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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Herzinsuffizienz-Einheiten (HFU) & Netzwerke: DGK-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Etablierung von Herzinsuffizienz-Netzwerken (HFNETs) zur lückenlosen transsektoralen Versorgung.
  • Gliederung in drei HFU-Ebenen: Schwerpunktpraxis, Schwerpunktklinik und überregionales Zentrum.
  • Zentrale Rolle von spezialisiertem Assistenzpersonal (Herzinsuffizienzassistent/in) für Schulung und Monitoring.
  • Strukturiertes Entlassmanagement und zeitnahe poststationäre Anbindung (innerhalb von 7 Tagen) für Hochrisikopatienten.
  • Standardisierte Behandlungspfade (SOPs) für akute und chronische Herzinsuffizienz sind obligatorisch.
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Hintergrund

Die Herzinsuffizienz ist in Deutschland die häufigste zur Krankenhausaufnahme führende Diagnose. Der Verlauf ist oft durch rezidivierende Dekompensationen gekennzeichnet, die mit einer hohen Mortalität einhergehen. Um die Versorgungskontinuität zu verbessern und Rehospitalisierungen zu vermeiden, haben DGK, DGTHG und ALKK die Etablierung von Herzinsuffizienz-Netzwerken (HF-NETs) und Herzinsuffizienz-Einheiten (Heart Failure Units, HFUs) initiiert. Ziel ist eine lückenlose, transsektorale und interdisziplinäre Versorgung.

Struktur der Herzinsuffizienz-Einheiten (HFUs)

Das HF-NET gliedert sich in drei modulare Versorgungsebenen, die eng miteinander kooperieren müssen:

HFU-EbeneFunktion und LeitungWichtige Strukturvoraussetzungen
HFU-SchwerpunktpraxisAmbulante Primärversorgung und Poststationäre Betreuung. Leitung: FA Kardiologie.EKG, Echo, Belastungs-EKG, Point-of-Care Labor. Mind. 1 zertifizierte/r Herzinsuffizienzassistent/in.
HFU-SchwerpunktklinikStationäre Akutversorgung. Leitung: FA Kardiologie + Intensivmedizin (Zusatzqualifikation HI obligat).24/7 Herzkatheterlabor (CPU), mind. 4 IMC/Intensiv-Betten, 24/7 Notfalllabor, mind. 2 HI-Assistenten.
Überregionales HFU-ZentrumMaximalversorgung, komplexe Interventionen, VAD/HTx. Leitung: FA Kardiologie oder Herzchirurgie + Intensivmedizin.24/7 Herzteam, ECLS/ECMO, Elektrophysiologie, mind. 4 spezielle HFU-Intensivbetten, VAD-Koordinatoren.

Spezialisiertes nichtärztliches Personal

Eine zentrale operative Rolle im HF-NET nimmt das spezialisierte nichtärztliche Fachpersonal ein (z. B. zertifizierte Herzinsuffizienzassistentinnen/-assistenten nach DGK-Curriculum). Sie arbeiten unter ärztlicher Supervision.

AufgabenbereichKonkrete Tätigkeiten
PatientenschulungVermittlung von Wissen zu Symptomen, Medikamentenadhärenz, Ernährung und Selbstüberwachung (z. B. tägliches Wiegen).
EntlassmanagementOrganisation der Weiterbetreuung, Informationstransfer an Hausarzt/Kardiologen, Bereitstellung von Hilfsmitteln.
Poststationäre VersorgungTelefon-Monitoring, Überwachung von Telemedizin-Daten, Dosisanpassung von Diuretika (nach ärztlicher Vorgabe).

Entlassmanagement und poststationäre Überwachung

Ein strukturiertes Entlassmanagement ist essenziell, da die ersten poststationären Wochen ein besonders hohes Risiko für Tod und Rehospitalisierung bergen.

  • Risikostratifizierung: Jeder wegen akuter Dekompensation stationär behandelte Patient gilt als Hochrisikopatient.
  • Zeitnahe Anbindung: Bei Entlassung noch deutlich symptomatische Patienten (NYHA III oder IV) benötigen innerhalb von < 7 Tagen einen ambulanten Kontrolltermin bei einem HFU-Kardiologen oder in einer HFU-Ambulanz.
  • Monitoring: Eine poststationäre Überwachung (z. B. telefonisch oder gerätebasiert) soll für mindestens 6 Monate aufrechterhalten werden.
  • Hausarzt-Kooperation: Der Hausarzt ist der wichtigste Partner und muss stets in das Entlassmanagement einbezogen werden.

Palliative Behandlung

Bei fortgeschrittener und terminaler Herzinsuffizienz ohne kausale Therapieoptionen müssen palliative Bedürfnisse systematisch erfasst werden.

  • Ein offener Dialog über Prognose und Behandlungsziele (z. B. Deaktivierung eines ICD-Aggregates) ist frühzeitig zu führen.
  • Lebensverlängernde Medikamente sollen weitergeführt werden, sofern sie zur Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

💡Praxis-Tipp

Planen Sie bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) den ersten ambulanten Kontrolltermin zwingend innerhalb von 7 Tagen nach der Krankenhausentlassung, um das hohe Rehospitalisierungsrisiko in der Frühphase zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Ein Facharzt für Kardiologie oder Herzchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und der persönlichen Anerkennung der Zusatzqualifikation Herzinsuffizienz.
Sie übernehmen unter ärztlicher Supervision zentrale Aufgaben in der Patientenschulung, im Entlassmanagement und im poststationären Monitoring (z. B. Telefon-Follow-up).
Hochrisikopatienten, insbesondere solche im NYHA-Stadium III oder IV, sollten innerhalb von 7 Tagen nach Entlassung ambulant kardiologisch vorgestellt werden.
Unter anderem EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie sowie Point-of-Care-Diagnostik für Troponin und natriuretische Peptide.

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