Diabetes und Prädiabetes: Diagnostik und Klassifikation
Hintergrund
Die Leitlinie von Diabetes Canada (2018) befasst sich mit der Definition, Klassifikation und Diagnostik von Diabetes mellitus, Prädiabetes und dem metabolischen Syndrom. Diabetes ist eine heterogene Stoffwechselerkrankung, die durch eine Hyperglykämie gekennzeichnet ist.
Chronische Hyperglykämie ist mit spezifischen mikrovaskulären Komplikationen an Augen, Nieren und Nerven sowie einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden. Die diagnostischen Grenzwerte basieren auf Blutzuckerwerten, die mit der Entstehung von mikrovaskulären Erkrankungen, insbesondere der Retinopathie, korrelieren.
Prädiabetes bezeichnet Zustände wie eine gestörte Nüchternglukose oder eine gestörte Glukosetoleranz. Diese gehen mit einem hohen Risiko für die Entwicklung eines manifesten Diabetes und kardiovaskulärer Erkrankungen einher.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Klassifikation:
Klassifikation des Diabetes
Laut Leitlinie wird Diabetes in verschiedene Hauptkategorien unterteilt. Dazu gehören Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, Gestationsdiabetes und seltene monogene Formen.
| Klinisches Merkmal | Typ-1-Diabetes | Typ-2-Diabetes | Monogener Diabetes |
|---|---|---|---|
| Erkrankungsalter | Meist < 25 Jahre, aber in jedem Alter möglich | Meist > 25 Jahre, zunehmend bei Jugendlichen | Meist < 25 Jahre (neonatal < 6 Monate) |
| Gewicht | Meist schlank, aber auch Übergewicht möglich | > 90 % mindestens übergewichtig | Ähnlich der Allgemeinbevölkerung |
| Inselautoantikörper | Meist vorhanden | Fehlend | Fehlend |
| C-Peptid | Nicht nachweisbar / niedrig | Normal / hoch | Normal |
| Erstlinientherapie | Insulin | Nicht-Insulin-Antidiabetika | Abhängig vom Subtyp |
Diagnostik des Diabetes
Die Diagnose eines Diabetes mellitus wird gemäß der Leitlinie durch eines der folgenden Kriterien gestellt:
-
Nüchternplasmaglukose (FPG) ≥ 7,0 mmol/L (Evidenzgrad B)
-
HbA1c ≥ 6,5 % bei Erwachsenen (Evidenzgrad B)
-
2-Stunden-Plasmaglukose (2hPG) im 75-g-oGTT ≥ 11,1 mmol/L (Evidenzgrad B)
-
Gelegenheitsplasmaglukose ≥ 11,1 mmol/L (Evidenzgrad D)
Bei Vorliegen von Hyperglykämie-Symptomen reicht ein einzelner Wert im diabetischen Bereich für die Diagnosestellung aus. Bei asymptomatischen Personen muss ein einzelner auffälliger Laborwert an einem anderen Tag durch einen erneuten Test bestätigt werden.
Um eine rasche metabolische Verschlechterung zu vermeiden, darf bei Verdacht auf Typ-1-Diabetes der Therapiebeginn nicht für Bestätigungstests verzögert werden.
Diagnostik des Prädiabetes
Prädiabetes wird durch eines der folgenden Kriterien definiert:
-
Gestörte Nüchternglukose (IFG): FPG 6,1 bis 6,9 mmol/L (Evidenzgrad A)
-
Gestörte Glukosetoleranz (IGT): 2hPG im 75-g-oGTT 7,8 bis 11,0 mmol/L (Evidenzgrad A)
-
HbA1c: 6,0 % bis 6,4 % bei Erwachsenen (Evidenzgrad B)
Das metabolische Syndrom
Für die Diagnose des metabolischen Syndroms müssen laut Leitlinie mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein:
| Parameter | Grenzwert Männer | Grenzwert Frauen |
|---|---|---|
| Erhöhter Bauchumfang (z.B. Europäer) | ≥ 94 cm | ≥ 80 cm |
| Erhöhte Triglyceride | ≥ 1,7 mmol/L | ≥ 1,7 mmol/L |
| Reduziertes HDL-Cholesterin | < 1,0 mmol/L | < 1,3 mmol/L |
| Erhöhter Blutdruck | Systolisch ≥ 130 und/oder diastolisch ≥ 85 mmHg | Systolisch ≥ 130 und/oder diastolisch ≥ 85 mmHg |
| Erhöhte Nüchternglukose | ≥ 5,6 mmol/L | ≥ 5,6 mmol/L |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, den HbA1c-Wert als alleinigen diagnostischen Test bei bestimmten Personengruppen zu verwenden.
Dies betrifft folgende Gruppen:
-
Kinder und Jugendliche
-
Schwangere im Rahmen des Routine-Screenings auf Gestationsdiabetes
-
Personen mit Mukoviszidose (Cystische Fibrose)
-
Personen mit Verdacht auf Typ-1-Diabetes
Zudem wird darauf hingewiesen, dass der HbA1c-Wert bei verschiedenen Erkrankungen wie Hämoglobinopathien, hämolytischer Anämie, Eisenmangel oder schwerer Leber- und Nierenerkrankung irreführend sein kann.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei einem Verdacht auf Typ-1-Diabetes, insbesondere bei jungen, schlanken oder symptomatischen Personen mit Ketonurie, die Einleitung einer Therapie nicht verzögert werden darf. Es wird davon abgeraten, in solchen Fällen auf die Ergebnisse von Bestätigungstests zu warten, um eine rasche metabolische Entgleisung bis hin zur Ketoazidose zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Diagnose eines Diabetes mellitus bei Erwachsenen ab einem HbA1c-Wert von ≥ 6,5 % gestellt. Dieser Wert muss durch einen validierten und standardisierten Assay ermittelt werden.
Ein Prädiabetes liegt gemäß der Leitlinie bei einer Nüchternplasmaglukose von 6,1 bis 6,9 mmol/L vor. Alternativ gilt ein 2-Stunden-Wert im oralen Glukosetoleranztest von 7,8 bis 11,0 mmol/L oder ein HbA1c von 6,0 bis 6,4 % als diagnostisch.
Bei asymptomatischen Personen erfordert ein einzelner Laborwert im diabetischen Bereich laut Leitlinie zwingend einen Bestätigungstest an einem anderen Tag. Liegen jedoch eindeutige Hyperglykämie-Symptome vor, reicht ein einzelner Wert für die Diagnose aus.
Die Leitlinie empfiehlt eine genetische Testung bei allen Säuglingen, bei denen ein Diabetes vor dem Alter von 6 Monaten diagnostiziert wird. Dies dient der Identifikation eines neonatalen Diabetes, der oft mit oralen Sulfonylharnstoffen statt mit Insulin behandelt werden kann.
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Quelle: Diabetes Canada Chapter 3: Definition, Classification and Diagnosis of Diabetes, Prediabetes and Metabolic Syndrome (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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