Rehabilitation obere Extremität Amputation: DGOOC Leitlinie
Hintergrund
Die S2k-Leitlinie der DGOOC (2024) behandelt die Rehabilitation nach Majoramputationen an der oberen Extremität proximal der Hand. Der Rehabilitationsprozess wird als kontinuierlicher, langfristiger Verlauf verstanden, der bereits vor der eigentlichen Operation beginnt.
Ziel der Maßnahmen ist die bestmögliche Reintegration der Betroffenen in das private, berufliche und soziale Umfeld. Dabei steht die Erreichung einer hohen Teilhabe an allen Aktivitäten des täglichen Lebens im Vordergrund.
Die Leitlinie richtet sich an ein interdisziplinäres Behandlungsteam, das unter anderem aus Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten, Orthopädietechnikern sowie dem Pflegedienst besteht. Eine enge sektorübergreifende Zusammenarbeit wird als essenziell für den Behandlungserfolg angesehen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Rehabilitationsprozess:
Prä- und postoperative Phase
Es wird empfohlen, Betroffene nach Möglichkeit bereits präoperativ zu Hilfsmitteln zu beraten und neue Bewegungsabläufe zu üben. Ein Peer-Counseling durch speziell weitergebildete Amputierte im Vorfeld der Operation wird als hilfreich für eine erfolgreiche Rehabilitation erachtet.
Postoperativ stehen die frühzeitige Ödemreduktion, die Stumpfformung sowie die primäre Wundversorgung im Mittelpunkt. Zur Ödemvermeidung wird eine unmittelbare Kompressionstherapie, beispielsweise mittels offener Gipsverbände, empfohlen.
Frühe Rehabilitation und Prothesenversorgung
In der frühen Rehabilitationsphase sollte gemeinsam mit dem Betroffenen entschieden werden, ob eine Prothesenversorgung sinnvoll ist. Eine zu frühe Anfertigung der Prothese mit anschließender Verlegung in eine Rehabilitationseinrichtung sollte vermieden werden, da sich die Stumpfform noch verändert.
Bei älteren Personen mit hoher Amputation wird frühzeitig eine Verlegung ohne Prothese in eine spezialisierte stationäre Rehabilitationseinrichtung empfohlen.
Die Mindestziele der Versorgung umfassen laut Leitlinie:
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Eigenständiges An- und Ausziehen der Prothese
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Eigenständige Stumpf- und Narbenpflege
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Formschlüssiger und schmerzfreier Sitz des Prothesenschaftes
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Beherrschen der Prothesenfunktionen für Aktivitäten des täglichen Lebens
Schmerztherapie
Eine lückenlose postoperative Schmerztherapie wird zur Vermeidung eines Schmerzgedächtnisses empfohlen. Zur Behandlung von Phantomschmerzen können unter anderem Spiegeltherapie, virtuelle Realität oder eine medikamentöse Therapie zum Einsatz kommen.
Es wird betont, dass die aktive Nutzung einer Prothese einen lindernden Effekt auf Phantomschmerzen haben kann. Der behandelnde Arzt sollte über diese positiven Aspekte der Prothesennutzung aufklären.
Evaluation und Assessments
Zur Objektivierung des Rehabilitationserfolges wird die Nutzung spezifischer Messverfahren empfohlen. Die Leitlinie nennt hierfür verschiedene etablierte Assessments zur Evaluation der Funktion, die aufgabenspezifisch ausgewählt werden sollten.
| Assessment-Tool | Fokus / Anwendungsbereich |
|---|---|
| Box and Block Test (BBT) | Messung der Grobgeschicklichkeit und Erfassung von Therapieerfolgen |
| Clothespin Relocation Test (CRT) | Geschicklichkeitstraining und Erkennung von Kompensationsmechanismen |
| Assessment of Capacity for Myoelectric Control (ACMC) | Leistungsbasierter Test zur Steuerung myoelektrischer Prothesen |
| Southampton Hand Assessment Procedure (SHAP) | Klinisch validierter Handfunktionstest mit abstrakten Objekten und Alltagsaufgaben |
| Activities Measure for Upper Limb Amputees (AM-ULA) | Messung der Aktivitätsleistung bei Prothesenbenutzung |
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise im Rahmen der Schmerz- und Physiotherapie:
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Nachamputationen wegen chronischer Phantomschmerzen sind kontraindiziert und sollen nicht durchgeführt werden.
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Eine Langzeittherapie mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Nicht-Opioidanalgetika wird wegen möglicher Nebenwirkungen nicht empfohlen.
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Eine Elektro-Myo-Stimulation (EMS) einzelner Muskeln im Stumpfbereich sollte vermieden werden, um Zug auf die Myoplastik zu verhindern.
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Ein durchblutungsgestörter Stumpf sollte nicht massiert werden.
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Bei Amputationen nach einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) oder Tumoren sollte ein Ödem nicht durch Lymphdrainage therapiert werden.
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Hinweis der Leitlinie betrifft die Volumenschwankungen des Amputationsstumpfes in den Wochen nach der Rehabilitation. Es wird betont, dass der Prothesensitz regelmäßig geprüft und zeitnah durch die Orthopädietechnik angepasst werden muss, um Druckstellen und daraus resultierende chronische Schmerzen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie beginnt die Rehabilitation bereits präoperativ. Es wird empfohlen, schon vor dem Eingriff ein Einhändertraining durchzuführen und den Umgang mit einfachen Alltagshilfen zu üben.
Die Leitlinie empfiehlt einen multimodalen Ansatz, der unter anderem Spiegeltherapie, virtuelle Realität und medikamentöse Therapien umfasst. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die aktive Nutzung einer myoelektrischen Prothese einen lindernden Effekt auf Phantomschmerzen haben kann.
Für die Evaluation der Funktion werden in der Leitlinie unter anderem der Box and Block Test (BBT) sowie der Clothespin Relocation Test (CRT) als gängige Instrumente genannt. Diese dienen der Erst- und Fortschrittsevaluation während und nach der Rehabilitation.
Die ärztliche Abnahme der Prothese erfolgt laut Leitlinie durch einen qualifizierten Facharzt mit Expertise in der Technischen Orthopädie. Dabei werden Kriterien wie der Stumpfzustand, die Passform des Schaftes und die sichere Ausführung der Prothesenfunktion überprüft.
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Quelle: DGOOC: Rehabilitation nach Majoramputation an der oberen Extremität (proximal der Hand) (DGOOC, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.