Herzinsuffizienz-Einheiten (HFU) & Netzwerke: DGK-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Etablierung von Herzinsuffizienz-Netzwerken (HFNETs) zur lückenlosen transsektoralen Versorgung.
- •Gliederung in drei HFU-Ebenen: Schwerpunktpraxis, Schwerpunktklinik und überregionales Zentrum.
- •Zentrale Rolle von spezialisiertem Assistenzpersonal (Herzinsuffizienzassistent/in) für Schulung und Monitoring.
- •Strukturiertes Entlassmanagement und zeitnahe poststationäre Anbindung (innerhalb von 7 Tagen) für Hochrisikopatienten.
- •Standardisierte Behandlungspfade (SOPs) für akute und chronische Herzinsuffizienz sind obligatorisch.
Hintergrund
Die Herzinsuffizienz ist in Deutschland die häufigste zur Krankenhausaufnahme führende Diagnose. Der Verlauf ist oft durch rezidivierende Dekompensationen gekennzeichnet, die mit einer hohen Mortalität einhergehen. Um die Versorgungskontinuität zu verbessern und Rehospitalisierungen zu vermeiden, haben DGK, DGTHG und ALKK die Etablierung von Herzinsuffizienz-Netzwerken (HF-NETs) und Herzinsuffizienz-Einheiten (Heart Failure Units, HFUs) initiiert. Ziel ist eine lückenlose, transsektorale und interdisziplinäre Versorgung.
Struktur der Herzinsuffizienz-Einheiten (HFUs)
Das HF-NET gliedert sich in drei modulare Versorgungsebenen, die eng miteinander kooperieren müssen:
| HFU-Ebene | Funktion und Leitung | Wichtige Strukturvoraussetzungen |
|---|---|---|
| HFU-Schwerpunktpraxis | Ambulante Primärversorgung und Poststationäre Betreuung. Leitung: FA Kardiologie. | EKG, Echo, Belastungs-EKG, Point-of-Care Labor. Mind. 1 zertifizierte/r Herzinsuffizienzassistent/in. |
| HFU-Schwerpunktklinik | Stationäre Akutversorgung. Leitung: FA Kardiologie + Intensivmedizin (Zusatzqualifikation HI obligat). | 24/7 Herzkatheterlabor (CPU), mind. 4 IMC/Intensiv-Betten, 24/7 Notfalllabor, mind. 2 HI-Assistenten. |
| Überregionales HFU-Zentrum | Maximalversorgung, komplexe Interventionen, VAD/HTx. Leitung: FA Kardiologie oder Herzchirurgie + Intensivmedizin. | 24/7 Herzteam, ECLS/ECMO, Elektrophysiologie, mind. 4 spezielle HFU-Intensivbetten, VAD-Koordinatoren. |
Spezialisiertes nichtärztliches Personal
Eine zentrale operative Rolle im HF-NET nimmt das spezialisierte nichtärztliche Fachpersonal ein (z. B. zertifizierte Herzinsuffizienzassistentinnen/-assistenten nach DGK-Curriculum). Sie arbeiten unter ärztlicher Supervision.
| Aufgabenbereich | Konkrete Tätigkeiten |
|---|---|
| Patientenschulung | Vermittlung von Wissen zu Symptomen, Medikamentenadhärenz, Ernährung und Selbstüberwachung (z. B. tägliches Wiegen). |
| Entlassmanagement | Organisation der Weiterbetreuung, Informationstransfer an Hausarzt/Kardiologen, Bereitstellung von Hilfsmitteln. |
| Poststationäre Versorgung | Telefon-Monitoring, Überwachung von Telemedizin-Daten, Dosisanpassung von Diuretika (nach ärztlicher Vorgabe). |
Entlassmanagement und poststationäre Überwachung
Ein strukturiertes Entlassmanagement ist essenziell, da die ersten poststationären Wochen ein besonders hohes Risiko für Tod und Rehospitalisierung bergen.
- Risikostratifizierung: Jeder wegen akuter Dekompensation stationär behandelte Patient gilt als Hochrisikopatient.
- Zeitnahe Anbindung: Bei Entlassung noch deutlich symptomatische Patienten (NYHA III oder IV) benötigen innerhalb von < 7 Tagen einen ambulanten Kontrolltermin bei einem HFU-Kardiologen oder in einer HFU-Ambulanz.
- Monitoring: Eine poststationäre Überwachung (z. B. telefonisch oder gerätebasiert) soll für mindestens 6 Monate aufrechterhalten werden.
- Hausarzt-Kooperation: Der Hausarzt ist der wichtigste Partner und muss stets in das Entlassmanagement einbezogen werden.
Palliative Behandlung
Bei fortgeschrittener und terminaler Herzinsuffizienz ohne kausale Therapieoptionen müssen palliative Bedürfnisse systematisch erfasst werden.
- Ein offener Dialog über Prognose und Behandlungsziele (z. B. Deaktivierung eines ICD-Aggregates) ist frühzeitig zu führen.
- Lebensverlängernde Medikamente sollen weitergeführt werden, sofern sie zur Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität beitragen.
💡Praxis-Tipp
Planen Sie bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) den ersten ambulanten Kontrolltermin zwingend innerhalb von 7 Tagen nach der Krankenhausentlassung, um das hohe Rehospitalisierungsrisiko in der Frühphase zu minimieren.