Erstpsychose: Frühintervention, Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Eine Psychose ist durch Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet. Die erste psychotische Episode tritt häufig im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf. Eine frühzeitige und intensive Behandlung zielt darauf ab, die Genesungschancen zu erhöhen und den langfristigen Behandlungsbedarf zu senken.
Spezialisierte Frühinterventionsteams (SEI) sind multidisziplinäre, gemeindenahe Einheiten, die sich auf die Behandlung von Personen in der frühen Phase einer Psychose konzentrieren. Sie bieten ein zeitlich begrenztes, intensives Behandlungspaket, das unter anderem Pharmakotherapie, Psychotherapie, Psychoedukation sowie Unterstützung bei Ausbildung und Beruf umfasst.
Dieser Cochrane-Review untersucht die Wirksamkeit von spezialisierten Frühinterventionsteams im Vergleich zur psychiatrischen Standardversorgung (Treatment as Usual, TAU) bei Personen mit neu aufgetretener Psychose. Die Auswertung basiert auf randomisierten kontrollierten Studien aus einkommensstarken Ländern.
Empfehlungen
Der Cochrane-Review fasst die Evidenz zur Behandlung durch spezialisierte Frühinterventionsteams (SEI) im Vergleich zur Standardversorgung (TAU) zusammen.
Behandlungsadhärenz und Klinikaufenthalte
Laut Review bietet die Behandlung durch SEI-Teams während der Behandlungsdauer messbare Vorteile:
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Es wird eine wahrscheinliche Reduktion von Therapieabbrüchen durch den Einsatz von SEI-Teams beschrieben (moderate Evidenz).
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Der Review zeigt, dass SEI möglicherweise zu weniger Einweisungen in psychiatrische Kliniken führt (niedrige Evidenz).
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Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Anzahl der Aufenthaltstage in psychiatrischen Kliniken durch SEI verringern könnte (niedrige Evidenz).
Klinische und funktionelle Endpunkte
Hinsichtlich der Symptomatik und Genesung kommt die Analyse zu folgenden Ergebnissen:
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Die Behandlung durch SEI-Teams führt am Ende der Behandlungsphase möglicherweise zu einer höheren Rate an genesenen Personen im Vergleich zur Standardversorgung (niedrige Evidenz).
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Es wird eine mögliche moderate Verbesserung der allgemeinen Funktionsfähigkeit durch SEI beschrieben (niedrige Evidenz).
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Bezüglich der Beeinflussung genereller psychotischer Symptome oder der Gesamtmortalität ist die Evidenz laut Review sehr unsicher.
Verwendete klinische Scores
Der Review listet verschiedene validierte Instrumente auf, die in den eingeschlossenen Studien zur Erfolgsmessung eingesetzt wurden:
| Score | Voller Name | Gemessener Parameter |
|---|---|---|
| PANSS | Positive and Negative Syndrome Scale | Generelle Psychopathologie, Positiv- und Negativsymptomatik |
| SANS | Scale for the Assessment of Negative Symptoms | Negativsymptomatik bei Schizophrenie |
| BPRS | Brief Psychiatric Rating Scale | Psychiatrische Symptomlast |
| GAF | Global Assessment of Functioning | Psychologisches, soziales und berufliches Funktionsniveau |
| MANSA | Manchester Short Assessment of Quality of Life | Lebensqualität und allgemeine Zufriedenheit |
Langzeiteffekte und Rahmenbedingungen
Der Review betont wichtige Einschränkungen der aktuellen Datenlage:
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Die beschriebenen positiven Effekte wurden nur während der aktiven Behandlungsphase (meist zwei bis drei Jahre) beobachtet.
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Es gibt laut Analyse keine ausreichende Evidenz dafür, dass diese Vorteile nach Beendigung der SEI-Behandlung langfristig anhalten.
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Alle eingeschlossenen Studien stammen aus einkommensstarken Ländern, weshalb die Übertragbarkeit auf andere Gesundheitssysteme unklar ist.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane-Review hebt hervor, dass spezialisierte Frühinterventionsteams Therapieabbrüche bei Erstpsychosen effektiv reduzieren können. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass diese positiven Effekte primär während der aktiven, meist zwei- bis dreijährigen Behandlungsphase messbar sind. Ein strukturierter Übergang in die Standardversorgung nach Behandlungsende ist daher von besonderer Bedeutung.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review handelt es sich um multidisziplinäre, gemeindenahe Teams, die Personen mit einer kürzlich aufgetretenen Erstpsychose behandeln. Sie bieten ein intensives, zeitlich begrenztes Behandlungspaket aus Medikamenten, Psychotherapie und sozialer Unterstützung.
Der Cochrane-Review zeigt, dass die Behandlung durch diese Teams im Vergleich zur Standardversorgung möglicherweise zu weniger Krankenhauseinweisungen führt. Zudem gibt es Hinweise auf eine verkürzte Aufenthaltsdauer in der Klinik.
Die in den Studien untersuchten Behandlungen sind in der Regel zeitlich begrenzt. Der Review beschreibt eine typische Behandlungsdauer von zwei bis drei Jahren, nach der die Betroffenen in die Standardversorgung übergeben werden.
Die aktuelle Evidenzlage hierzu ist laut Review unzureichend. Es ist unklar, ob die positiven Effekte der Frühintervention nach dem Wechsel in die Standardversorgung langfristig erhalten bleiben.
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Quelle: Cochrane Review: Specialised early intervention teams for recent-onset psychosis (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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