Generalisierte Angststörung (GAS): Therapie durch DiGA
Hintergrund
Der IQWiG-HTA-Bericht untersucht den Nutzen von digitalen Interventionen (Apps und Webanwendungen) bei Jugendlichen ab 14 Jahren und Erwachsenen mit generalisierter Angststörung (GA). Die Erkrankung ist durch andauernde, unkontrollierbare Sorgen sowie körperliche Symptome wie Herzrasen oder Schlafstörungen gekennzeichnet.
Standardmäßig werden zur Behandlung psychotherapeutische Verfahren, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), sowie Pharmakotherapie empfohlen. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sollen Betroffene ergänzend oder überbrückend unterstützen.
In Deutschland können bestimmte geprüfte Anwendungen auf Rezept verordnet werden. Der Bericht evaluiert, ob diese digitalen Interventionen im Vergleich zu keiner Behandlung oder Standardtherapien einen nachweisbaren patientenrelevanten Nutzen bieten.
Empfehlungen
Der Bericht fasst die Evidenzlage zum Einsatz digitaler Interventionen bei generalisierter Angststörung zusammen. Es werden folgende zentrale Ergebnisse formuliert:
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) basierte Apps
Laut Bericht gibt es Hinweise auf einen Nutzen von KVT-basierten digitalen Interventionen im Vergleich zu keiner Behandlung (Warteliste oder Standardversorgung ohne spezifische Therapie).
Die folgende Übersicht zeigt die Bewertung der patientenrelevanten Endpunkte gemäß der Auswertung:
| Endpunkt | Effekt (KVT-App vs. keine Behandlung) | Aussagesicherheit |
|---|---|---|
| Krankheitssymptomatik | Relevante Verbesserung | Hinweis |
| Lebensqualität | Relevante Verbesserung | Hinweis |
| Alltagsfunktionen | Relevante Verbesserung | Hinweis |
| Remission (GA-Diagnose) | Kein Unterschied | Kein Anhaltspunkt |
| Unerwünschte Ereignisse | Unzureichende Datenlage | Kein Anhaltspunkt |
Cognitive Bias Modification (CBM)
Für Interventionen, die auf einer kognitiven Verzerrungsmodifikation (CBM) basieren, zeigt die Auswertung ein anderes Bild. Es wird berichtet:
-
Kein Anhaltspunkt für einen Nutzen bezüglich der Symptomreduktion im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Sham-Intervention).
-
Ein Anhaltspunkt für einen Nutzen bezüglich der Remission bei einer Kombination aus KVT und CBM im Vergleich zu keiner Behandlung.
Limitationen und fehlende Daten
Der Bericht betont, dass die Ergebnissicherheit stark eingeschränkt ist. Alle eingeschlossenen Studien weisen ein hohes Verzerrungspotenzial auf, häufig bedingt durch fehlende Verblindung und subjektive Endpunkterhebung.
Zudem fehlen laut Auswertung wichtige Daten für den klinischen Alltag:
-
Es gibt keine direkten Vergleiche zwischen Apps und einer persönlich erbrachten Face-to-Face-Psychotherapie oder Pharmakotherapie.
-
Daten zu langfristigen Effekten, Mortalität oder Rückfallrisiko liegen nicht vor.
-
Es liegen keine Daten für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren vor.
💡Praxis-Tipp
Laut Bericht ist bei der Verordnung von Gesundheits-Apps zu berücksichtigen, dass viele Betroffene eine persönliche therapeutische Betreuung deutlich präferieren. Da unerwünschte Ereignisse in den Studien kaum systematisch erfasst wurden, wird eine ärztliche Begleitung empfohlen, um mögliche Symptomverschlechterungen oder Überforderungen durch die App-Nutzung frühzeitig zu erkennen.
Häufig gestellte Fragen
Der HTA-Bericht stellt fest, dass aktuell keine Studien vorliegen, die digitale Interventionen direkt mit einer persönlich erbrachten kognitiven Verhaltenstherapie vergleichen. Eine Aussage zur Gleichwertigkeit kann daher nicht getroffen werden.
Die eingeschlossenen Studien weisen meist nur eine kurze Beobachtungsdauer von zwei bis drei Monaten auf. Laut Bericht lassen die aktuellen Daten keine verlässlichen Aussagen zu langfristigen Effekten zu.
Obwohl die Zielpopulation des Berichts Jugendliche ab 14 Jahren einschloss, konnten keine entsprechenden Studien für diese Altersgruppe identifiziert werden. Die Evidenz beschränkt sich derzeit auf Erwachsene.
Das Schadenspotenzial ist laut Auswertung unklar, da unerwünschte Ereignisse in den Studien kaum erhoben wurden. In Betroffeneninterviews wurde jedoch berichtet, dass fehlende Individualisierung oder ständige Erinnerungen der App zu Stress und negativer Selbstbewertung führen können.
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Quelle: IQWiG HT22-02 : Generalisierte Angststörung: Helfen Apps Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Erkrankung? (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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