Tamsulosin und Floppy-Iris-Syndrom: AkdÄ Warnung
Hintergrund
Die Drug Safety Mail 2020-51 der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) thematisiert das Risiko eines intraoperativen Floppy-Iris-Syndroms (IFIS) im Zusammenhang mit Tamsulosin. Diese Komplikation tritt im Rahmen der Kataraktchirurgie auf.
Das IFIS ist klinisch durch eine spezifische Trias gekennzeichnet. Dazu gehören eine undulierende (flatternde) Iris, ein Irisvorfall sowie eine intraoperative progrediente Miosis.
Ausgelöst wird das Syndrom durch Alpha-1-Rezeptorantagonisten (ARA), die häufig zur symptomatischen Therapie des benignen Prostatasyndroms eingesetzt werden. Besonders das selektive Tamsulosin ist mit einem erhöhten Risiko assoziiert.
Empfehlungen
Die Publikation formuliert folgende Kernempfehlungen zur Risikominimierung bei Katarakt-Operationen:
Präoperative Planung und Aufklärung
Laut AkdÄ wird empfohlen, Patientinnen und Patienten vor einer Katarakt-Operation gezielt nach der Anwendung von Alpha-1-Rezeptorantagonisten zu fragen. Dabei ist auch eine länger zurückliegende Einnahme von Bedeutung.
Therapiesteuerung bei benignem Prostatasyndrom
Um das IFIS-Risiko zu senken, werden folgende Strategien zur Verordnung von ARA empfohlen:
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Eine bereits geplante Katarakt-Operation sollte möglichst vor Beginn einer ARA-Therapie durchgeführt werden.
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Ist eine ARA-Therapie bei noch ausstehender Katarakt-Operation notwendig, wird die Wahl eines nicht-selektiven Wirkstoffs (z. B. Alfuzosin) empfohlen.
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Für nicht-selektive ARA wird das IFIS-Risiko geringer eingeschätzt als für Tamsulosin.
Vergleich der Alpha-1-Rezeptorantagonisten
Die Publikation unterscheidet das Risiko für ein IFIS basierend auf der Selektivität der eingesetzten Wirkstoffe:
| Wirkstoff | Selektivität | IFIS-Risiko |
|---|---|---|
| Tamsulosin | Selektiver Alpha-1A-Rezeptorantagonist | Hoch |
| Alfuzosin | Nicht-selektiver Alpha-1-Rezeptorantagonist | Niedriger |
Absetzen der Medikation
Es wird empfohlen, Tamsulosin so früh wie möglich vor einem geplanten augenärztlichen Eingriff abzusetzen. Die AkdÄ warnt jedoch, dass ein IFIS auch durch ein langfristiges Absetzen der Medikation nicht gänzlich vermieden werden kann.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Hinweis der AkdÄ ist, dass das Risiko für ein intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom auch durch ein langfristiges Absetzen von Tamsulosin vor der Operation nicht vollständig eliminiert werden kann. Daher wird empfohlen, bei Patienten mit anstehender Katarakt-Operation primär auf nicht-selektive Alpha-1-Rezeptorantagonisten wie Alfuzosin auszuweichen oder die Operation vor Therapiebeginn durchzuführen.
Häufig gestellte Fragen
Das intraoperative Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) zeigt sich während einer Katarakt-Operation durch eine charakteristische Trias. Laut AkdÄ besteht diese aus einer undulierenden Iris, einem Irisvorfall und einer intraoperativen progredienten Miosis.
Das Syndrom wird vor allem mit Alpha-1-Rezeptorantagonisten in Verbindung gebracht. Die Publikation hebt hervor, dass insbesondere der selektive Alpha-1A-Rezeptorantagonist Tamsulosin ein hohes Risiko birgt.
Es wird empfohlen, Tamsulosin so früh wie möglich vor dem Eingriff abzusetzen. Die AkdÄ weist jedoch darauf hin, dass die Gefahr eines IFIS auch durch ein langes Pausieren nicht komplett abgewendet werden kann.
Wenn eine Katarakt-Operation noch aussteht, wird der Einsatz eines nicht-selektiven Alpha-1-Rezeptorantagonisten empfohlen. Laut AkdÄ wird das IFIS-Risiko bei Wirkstoffen wie Alfuzosin niedriger eingeschätzt.
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Quelle: AkdÄ: Bekanntgabe im Deutschen Ärzteblatt vom 11.09.2020 (AkdÄ, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.