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Onkopedia/DGHOOnkologie

GIST (Gastrointestinale Stromatumoren): Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) sind die häufigsten mesenchymalen Tumoren des Gastrointestinaltrakts, meist lokalisiert in Magen oder Dünndarm.
  • Die molekulargenetische Bestimmung des KIT- und PDGFRA-Mutationsstatus ist vor jeder medikamentösen Therapie obligatorisch.
  • Primäre Therapie der Wahl bei lokalisierten Tumoren ist die vollständige chirurgische Resektion (R0), eine Lymphadenektomie ist meist nicht nötig.
  • Bei hohem Rezidivrisiko ist eine adjuvante Therapie mit Imatinib über 3 Jahre der internationale Goldstandard.
  • In der metastasierten Situation erfolgt eine sequenzielle Tyrosinkinaseinhibitor-Therapie (Imatinib, Sunitinib, Regorafenib, Ripretinib).
  • Tumoren mit einer PDGFRA D842V-Mutation sind primär Imatinib-resistent; hier ist Avapritinib die Therapie der Wahl.
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Hintergrund

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) stellen die häufigsten mesenchymalen Tumoren des Gastrointestinaltrakts dar und machen ca. 20-25 % aller Sarkome aus. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 65-70 Jahren. Die häufigsten Lokalisationen sind der Magen (50-60 %) und der Dünndarm (20-30 %).

Führendes immunhistochemisches Merkmal ist die Expression von KIT (CD117) und DOG-1, die sich bei ca. 95 % aller GIST nachweisen lassen. Pathogenetisch liegt in ca. 80-85 % der Fälle eine Mutation im KIT-Gen vor, bei 10-15 % eine Mutation im PDGFRA-Gen.

Diagnostik

Die molekulargenetische Untersuchung zur Bestimmung des KIT- bzw. PDGFRA-Mutationsstatus ist obligater Bestandteil der Initialdiagnostik, sobald eine medikamentöse Therapie indiziert ist.

UntersuchungAnmerkung
Endoskopie / EndosonographieDiagnostisch zur Klärung des Ausbreitungsmusters und histologischen Sicherung.
CT (Thorax, Abdomen, Becken)Methode der Wahl für Ausbreitungsdiagnostik, Staging und Verlaufskontrolle.
BiopsieEndoskopisch oder perkutan (eine transabdominale Biopsie verschlechtert die Prognose nachweislich nicht).
MolekulargenetikKIT- und PDGFRA-Mutationsstatus bei Erstdiagnose und im Verlauf bei Therapieresistenzen.

Risikoklassifikation

Das Progressions- und Rezidivrisiko primärer GIST wird anhand der Mitoserate (pro 5 mm²), der Tumorgröße und der Lokalisation bestimmt. Magen-GIST haben bei gleicher Größe und Mitoserate eine bessere Prognose als Dünndarm- oder Rektum-GIST.

Mitoserate (pro 5 mm²)GrößeRisiko MagenRisiko Dünndarm
≤ 5≤ 2 cmKein RisikoKein Risiko
≤ 5> 5 ≤ 10 cmGeringHoch
≤ 5> 10 cmModeratHoch
> 5≤ 2 cmKein RisikoHoch
> 5> 5 ≤ 10 cmHochHoch
> 5> 10 cmHochHoch

Chirurgische Therapie

  • Primärtumor: Bei Resektabilität ist die primäre R0-Resektion indiziert (z. B. Keilresektion am Magen mit 1-2 cm Sicherheitssaum).
  • Lymphknoten: Eine Lymphadenektomie ist nicht regelhaft erforderlich, da Lymphknotenmetastasen sehr selten sind.
  • Metastasen: Eine Resektion kann in der Phase des Therapieansprechens (unter medikamentöser Therapie) erwogen werden.
  • Tumorruptur: Bei prä- oder intraoperativer Ruptur ist von einer sehr hohen Rezidivrate auszugehen. Die Behandlung erfolgt analog zum metastasierten GIST (zeitlich unbegrenzte medikamentöse Therapie).

Medikamentöse Therapie (Kurative Intention)

PhaseTherapieIndikation / Bemerkung
NeoadjuvantImatinibWenn R0-Resektion fraglich oder mutilierende OP nötig. Reevaluation alle 3-4 Monate. Bei PDGFRA-D842V-Mutation: Avapritinib erwägen. Bei KIT-Wildtyp: keine Indikation.
AdjuvantImatinibBei hohem Rezidivrisiko nach R0-Resektion. Goldstandard: 3 Jahre. Bei PDGFRA-D842V-Mutation ist keine adjuvante Therapie indiziert.

Palliative Systemtherapie (Metastasierung)

Bei fortgeschrittenen oder metastasierten GIST ist die medikamentöse Therapie das Mittel der Wahl. Die Therapie sollte auch nach mehrjähriger Dauer nicht unterbrochen werden, da dies rasch zur Progression führt.

StufeTherapieIndikation / Bemerkung
1. LinieImatinibStandarddosis 400 mg/Tag. Ausnahme: Bei KIT-Exon-9-Mutation Dosiserhöhung auf 800 mg/Tag.
SondermutationAvapritinibTherapie der Wahl bei PDGFRA-D842V-Mutation (primäre Imatinib-Resistenz).
2. LinieSunitinibBei Imatinib-Versagen oder -Intoleranz. Standard: 50 mg/Tag (4 Wochen Therapie, 2 Wochen Pause) oder 37,5 mg kontinuierlich.
3. LinieRegorafenibNach Versagen von Imatinib und Sunitinib.
4. LinieRipretinibNach Vorbehandlung mit mindestens 3 Kinasehemmern (einschließlich Imatinib).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor Beginn einer medikamentösen Therapie immer eine molekulargenetische Analyse (KIT/PDGFRA) durch. Der Mutationsstatus entscheidet maßgeblich über die Wirksamkeit und Dosierung der Tyrosinkinaseinhibitoren (z. B. primäre Imatinib-Resistenz bei PDGFRA D842V-Mutation oder Dosisverdopplung bei KIT Exon 9-Mutation).

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten mit einem hohen Rezidivrisiko nach vollständiger Resektion wird eine adjuvante Therapie mit Imatinib über 3 Jahre empfohlen. Ausgenommen sind Patienten mit einer PDGFRA D842V-Mutation.
Bei dieser Mutation besteht eine primäre Resistenz gegen Imatinib, Sunitinib, Regorafenib und Ripretinib. In der metastasierten oder inoperablen Situation ist Avapritinib die Therapie der Wahl.
Nein, da Lymphknotenmetastasen bei sporadischen GIST sehr selten sind, ist eine systematische Lymphadenektomie regelhaft nicht erforderlich.
Bei Patienten mit einer KIT Exon 9-Mutation in der metastasierten Situation wird eine höhere Imatinib-Dosis von 800 mg/Tag empfohlen, da die Standarddosis von 400 mg/Tag mit deutlich geringeren Ansprechraten assoziiert ist.
Eine prä- oder intraoperative Ruptur führt fast immer zu peritonealen Metastasen. Die Behandlung sollte daher analog zu einem metastasierten GIST erfolgen, was eine zeitlich unbegrenzte Therapie mit Imatinib bedeutet.

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