Colitis ulcerosa: Diagnostik und Therapie-Empfehlungen
Hintergrund
Die ECCO-Leitlinie (2021) liefert evidenzbasierte Empfehlungen für die Diagnose und das Management der Colitis ulcerosa. Diese chronisch-entzündliche Darmerkrankung betrifft das Kolon und erfordert eine stadiengerechte Therapie.
Für die Therapieentscheidung wird eine Klassifikation nach Ausdehnung und Schweregrad empfohlen. Die Ausdehnung wird gemäß der Montreal-Klassifikation eingeteilt, der Schweregrad anhand des Mayo-Scores.
| Montreal-Klassifikation | Bezeichnung | Ausdehnung |
|---|---|---|
| E1 | Proktitis | Auf das Rektum beschränkt (< 15 cm) |
| E2 | Linksseitige Colitis | Bis zur Flexura splenica |
| E3 | Pankolitis / Ausgedehnt | Über die Flexura splenica hinaus |
| Schweregrad | Mayo-Score |
|---|---|
| Remission | 0-2 (kein Subscore > 1) |
| Mild | 3-5 |
| Moderat | 6-10 |
| Schwer | 11-12 |
Klinischer Kontext
Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Inzidenz in westlichen Industrienationen bei etwa 10 bis 20 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegt. Der Erkrankungsgipfel befindet sich typischerweise im jungen Erwachsenenalter zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.
Die genaue Ätiologie ist multifaktoriell und umfasst eine genetische Prädisposition, Umweltfaktoren sowie eine gestörte Immunantwort auf die intestinale Mikrobiota. Die Entzündung beginnt meist im Rektum, breitet sich kontinuierlich nach proximal aus und ist auf die Mukosa und Submukosa beschränkt.
Für behandelnde Ärzte ist die Erkrankung aufgrund des rezidivierenden Verlaufs und der erheblichen Einschränkung der Lebensqualität der Patienten von großer Bedeutung. Zudem besteht bei langjährigem Verlauf ein signifikant erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines kolorektalen Karzinoms.
Die Diagnosestellung basiert auf einer Kombination aus klinischer Symptomatik wie blutigen Diarrhöen, laborchemischen Entzündungsparametern und fäkalem Calprotectin. Goldstandard ist die Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien, die typische makroskopische und histologische Entzündungszeichen nachweist.
Wissenswertes
Bei einem akuten Schub richtet sich die Therapieeskalation nach der Schwere der Entzündung und der Ausdehnung. Häufig wird zunächst die topische oder systemische Steroidtherapie intensiviert, bevor Biologika oder Immunsuppressiva zum Einsatz kommen.
Das fäkale Calprotectin korreliert gut mit der mukosalen Entzündungsaktivität und dient als nicht-invasiver Marker. Es wird regelmäßig zur Überwachung des Therapieerfolgs und zur frühzeitigen Erkennung von Rezidiven eingesetzt.
Patienten mit einer ausgedehnten Colitis ulcerosa haben nach mehrjährigem Krankheitsverlauf ein erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome. Daher werden regelmäßige Überwachungskoloskopien mit Chromoendoskopie oder gezielten Biopsien empfohlen.
Etwa ein Drittel der Patienten entwickelt extraintestinale Manifestationen, die Gelenke, Haut, Augen oder die Leber betreffen können. Besonders die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist stark mit der Colitis ulcerosa assoziiert.
Die Erhaltung der Remission ist während einer Schwangerschaft essenziell, da ein aktiver Schub das Risiko für Komplikationen erhöht. Viele etablierte Medikamente wie Mesalazin oder bestimmte Biologika können nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung weitergeführt werden.
Endoskopisch zeigt die Colitis ulcerosa typischerweise einen kontinuierlichen, vom Rektum ausgehenden Befall der Mukosa mit Kontaktblutungen und Ulzerationen. Morbus Crohn präsentiert sich hingegen oft mit diskontinuierlichen Läsionen, tieferen Ulzera und kann den gesamten Gastrointestinaltrakt betreffen.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die fortgesetzte Gabe von oralen Kortikosteroiden als Erhaltungstherapie, wovon die Leitlinie ausdrücklich abrät. Zudem wird bei einer akuten schweren Colitis ulcerosa eine strikte Reevaluation an Tag 3 empfohlen. Bei fehlendem Ansprechen auf intravenöse Steroide sollte rechtzeitig eine Rescue-Therapie oder eine Operation evaluiert werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie liegt eine akute schwere Colitis vor bei mehr als 6 blutigen Stühlen pro Tag in Kombination mit systemischen Zeichen. Zu diesen Zeichen zählen eine Herzfrequenz über 90/min, Fieber über 37,8 °C, ein Hb-Wert unter 105 g/l oder eine BSG über 30 mm/h.
Die Leitlinie empfiehlt den Beginn der endoskopischen Überwachung nach einer Krankheitsdauer von 8 bis 10 Jahren. Hierfür wird bevorzugt die Chromoendoskopie in Intervallen von 1 bis 5 Jahren eingesetzt.
Als Erstlinientherapie werden Mesalazin-Zäpfchen in einer Dosierung von 1 g täglich empfohlen. Bei unzureichendem Ansprechen kann orales Mesalazin ergänzt werden.
Die meisten Medikamente gelten als sicher und die Erhaltung der Remission hat oberste Priorität, da ein Krankheitsschub das größte Risiko für die Schwangerschaft darstellt. Lediglich Methotrexat wird als streng kontraindiziert eingestuft.
Eine chirurgische Intervention wird empfohlen bei Versagen der medikamentösen Therapie, einem toxischen Megakolon oder einer Perforation. Weitere Indikationen sind refraktäre Blutungen sowie der Nachweis von Dysplasien oder Karzinomen.
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Quelle: ECCO Guidelines on Ulcerative Colitis Management (2021) (European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO), 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ACG Clinical Guideline: Ulcerative Colitis in Adults
NG130: Ulcerative colitis: management
NICE Guideline on Ulcerative Colitis
ACG Clinical Guideline: Management of Crohn's Disease in Adults
StatPearls: Ulcerative Colitis
StatPearls: Inflammatory Bowel Disease
DGVS: Colitis ulcerosa
Inflammatory bowel disease
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