DGPPN2026Psychiatrie

Umgang mit Suizidalität: S3-Leitlinie DGPPN

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGPPN (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Suizidalität ist ein hochrelevantes klinisches Thema, das eine strukturierte und evidenzbasierte Herangehensweise erfordert. Die S3-Leitlinie der DGPPN zum Umgang mit Suizidalität richtet sich an ein breites interdisziplinäres Fachpublikum im ambulanten und stationären Sektor.

Ziel der Leitlinie ist es, die Versorgung suizidaler Menschen durch eine systematische Einordnung präventiver, diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen zu verbessern. Sie umfasst spezifische Empfehlungen für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Erfassung und Diagnostik

Laut Leitlinie soll Personen bei erhärtetem Verdacht auf Suizidalität ein professionelles Gespräch angeboten werden. Validierte Fragebögen oder strukturierte Interviews können ergänzend eingesetzt werden, eine Risikostratifizierung darf jedoch nur im Kontext mit dem persönlichen Gespräch erfolgen.

Es wird betont, dass das Ansprechen von suizidalem Erleben das Suizidrisiko nicht erhöht. Patienten in krisenhaften Situationen sollen proaktiv auf Suizidalität angesprochen werden.

Bei Minderjährigen sollen standardmäßig die sorgeberechtigten Personen zur Einschätzung und Nachsorge einbezogen werden. Bei Erwachsenen wird der Einbezug von Angehörigen und dem sozialen Umfeld empfohlen.

Risikofaktoren

Die Leitlinie identifiziert zahlreiche Faktoren, die das Suizidrisiko erhöhen und in der Anamnese beachtet werden sollen:

  • Soziodemografische und sozioökonomische Faktoren (Alter, Geschlecht, Migration, Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit)

  • Ein früherer Suizidversuch sowie Suizide in der Familie

  • Psychische Störungen (insbesondere affektive Störungen, Schizophrenie, Abhängigkeitserkrankungen)

  • Somatische Erkrankungen und traumatische Lebenserfahrungen

  • Zugehörigkeit zu einer geschlechtlichen oder sexuellen Minderheit

Psychotherapie

Für suizidale Erwachsene wird primär eine auf die Suizidalität fokussierte kognitive Verhaltenstherapie empfohlen.

Bei Vorliegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung empfiehlt die Leitlinie:

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) für Erwachsene und Jugendliche

  • Auf Suizidalität fokussierte psychodynamische Psychotherapie (MBT, TFP) für Erwachsene

Versorgung und Nachsorge

Die erste Woche und der erste Monat nach einer psychiatrischen Krankenhausentlassung gelten als Phasen mit besonders hohem Suizidrisiko. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Nachuntersuchung soll daher maximal eine Woche nach Entlassung stattfinden.

Es wird empfohlen, erwachsenen sowie minderjährigen Patienten nach einem Suizidversuch Safety-Planning-Interventionen anzubieten. Zudem sollten suizidale Personen flächendeckend Zugang zu Kriseninterventionsdiensten erhalten.

Dosierung

Die Leitlinie gibt keine spezifischen Milligramm-Dosierungen vor, definiert jedoch klare Indikationen für den Einsatz bestimmter Wirkstoffe zur Reduktion der Suizidalität:

MedikamentIndikationEmpfehlung zur Suizidprävention
LithiumBipolare Störung, Unipolare DepressionZur mittel- bis langfristigen Reduktion der Suizidalität bei Erwachsenen empfohlen
ClozapinErkrankungen aus dem schizophrenen FormenkreisZur mittel- bis langfristigen Reduktion der Suizidalität bei Erwachsenen empfohlen
Ketamin / EsketaminAkute Suizidalität im Rahmen einer DepressionKann Erwachsenen zur kurzfristigen Reduktion angeboten werden
BenzodiazepineAkute Suizidalität mit starker Unruhe oder SchlafstörungenMax. 14 Tage unter engmaschiger Überwachung
PsychostimulantienADHSGemäß ADHS-Leitlinie zur Behandlung der Grunderkrankung empfohlen

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert deutliche Warnhinweise zur medikamentösen Therapie:

  • Alprazolam soll bei akuter Suizidalität nicht eingesetzt werden.

  • Antidepressiva sollen zur speziellen akuten Behandlung der Suizidalität nicht eingesetzt werden.

  • Phasen der Ein- und Aufdosierung sowie das Absetzen von Antidepressiva gehen mit einem erhöhten Suizidrisiko einher.

  • Bei Kindern und Jugendlichen unter SSRI-Therapie zeigte sich ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche, weshalb eine engmaschige Kontrolle empfohlen wird.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie räumt mit dem Mythos auf, dass das Ansprechen von Suizidalität gefährlich sei: Das proaktive Erfragen von suizidalen Gedanken erhöht das Risiko nicht und wird ausdrücklich empfohlen. Zudem wird davor gewarnt, Antidepressiva zur akuten Behandlung von Suizidalität einzusetzen, da Dosisänderungen kritische Hochrisikophasen darstellen.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Laut Leitlinie erhöht das proaktive Ansprechen von suizidalem Erleben und Verhalten das Suizidrisiko nicht. Es wird ausdrücklich empfohlen, Patienten in Krisensituationen direkt darauf anzusprechen.

Die Leitlinie gibt an, dass Ketamin oder Esketamin bei Erwachsenen mit Depressionen zur kurzfristigen Reduktion der akuten Suizidalität angeboten werden kann. Antidepressiva sollen für die spezifische Akutbehandlung nicht eingesetzt werden.

Bei akuter Suizidalität, die mit stark belastenden Schlafstörungen oder Unruhe einhergeht, kann eine Behandlung mit Benzodiazepinen erfolgen. Diese sollte jedoch unter engmaschiger Überwachung und für maximal 14 Tage stattfinden. Alprazolam ist explizit ausgenommen und soll nicht eingesetzt werden.

Es wird empfohlen, eine Nachuntersuchung maximal eine Woche nach der Entlassung durchzuführen. Die erste Woche und der erste Monat nach einem Klinikaufenthalt gelten als Phasen mit besonders hohem Suizidrisiko.

Für Erwachsene und Jugendliche mit Borderline-Persönlichkeitsstörung wird primär die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) empfohlen. Bei Erwachsenen können auch suizidfokussierte psychodynamische Verfahren wie MBT oder TFP angeboten werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: S3-Leitlinie Umgang mit Suizidalität - Evidenztabellen (DGPPN, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien