CochraneIa2020

Diabetisches Makulaödem: Intravitreale Steroidtherapie

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das diabetische Makulaödem (DMÖ) ist eine Hauptursache für Sehverlust bei diabetischer Retinopathie. Es entsteht durch den Austritt von Flüssigkeit aus geschädigten Netzhautkapillaren, was zu einer Verdickung der zentralen Retina führt.

Zur Behandlung werden unter anderem intravitreale Steroide eingesetzt, um die Netzhautdicke zu reduzieren und das Sehvermögen zu verbessern. Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapie im Vergleich zu Scheinbehandlungen, Laserkoagulation oder anti-VEGF-Medikamenten.

Die bewerteten Steroide umfassen Dexamethason-Implantate, Fluocinolon-Implantate sowie Triamcinolon-Injektionen. Die Evidenz basiert auf 10 randomisierten kontrollierten Studien mit über 4.300 Teilnehmenden.

Empfehlungen

Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit:

Dexamethason-Implantat

Im Vergleich zu einer Scheinbehandlung führt Dexamethason nach 12 bis 24 Monaten zu einer leichten Verbesserung der Sehschärfe (moderate Evidenz). Zudem wird die Netzhautdicke signifikant reduziert.

Im direkten Vergleich mit anti-VEGF-Medikamenten (Bevacizumab, Ranibizumab) verbessert sich die Sehschärfe unter Dexamethason jedoch etwas weniger (moderate Evidenz).

Fluocinolon-Implantat

Der Review zeigt, dass sich die Sehschärfe unter Fluocinolon nach 12 und 24 Monaten im Vergleich zu einer Scheinbehandlung etwas mehr verbessert (moderate Evidenz).

Auch die Wahrscheinlichkeit für eine Sehverbesserung um drei oder mehr Zeilen auf der Sehtafel ist unter Fluocinolon erhöht.

Triamcinolon-Injektion

Die Evidenz für Triamcinolon ist insgesamt von niedriger bis sehr niedriger Qualität.

Es kann die Sehschärfe im Vergleich zu einer Scheinbehandlung nach 24 Monaten verbessern. Im Vergleich zur Laserkoagulation oder zu anti-VEGF-Medikamenten zeigt sich jedoch kein eindeutiger Zusatznutzen oder sogar eine Unterlegenheit.

Besondere Zielgruppen

Die Daten unterstützen den Einsatz intravitrealer Steroide besonders bei pseudophaken Augen.

Bei diesen Personen stellt die Entwicklung eines Katarakts keinen limitierenden Faktor für die langfristige Sehverbesserung dar. Zudem wird der Einsatz von Fluocinolon bei chronischem DMÖ unterstützt.

Dosierung

Der Review bewertete folgende kommerziell verfügbare Dosierungen und Applikationsformen in den eingeschlossenen Studien:

MedikamentDosisApplikationsformVergleichstherapien im Review
Dexamethason0,7 mgImplantatScheinbehandlung, anti-VEGF
Fluocinolon0,19 mgImplantatScheinbehandlung
Triamcinolon4 mgInjektionScheinbehandlung, Laser, anti-VEGF

Kontraindikationen

Der Review warnt vor signifikanten okulären Nebenwirkungen, die gegen den Nutzen abgewogen werden müssen:

  • Katarakt-Progression: Das Risiko steigt unter Dexamethason und Fluocinolon signifikant an (etwa 5 bis 8 von 10 Behandelten).

  • Erhöhter Augeninnendruck (IOD): Das Risiko für die Notwendigkeit IOD-senkender Medikamente steigt unter Steroiden um das Drei- bis Vierfache. Etwa ein Drittel der Behandelten benötigt entsprechende Tropfen.

  • Glaukom-Operation: Das Risiko für operative Eingriffe am Glaukom ist erhöht, bleibt aber insgesamt ein seltenes Ereignis.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Review sollte der Einsatz intravitrealer Steroide primär bei pseudophaken Augen erwogen werden, da hier die häufigste Nebenwirkung – die Katarakt-Progression – nicht mehr ins Gewicht fällt. Bei phaken Augen ist der moderate visuelle Nutzen stets streng gegen das hohe Risiko für Katarakte und einen medikamentös behandlungspflichtigen Augeninnendruck abzuwägen.

Häufig gestellte Fragen

Der Cochrane Review zeigt, dass anti-VEGF-Medikamente bei der Verbesserung der Sehschärfe nach 12 Monaten etwas wirksamer sind als Dexamethason. Zudem weisen anti-VEGF-Präparate ein deutlich geringeres Risiko für Katarakte und Augendruckerhöhungen auf.

Laut Review benötigen etwa drei bis vier von zehn Behandelten nach einer intravitrealen Steroidgabe Medikamente zur Senkung des Augeninnendrucks. Das Risiko für eine notwendige Glaukom-Operation ist ebenfalls erhöht, bleibt aber selten.

Der Review untersucht primär Dexamethason-Implantate (0,7 mg) und Fluocinolon-Implantate (0,19 mg), die für diese Indikation zugelassen sind. Triamcinolon wird in der Regel als Off-Label-Therapie eingesetzt.

Die Subgruppenanalysen des Reviews deuten darauf hin, dass Fluocinolon-Implantate besonders bei chronischem diabetischem Makulaödem wirksam sind. Auch hier ist die Anwendung bei pseudophaken Augen von Vorteil.

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Quelle: Cochrane Review: Intravitreal steroids for macular edema in diabetes (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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