Endometriose: Nicht-medikamentöse Schmerztherapie
Hintergrund
Der HTA-Bericht des IQWiG untersucht, ob nicht-medikamentöse und nicht-operative (NMNO) Verfahren bei Endometriose-bedingten Schmerzen helfen. Dies ist besonders für Frauen relevant, die hormonelle Therapien oder Schmerzmittel ablehnen oder bei denen ein Kinderwunsch besteht.
Zu den untersuchten NMNO-Verfahren zählen Lebensstiländerungen, psychologische Methoden, physikalische Therapien sowie Phytotherapie. Die Endometriose ist eine häufige gynäkologische Erkrankung, die mit starken Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe und Dyspareunie einhergeht.
Laut Bericht ist die aktuelle Studienlage zu diesen alternativen Verfahren stark limitiert. Viele Studien weisen methodische Mängel auf, weshalb verlässliche Aussagen zu Nutzen und Schaden oft nicht möglich sind.
Empfehlungen
Der IQWiG HTA-Bericht liefert aufgrund der schwachen Evidenzlage keine allgemeinen Empfehlungen für den Einsatz von NMNO-Verfahren. Es werden jedoch Anhaltspunkte für einen potenziellen Nutzen bei zwei spezifischen Interventionen beschrieben.
Verfahren mit Anhaltspunkt für einen Nutzen
Der Bericht identifiziert zwei Therapieansätze, für die sich aus den Studien ein Anhaltspunkt für einen Nutzen ableiten lässt. Die Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich der Zielgruppe und der geschätzten Kosten.
| Verfahren | Anwendungsdauer | Zielgruppe | Geschätzte Kosten |
|---|---|---|---|
| Laktobazillen (oral) | 12 Wochen | Frauen ohne Hormontherapie | 55 bis 76 € |
| Pulsierende hochintensive Lasertherapie | 8 Wochen (24 Sitzungen) | Frauen mit Hormontherapie | 480 bis 1200 € |
Laktobazillen
Laut Bericht bezieht sich der potenzielle Nutzen der oralen Laktobazillen auf die Minderung von Dysmenorrhoe. Die zugrundeliegende Studie untersuchte Frauen, die keine gleichzeitige hormonelle Therapie erhielten.
Pulsierende hochintensive Lasertherapie
Bei der Lasertherapie mit Wärmeerzeugung zeigte sich eine Minderung der Schmerzintensität sowie eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Das Verfahren ist in Deutschland für diese Indikation bisher nicht etabliert.
Weitere Verfahren
Für andere untersuchte NMNO-Verfahren konnte laut Bericht kein Beleg, Hinweis oder Anhaltspunkt für einen Nutzen abgeleitet werden. Dies liegt primär an der unzureichenden Studienqualität und methodischen Mängeln.
Zu den Verfahren ohne nachgewiesenen Nutzen zählen unter anderem:
-
Chinesische Phytotherapie und Resveratrol
-
Akupunktur und Hatha Yoga
-
Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren
-
Psychotherapie mit somatosensorischer Stimulation
Ethische und soziale Aspekte
Der Bericht warnt vor überzogenen Hoffnungen und Erwartungen bei der Anwendung von NMNO-Verfahren. Es wird darauf hingewiesen, dass die schlechte Evidenzlage im Aufklärungsgespräch transparent offengelegt werden muss.
Zudem wird betont, dass die stärkere Übernahme von Selbstverantwortung durch die Patientinnen das Stresslevel erhöhen kann. Die Kosten für diese Verfahren werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht besteht bei nicht-medikamentösen Verfahren die Gefahr, dass betroffene Frauen durch überzogene Erwartungen und hohe finanzielle Eigenleistungen belastet werden. Es wird hervorgehoben, dass die unzureichende Evidenzlage dieser Methoden in der ärztlichen Aufklärung zwingend und transparent kommuniziert werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht werden die Kosten für nicht-medikamentöse und nicht-operative Verfahren (NMNO) von den gesetzlichen Krankenkassen üblicherweise nicht erstattet. Die Patientinnen müssen diese Leistungen in der Regel selbst finanzieren.
Der Bericht konnte keinen Beleg oder Anhaltspunkt für einen Nutzen von Akupunktur bei Endometriose feststellen. Die vorliegenden Studien wiesen ein zu hohes Verzerrungspotenzial auf, um verlässliche Aussagen zu treffen.
Der HTA-Bericht sieht einen Anhaltspunkt für einen Nutzen bei der 12-wöchigen Einnahme von Laktobazillen zur Linderung von Dysmenorrhoe. Dies gilt für Frauen, die keine hormonelle Therapie anwenden.
Es gibt laut Bericht einen Anhaltspunkt, dass eine pulsierende hochintensive Lasertherapie mit Wärmeerzeugung Schmerzen lindern kann. Das Verfahren ist jedoch in Deutschland für diese Indikation nicht etabliert und mit hohen Kosten verbunden.
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Quelle: IQWiG HT19-02: Schmerzen bei Endometriose: Helfen anstelle von Schmerzmedikamenten auch andere Verfahren? (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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