Fluorchinolone: Rote-Hand-Brief & Anwendungsbeschränkung
Hintergrund
Die Drug Safety Mail 2019-17 der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) fasst einen Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika zusammen. Hintergrund ist eine Bewertung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).
Es wurde ein Risiko für stark die Lebensqualität beeinträchtigende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen festgestellt. Diese betreffen vor allem den Bewegungsapparat und das Nervensystem.
Zu den in Deutschland zugelassenen Fluorchinolonen gehören Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Die Publikation definiert strenge Anwendungsbeschränkungen für diese Wirkstoffklasse.
Empfehlungen
Die AkdÄ formuliert folgende Kernempfehlungen für den Einsatz von Fluorchinolonen:
Strenge Indikationsstellung
Laut Publikation sollen Fluorchinolone nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall angewendet werden. Bei leichten bis mittelschweren Infektionen wird ein Einsatz nur dann empfohlen, wenn andere Antibiotika ungeeignet sind.
Zu diesen Infektionen zählen gemäß dem Rote-Hand-Brief:
-
Unkomplizierte Zystitis
-
Exazerbation einer chronischen Bronchitis oder COPD
-
Akute bakterielle Rhinosinusitis
-
Akute Otitis media
Risikofaktoren und Interaktionen
Es wird zu besonderer Vorsicht bei bestimmten Personengruppen geraten, da hier ein erhöhtes Risiko für eine Fluorchinolon-induzierte Tendinitis und Sehnenruptur besteht. Dazu gehören ältere Menschen, Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie Personen nach einer Organtransplantation.
Zudem wird betont, dass die gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden und Fluorchinolonen vermieden werden sollte.
Therapiemonitoring
Bei ersten Anzeichen einer schwerwiegenden Nebenwirkung wird ein sofortiger Behandlungsabbruch empfohlen. Anschließend sollte eine ärztliche Konsultation erfolgen.
Kontraindikationen
Gemäß dem Rote-Hand-Brief dürfen Fluorchinolone in folgenden Fällen nicht angewendet werden:
-
Zur Behandlung von nichtbakteriellen Infektionen (z. B. nichtbakterielle chronische Prostatitis)
-
Bei selbstlimitierenden Infektionen (z. B. Pharyngitis, Tonsillitis, akute Bronchitis)
-
Zur Prävention von Reisediarrhoe
-
Zur Prävention von rezidivierenden Infektionen der unteren Harnwege
-
Bei Personen, die in der Vergangenheit schwerwiegende Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einem Chinolon- oder Fluorchinolon-Antibiotikum erlitten haben
Zudem wird vor potenziell irreversiblen Nebenwirkungen gewarnt. Diese umfassen am Bewegungsapparat unter anderem Tendinitis, Sehnenruptur, Myalgie und Arthralgie. Am Nervensystem wird vor peripherer Neuropathie, Schlaflosigkeit und Depression gewarnt.
💡Praxis-Tipp
Ein besonders hohes Risiko für Sehnenrupturen besteht bei der Kombination von Fluorchinolonen mit Kortikosteroiden. Die Publikation rät dringend dazu, diese Kombinationstherapie zu vermeiden. Zudem wird empfohlen, Betroffene über das Risiko irreversibler neurologischer und muskuloskelettaler Schäden aufzuklären, damit die Therapie bei ersten Warnzeichen sofort abgesetzt werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut AkdÄ sind in Deutschland die Fluorchinolone Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin zugelassen.
Bei leichten bis mittelschweren Infektionen wie der unkomplizierten Zystitis wird der Einsatz nur empfohlen, wenn andere Antibiotika ungeeignet sind. Es wird eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung gefordert.
Der Rote-Hand-Brief warnt vor lang anhaltenden und irreversiblen Nebenwirkungen. Diese betreffen den Bewegungsapparat (z. B. Sehnenruptur, Myalgie) sowie das Nervensystem (z. B. periphere Neuropathie, Depression).
Ein erhöhtes Risiko besteht laut Publikation bei älteren Menschen, bei eingeschränkter Nierenfunktion und nach Organtransplantationen. Auch die gleichzeitige Gabe von Kortikosteroiden erhöht das Risiko signifikant.
Nein, die Publikation stellt klar, dass Fluorchinolone nicht zur Prävention einer Reisediarrhoe angewendet werden sollen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: AkdÄ: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ (AkdÄ, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.