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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Gendiagnostik bei kardiovaskulären Erkrankungen (DGK 2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein familiäres Kaskadenscreening (klinisch und genetisch) bei Verwandten 1. Grades wird bei Nachweis einer pathogenen Variante dringend empfohlen.
  • Zusatzbefunde in kardiovaskulären 'Actionable Genes' dürfen nur nach vorheriger Aufklärung und Einwilligung mitgeteilt werden.
  • Varianten unklarer Signifikanz (VUS, ACMG-Klasse 3) sollten primär nicht mitgeteilt, aber nach 3-5 Jahren re-evaluiert werden.
  • Bei familiärer Hypercholesterinämie (FH) ist eine Gendiagnostik ab einem DLCN-Score > 8 indiziert.
  • Pharmakogenetische Tests (z.B. CYP-Enzyme) sind bei Verdacht auf Medikamentenunverträglichkeiten oder Metabolisierungsdefekte indiziert.
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Hintergrund

Die Gendiagnostik spielt eine zunehmende Rolle bei der Erkennung und Risikostratifizierung kardiovaskulärer Erkrankungen. Das Gendiagnostik-Gesetz (GenDG) regelt die rechtlichen Voraussetzungen. Eine fachgebundene genetische Beratung ist vor und nach prädiktiven Tests zwingend erforderlich. Die Initiierung der Diagnostik sollte durch erfahrene Fachärzte erfolgen.

Gen- und Variantenklassifikation

Die Pathogenität von Genvarianten wird nach den Kriterien des American College of Medical Genetics and Genomics (ACMG) eingeteilt:

ACMG-KlasseBeschreibungPathogenitätswahrscheinlichkeit
5Pathogen> 95 %
4Wahrscheinlich pathogen> 90 %
3Variante unklarer Signifikanz (VUS)10–90 %
2Wahrscheinlich benigne< 10 %
0/1Benigne< 5 %

Umgang mit Befunden:

  • Zusatzbefunde: Werden in kardiovaskulären Actionable Genes pathogene Varianten (Klasse 4/5) als Zufallsbefund entdeckt, dürfen diese nur nach vorheriger Aufklärung und Einwilligung mitgeteilt werden.
  • VUS (Klasse 3): Sollten in der Regel nicht mitgeteilt werden. Eine Re-Evaluation nach 3-5 Jahren wird empfohlen.

Familiäres Kaskadenscreening

Bei Nachweis einer pathogenen Variante (ACMG 4/5) beim Indexpatienten ist eine Heterozygotendiagnostik bei biologisch-verwandten Familienmitgliedern (beginnend 1. Grades) indiziert. Auch ohne genetischen Nachweis sollten Verwandte alle 2-5 Jahre klinisch re-evaluiert werden, abhängig von der altersabhängigen Penetranz der Erkrankung.

Hereditäre Arrhythmien

Eine Diagnostik wird bei symptomatischen Indexpatienten mit eindeutigem Hinweis auf eine Ionenkanalerkrankung empfohlen.

ErkrankungCore-GeneDiagnostische Sensitivität
Langes QT-Syndrom (LQTS)KCNQ1, KCNH2, SCN5A70–80 %
Katecholaminerge polymorphe Kammertachykardie (CPVT)RYR250–60 %
Brugada-Syndrom (BrS)SCN5A20–30 %
Kurzes QT-Syndrom (SQTS)KCNH2, KCNQ1, SLC4A325 %

Hereditäre Kardiomyopathien

Die genetische Untersuchung unterstützt die Diagnostik und Risikostratifizierung. Bei bestimmten Mutationen ergeben sich unmittelbare therapeutische Konsequenzen (z.B. primärprophylaktische ICD-Indikation).

KardiomyopathieCore-Gene (Auswahl)Sensitivität
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)MYBPC3, MYH7, TNNI3, TNNT240–60 %
Dilatative Kardiomyopathie (DCM)LMNA, RBM20, TTN, FLNC, SCN5A30–40 %
Arrhythmogene Kardiomyopathie (ARVC)PKP2, DSP, DSG2, DSC240 %

Praxisrelevanz: Bei der DCM gelten Mutationen in LMNA und RBM20 als hoch arrhythmogen und rechtfertigen oft eine frühzeitige ICD-Implantation.

Hereditäre thorakale Aortenerkrankungen (HTAD)

Aortopathien können isoliert oder syndromal auftreten. Das Risiko für eine Aortendissektion ist bei HTAD-Patienten bereits bei geringeren Aortendiametern gegeben. Eine frühzeitige operative Versorgung wird oft schon ab ≥ 4,5 cm empfohlen.

SyndromCore-GeneKlinische Merkmale
Marfan-Syndrom (MFS)FBN1Ectopia lentis, Skelettanomalien, Aortenwurzelaneurysma
Loeys-Dietz-Syndrom (LDS)TGFBR1/2, SMAD3Hypertelorismus, Gaumenspalte, Arterienaneurysmen
Vaskuläres Ehlers-Danlos-Syndrom (vEDS)COL3A1Arterien-/Darmrupturen, dünne Haut

Familiäre Hypercholesterinämie (FH)

Die Diagnose erfolgt klinisch (z.B. via Dutch Lipid Clinic Network Score) oder genetisch. Die Bestimmung von polygenen Risiko-Scores (PRS) wird nicht empfohlen.

DLCN-ScoreWahrscheinlichkeitEmpfehlung zur Gendiagnostik
> 8 PunkteGesicherte FHIndiziert (Klasse I)
6–8 PunkteWahrscheinliche FHSollte erwogen werden (Klasse IIa)

Pharmakogenetik

Cytochrom P450 (CYP)-Enzyme beeinflussen den Metabolismus vieler kardiovaskulärer Medikamente. Bei Verdacht auf Unverträglichkeiten oder Therapieversagen ist eine Genotypisierung indiziert.

EnzymRelevante Substrate (Auswahl)Inhibitoren (Auswahl)
CYP2C9Phenprocoumon, Clopidogrel, TorasemidAmiodaron, Fluvastatin
CYP2C19Clopidogrel (Aktivierung)Protonenpumpenhemmer
CYP2D6Betablocker, Flecainid, AntidepressivaAmiodaron, SSRI
CYP3A4Statine, NOAKs (Apixaban, Rivaroxaban)Amiodaron, Verapamil, Grapefruit

Molekulare Autopsie

Bei ungeklärten Todesfällen (SCD, SIDS) unter 40 Jahren oder bei Hinweisen auf erbliche kardiovaskuläre Erkrankungen ist eine postmortale molekulargenetische Untersuchung im Rahmen der Obduktion sinnvoll. Eine interdisziplinäre Anbindung der Hinterbliebenen an ein Referenzzentrum wird empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Nachweis einer pathogenen Variante (ACMG 4/5) immer ein Kaskadenscreening bei Verwandten 1. Grades durch. Teilen Sie Varianten unklarer Signifikanz (VUS, ACMG 3) primär nicht mit, planen Sie aber eine Re-Evaluation nach 3-5 Jahren.

Häufig gestellte Fragen

Bei ungeklärten Todesfällen (SCD, SIDS) unter 40 Jahren oder bei Hinweisen auf erbliche kardiovaskuläre Erkrankungen im Rahmen der Obduktion.
Ja, aber nur in definierten 'Actionable Genes' (z.B. bestimmte Kardiomyopathie- oder Arrhythmie-Gene) und ausschließlich nach vorheriger Aufklärung und schriftlicher Einwilligung des Patienten.
Bei einer gesicherten FH (> 8 Punkte) ist sie indiziert. Bei einer wahrscheinlichen FH (6-8 Punkte) sollte sie erwogen werden.
Sie sollten primär nicht mitgeteilt werden, da die Krankheitskausalität unklar ist. Eine Re-Evaluation nach 3-5 Jahren ist jedoch sinnvoll.

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