillin-Unverträglichkeit wird auf Makrolide wie Clarithromycin für 5 Tage ausgewichen.
Es wird in der Leitlinie stark davon abgeraten, Kortikosteroide zur reinen Schmerztherapie bei Halsschmerzen einzusetzen. Aufgrund der heterogenen Studienlage und möglicher Nebenwirkungen ist die Verordnung bei diesem meist selbstlimitierenden Symptom nicht gerechtfertigt.
Gemäß Leitlinie stellt die Tonsillektomie oder Tonsillotomie eine therapeutische Option dar, wenn in den letzten 12 Monaten mindestens 6 ärztlich dokumentierte und therapierte Halsschmerz-Episoden aufgetreten sind. Bei 3 bis 5 Episoden kann der Eingriff erwogen werden, falls im nächsten Halbjahr weitere Infekte bis zum Erreichen der Zahl 6 hinzukommen.
Die Leitlinie verweist auf das Infektionsschutzgesetz, wonach eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen bei einer antibiotisch behandelten Scharlach-Erkrankung ohne Krankheitszeichen ab dem zweiten Tag erfolgen kann. Ohne Antibiotikatherapie ist ein Besuch erst nach vollständigem Abklingen der Symptome wieder gestattet.
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Quelle: Halsschmerzen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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