Difelikefalin bei Pruritus: Therapie und Dosierung
Hintergrund
Der Bericht des IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Difelikefalin zur Behandlung von mäßigem bis schwerem Pruritus. Die Indikation umfasst erwachsene Hämodialysepatientinnen und -patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung (CKD-aP).
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde eine patientenindividuelle Behandlung unter Berücksichtigung von Vortherapien und Symptomschwere festgelegt. Voraussetzung hierfür ist eine adäquate Therapie der Grunderkrankung, insbesondere eine optimierte Hämodialyse.
Im Rahmen der patientenindividuellen Therapie kommen topische oder systemische Therapien infrage. Dazu zählen rückfettende Topika, nicht-sedierende H1-Antihistaminika, UVB-Therapie sowie Gabapentin und Pregabalin.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Difelikefalin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist. Es liegen keine geeigneten Studiendaten für einen direkten Vergleich vor.
Methodische Kritik an den Zulassungsstudien
Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Studien (KALM-1 und KALM-2) wurden für die Nutzenbewertung als ungeeignet eingestuft. Dafür werden folgende Gründe genannt:
-
Die Studiendauer der randomisierten Phase betrug lediglich 12 Wochen, gefordert waren jedoch mindestens 24 Wochen für eine Dauertherapie.
-
Die Vergleichsarme entsprachen nicht der zweckmäßigen Vergleichstherapie, da mehr als die Hälfte der Kontrollgruppe keine Therapie gegen Juckreiz erhielt.
-
Neue Therapien gegen Juckreiz durften während der Studienphase nicht begonnen werden.
Anforderungen an die Anwendung
Laut Dokument wird eine qualitätsgesicherte Anwendung in einem Hämodialyse-Zentrum durch erfahrenes medizinisches Fachpersonal gefordert. Es wird darauf hingewiesen, dass die Therapie als Dauerbehandlung konzipiert ist.
Dosierung
Die Fachinformation gibt folgende Dosierungsempfehlungen für Difelikefalin als intravenöse Bolusinjektion am Ende der Hämodialyse (HD) vor:
| Patientengruppe | Empfohlene Dosis | Anwendungshäufigkeit |
|---|---|---|
| Erwachsene (Trockengewicht < 195 kg) | 0,5 µg/kg Trockengewicht | 3x wöchentlich (max. 4 Dosen/Woche) |
| Erwachsene (Trockengewicht ≥ 195 kg) | 100 µg (Maximaldosis) | 3x wöchentlich (max. 4 Dosen/Woche) |
Es wird darauf hingewiesen, dass bei einer HD-Behandlung von unter einer Stunde die Verabreichung bis zur nächsten Sitzung ausgesetzt werden sollte. Bei leichten bis mäßigen Leberfunktionsstörungen sowie bei älteren Menschen (ab 65 Jahren) ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf der Fachinformation folgende Kontraindikationen und Warnhinweise auf:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Schwere Leberfunktionsstörungen (Anwendung wird nicht empfohlen)
-
Hyperkaliämie (eine häufige Überwachung der Kaliumwerte wird empfohlen)
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Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern (geringfügiges numerisches Ungleichgewicht in Studien beobachtet)
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Gestörte Blut-Hirn-Schranke (Vorsicht geboten wegen möglicher ZNS-Auswirkungen)
-
Schwangerschaft (Anwendung sollte vermieden werden)
Zudem wird vor Schwindelgefühl und Somnolenz gewarnt. Die gleichzeitige Anwendung von sedierenden Antihistaminika, Opioiden oder anderen ZNS-Depressiva kann diese Nebenwirkungen verstärken.
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Aspekt bei der Anwendung von Difelikefalin ist das Management von verpassten oder verkürzten Dialysesitzungen. Es wird empfohlen, bei einer versäumten Hämodialyse die Dosis bei der nächsten Sitzung zu verabreichen. Dauert eine Dialysebehandlung jedoch weniger als eine Stunde, sollte die Gabe laut Fachinformation komplett bis zur nächsten regulären Sitzung pausiert werden.
Häufig gestellte Fragen
Die empfohlene Dosis beträgt 0,5 µg pro Kilogramm Trockengewicht. Das Medikament wird dreimal wöchentlich als intravenöse Bolusinjektion am Ende der Hämodialyse verabreicht.
Nein, der Bericht stellt fest, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist. Die vorgelegten Studien waren mit 12 Wochen zu kurz und bildeten die zweckmäßige Vergleichstherapie nicht adäquat ab.
Der G-BA definiert eine patientenindividuelle Therapie als Vergleichsstandard. Diese umfasst eine optimierte Dialyse sowie topische oder systemische Behandlungen wie rückfettende Cremes, Antihistaminika oder Gabapentin.
Bei leichten bis mäßigen Leberfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung notwendig. Bei schweren Leberfunktionsstörungen wird die Anwendung laut Fachinformation jedoch nicht empfohlen.
Es wird auf ein erhöhtes Risiko für Hyperkaliämie, Schwindel und Somnolenz hingewiesen. Eine regelmäßige Kontrolle der Kaliumwerte wird daher empfohlen.
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Quelle: IQWiG A22-105: Difelikefalin (Pruritus) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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