ClariMedClariMed
Diabetes Canada2018EndokrinologieUrologie

Sexuelle Dysfunktion bei Diabetes (Diabetes Canada)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Diabetes Canada Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erektile Dysfunktion (ED) betrifft 34-45 % der Männer mit Diabetes und ist ein früher Indikator für kardiovaskuläre Erkrankungen.
  • Alle erwachsenen Männer mit Diabetes sollten regelmäßig mittels Anamnese auf ED gescreent werden.
  • PDE-5-Hemmer sind die Therapie der ersten Wahl bei ED (als Bedarfs- oder Dauertherapie).
  • Bei Non-Respondern auf PDE-5-Hemmer sollte eine Abklärung auf Hypogonadismus erfolgen.
  • Ein symptomatischer Hypogonadismus tritt bei bis zu 40 % der Männer mit Typ-2-Diabetes auf.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die erektile Dysfunktion (ED) betrifft etwa 34 % bis 45 % der erwachsenen Männer mit Diabetes. Sie schränkt die Lebensqualität über alle Altersgruppen hinweg erheblich ein und gilt als früher klinischer Indikator für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD). Zudem weisen Männer mit Typ-2-Diabetes eine hohe Prävalenz (bis zu 40 %) für hypogonadotropen Hypogonadismus auf, was mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert ist.

KategorieRisikofaktoren für ED bei Diabetes
DemografieZunehmendes Alter, längere Diabetesdauer
StoffwechselSchlechte glykämische Kontrolle, Dyslipidämie
LebensstilRauchen
KomorbiditätenHypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen, obstruktive Schlafapnoe (OSA)
EndokrinologischAndrogenmangel (Hypogonadismus)

Screening und Diagnostik

Ein regelmäßiges Screening ist essenziell, da die ED von Behandlern oft vernachlässigt wird, obwohl sie bei bis zu einem Drittel der neu diagnostizierten Patienten vorliegt.

  • Regelmäßiges Screening: Alle erwachsenen Männer mit Diabetes sollten regelmäßig durch Erhebung der Sexualanamnese auf ED gescreent werden [Grad D, Konsens].
  • Hypogonadismus-Screening: Nur bei symptomatischen Männern mit Typ-2-Diabetes empfohlen.
  • Schlafapnoe: Bei adipösen Männern mit Typ-2-Diabetes und ED sollte ein Screening auf obstruktive Schlafapnoe (OSA) erwogen werden.

Therapie der Erektilen Dysfunktion

Die Behandlung der ED bei Diabetes erfolgt stufenweise. Eine optimale glykämische Kontrolle sollte zur Erhaltung der erektilen Funktion gefördert werden.

StufeTherapieBemerkung / Evidenz
1. WahlPDE-5-HemmerBedarfsmedikation [Grad A, Level 1A] oder tägliche Gabe [Grad B, Level 2]. Kontraindiziert bei instabiler Angina pectoris oder Nitrat-Einnahme.
2. WahlVakuumpumpen, InjektionstherapieVakuumpumpe, intrakavernöse Injektion (Alprostadil/PGE1, ggf. als Triple-Therapie) oder intraurethrale Therapie.
3. WahlSchwellkörperimplantatPenisimplantat bei Versagen konservativer Maßnahmen.

Hinweis: Männer mit Diabetes haben unter PDE-5-Hemmern scheinbar geringere Nebenwirkungsraten als die Allgemeinbevölkerung.

Diagnostik und Management des Hypogonadismus

Männer mit Diabetes und ED, die nicht auf PDE-5-Hemmer ansprechen, sollten auf Hypogonadismus untersucht werden [Grad D, Level 4]. PDE-5-Hemmer wirken bei Vorliegen eines Hypogonadismus oft schlechter.

Diagnostik-SchrittDurchführung / Kriterien
Klinische SymptomeFatigue, Muskelschwäche, Verlust nächtlicher Erektionen, Libidoverlust, depressive Verstimmung.
LaborbestimmungMessung des Gesamt-Testosterons morgens vor 11:00 Uhr (oder innerhalb von 3h nach dem Erwachen).
Erweiterte DiagnostikBei grenzwertigen Befunden Wiederholung empfohlen. Ggf. Bestimmung des bioverfügbaren Testosterons bei niedrig-normalem Gesamt-Testosteron.

Eine Testosterontherapie sollte symptomatischen, biochemisch bestätigten hypogonadalen Männern vorbehalten bleiben. Gewichtsreduktion kann bei adipösen Patienten den Testosteronspiegel signifikant erhöhen und den eugonadalen Status wiederherstellen.

Überweisungsindikationen

  • Spezialist für ED: Eugonadale Männer, die nicht auf PDE-5-Hemmer ansprechen oder bei denen diese kontraindiziert sind [Grad D, Konsens].
  • Spezialist für Ejakulationsstörungen: Männer mit Ejakulationsstörungen (z. B. retrograde Ejakulation) und bestehendem Kinderwunsch [Grad D, Konsens].

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie den Testosteronspiegel bei Verdacht auf Hypogonadismus immer morgens vor 11:00 Uhr. Denken Sie bei Non-Respondern auf PDE-5-Hemmer aktiv an einen unerkannten Hypogonadismus und leiten Sie eine entsprechende Labordiagnostik ein.

Häufig gestellte Fragen

Etwa 34 % bis 45 % der erwachsenen Männer mit Diabetes sind von einer erektilen Dysfunktion betroffen. Bei den über 60-Jährigen haben bis zu 40 % eine komplette ED.
PDE-5-Hemmer sind die First-Line-Therapie. Sie können entweder nach Bedarf oder als tägliche Dauertherapie eingesetzt werden.
Eine Messung wird bei klinischen Symptomen eines Hypogonadismus oder bei fehlendem Ansprechen auf PDE-5-Hemmer empfohlen. Ein anlassloses Screening asymptomatischer Patienten ist nicht indiziert.
Durch eine Insulinresistenz kann das SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) erniedrigt sein. Bei niedrig-normalem Gesamt-Testosteron und bestehenden Symptomen kann daher die Bestimmung des bioverfügbaren Testosterons sinnvoll sein.
Ja, die erektile Dysfunktion gilt als früher klinischer Marker für kardiovaskuläre Ereignisse und ist signifikant mit einer erhöhten Gesamtmortalität assoziiert.

Verwandte Leitlinien