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Diabetes Canada2018EndokrinologieSportmedizin

Sport bei Diabetes: Leitlinie (Diabetes Canada)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Diabetes Canada Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Mindestens 150 Minuten aerobes Training pro Woche, verteilt auf mindestens 3 Tage, werden empfohlen.
  • Zusätzlich sollte 2- bis 3-mal wöchentlich ein Krafttraining durchgeführt werden.
  • Längeres Sitzen sollte alle 20 bis 30 Minuten durch kurze Bewegung unterbrochen werden.
  • Bei Typ-1-Diabetes kann das Hypoglykämie-Risiko durch Insulinreduktion, Kohlenhydrate oder die Reihenfolge (Kraft vor Ausdauer) gesenkt werden.
  • Ein medizinisches Screening (z. B. Belastungs-EKG) ist vor intensivem Training nur bei symptomatischen Patienten oder kardiovaskulärer Vorerkrankung indiziert.
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Hintergrund

Körperliche Aktivität und kardiorespiratorische Fitness sind bei Menschen mit Diabetes mit einer deutlich geringeren Morbidität und Mortalität assoziiert. Die Leitlinie der Diabetes Canada unterscheidet dabei zwischen Alltagsaktivität und strukturiertem Training (Exercise). Regelmäßiges Training verbessert die glykämische Kontrolle (HbA1c-Senkung), verringert die Insulinresistenz und fördert die Gewichtsabnahme.

Trainingsempfehlungen

Für optimale gesundheitliche Vorteile sollten aerobes Training und Krafttraining kombiniert werden. Auch geringere Aktivitätsmengen bieten bereits gesundheitliche Vorteile.

TrainingsartFrequenzIntensität / DauerBeispiele
Aerobes TrainingMind. 3 Tage/Woche (max. 2 aufeinanderfolgende Tage Pause)Mind. 150 Min./Woche, moderat bis intensivRadfahren, zügiges Gehen, Schwimmen, Joggen
Krafttraining2-3 Mal/Woche1-3 Sätze à 8-15 Wdh. pro MuskelgruppeGewichte, Kraftmaschinen
IntervalltrainingNach individueller ToleranzKurze intensive Phasen im Wechsel mit ErholungHochintensives Intervalltraining (HIIT)
  • Sitzendes Verhalten: Längeres Sitzen ist unabhängig vom Trainingsstatus mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Es wird empfohlen, das Sitzen alle 20 bis 30 Minuten kurz zu unterbrechen (Grad C).
  • Schrittzähler: Die Nutzung von Pedometern zur Zielsetzung (z. B. Steigerung um 2.000 Schritte/Tag) wird in Kombination mit Beratung empfohlen (Grad B).

Vermeidung von Hypoglykämien (Typ-1-Diabetes)

Die Angst vor Hypoglykämien ist eine wesentliche Barriere für Sport bei Typ-1-Diabetes. Folgende Strategien können einzeln oder kombiniert angewendet werden:

StrategieMaßnahmeEmpfehlungsgrad
InsulinanpassungReduktion des Bolusinsulins, das zum Trainingszeitpunkt am aktivsten istGrad B
BasalrateReduktion oder Pausieren (nur bei <45 Min. Dauer) währenddessen; nachts -20%Grad B
KohlenhydrateZufuhr vor, während und nach dem Training nach Bedarf erhöhenGrad C
TrainingsablaufKrafttraining vor dem aeroben Training durchführenGrad D
SprintsKurze (10 Sek.) maximale Sprints einbauen (Anfang, Mitte oder Ende)Grad D

Umgang mit Hyperglykämie

Ein erhöhter Blutzucker (>16,7 mmol/l) erfordert je nach Diabetestyp unterschiedliche Maßnahmen:

  • Typ-2-Diabetes: Training muss in der Regel nicht verschoben werden, sofern der Patient sich wohlfühlt. Auf ausreichende Hydratation ist zu achten.
  • Typ-1-Diabetes: Fühlt sich der Patient unwohl, müssen zwingend Ketone gemessen werden.
    • Bei erhöhten Ketonen (Blut ≥1,5 mmol/l oder Urin ≥4 mmol/l): Vigouröses Training verschieben, bis Insulin/Kohlenhydrate gegeben wurden und Ketone gesunken sind.
    • Bei negativen Ketonen und Wohlbefinden: Training ist möglich.

Medizinisches Screening vor dem Sport

Für die meisten asymptomatischen Patienten ist vor Beginn eines moderaten Trainings kein medizinisches Clearance erforderlich.

Ein Ruhe-EKG und ggf. ein Belastungs-EKG sollten erwogen werden bei Patienten, die intensiver als "zügiges Gehen" trainieren möchten UND folgende Kriterien aufweisen:

  • Typische oder atypische Brustbeschwerden
  • Unerklärliche Dyspnoe
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Strömungsgeräusche der Carotis
  • Anamnese für Angina pectoris, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder TIA

Hinweis zu Neuropathie: Patienten mit schwerer peripherer Neuropathie dürfen an moderatem, gewichtstragendem Training teilnehmen, sofern keine aktiven Fußulzera vorliegen. Die Füße müssen an Trainingstagen täglich inspiziert werden.

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie Bewegung auf Rezept: Nutzen Sie Schrittzähler (Pedometrie) und setzen Sie gemeinsam mit dem Patienten konkrete Ziele. Eine Steigerung um 2.000 Schritte pro Tag reduziert nachweislich kardiovaskuläre Ereignisse.

Häufig gestellte Fragen

Empfohlen werden mindestens 150 Minuten aerobes Training pro Woche (verteilt auf mindestens 3 Tage) plus 2- bis 3-mal wöchentlich Krafttraining.
Asymptomatische Patienten benötigen vor moderatem Training meist kein Screening. Bei Symptomen wie Brustschmerzen, unerklärlicher Dyspnoe oder kardiovaskulärer Vorerkrankung ist ein EKG/Belastungs-EKG vor intensivem Training indiziert.
Bei Typ-2-Diabetes ja, sofern der Patient sich wohlfühlt (auf Hydratation achten). Bei Typ-1-Diabetes und Werten >16,7 mmol/l plus Unwohlsein müssen zwingend Ketone gemessen werden. Sind diese erhöht, muss das Training verschoben werden.
Durch Reduktion des Bolus- oder Basalinsulins, zusätzliche Kohlenhydrate, kurze maximale Sprints oder indem das Krafttraining vor dem Ausdauertraining absolviert wird.
Ja, Patienten mit peripherer Neuropathie dürfen an moderatem, gewichtstragendem Training teilnehmen, vorausgesetzt sie haben keine aktiven Fußulzera und kontrollieren ihre Füße an Trainingstagen täglich.

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