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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Kardiologische Reha bei Herzinsuffizienz: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die kardiologische Rehabilitation (CR) wird für Patienten mit Herzinsuffizienz in allen nationalen und internationalen Leitlinien mit hohem Evidenzgrad empfohlen.
  • Ein frühzeitiger Beginn unmittelbar nach der Krankenhausentlassung ist essenziell, um kurzfristige Rehospitalisierungen (Drehtüreffekt) zu vermeiden.
  • Zentrales ärztliches Ziel ist die Etablierung und Dosistitration der 4 evidenzbasierten Medikamentenklassen innerhalb von 3 bis 4 Wochen ("big 4 in 4 weeks").
  • Körperliches Training, psychosoziale Unterstützung und Schulungen verbessern die Belastbarkeit und Lebensqualität signifikant.
  • Hohes Alter und Gebrechlichkeit (Frailty) stellen keine Ausschlusskriterien dar; diese Patienten profitieren funktionell besonders stark.
  • Zur langfristigen Sicherung des Erfolgs wird die Nachsorge in speziellen ambulanten Herzinsuffizienzgruppen (HIG) empfohlen.
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Hintergrund

Die Herzinsuffizienz ist ein komplexes Syndrom, das durch rezidivierende Dekompensationen und eine hohe Rehospitalisierungsrate gekennzeichnet ist. Die kardiologische Rehabilitation (CR) ist ein integraler Bestandteil der sektorenübergreifenden, multiprofessionellen Therapie innerhalb von Herzinsuffizienznetzwerken (HF-NETs). Sie zielt darauf ab, die physische und psychische Gesundheit wiederherzustellen, die Prognose zu verbessern und die soziale sowie berufliche Reintegration zu ermöglichen.

Leitlinien-Empfehlungen

Die Teilnahme an einer kardiologischen Rehabilitation wird für stabile Patienten mit Herzinsuffizienz international stark empfohlen:

LeitlinieEmpfehlungEvidenzgrad
ACC/AHA 2022Training zur Verbesserung der BelastbarkeitI, A
ESC 2021Multidisziplinäres Management zur Reduktion von Rehospitalisierung und MortalitätI, A
AWMF S3 2020CR bei chronischer Herzinsuffizienz (NYHA I–III) und nach Dekompensation↑↑ (Soll-Empfehlung)
NVL 2019CR unmittelbar nach akut-stationärem AufenthaltSoll-Empfehlung

Klinische Wirksamkeit

Die Evidenz zur Wirksamkeit der CR bei Herzinsuffizienz zeigt klare Vorteile bei patientenberichteten und funktionellen Endpunkten, während die Datenlage zur Mortalität heterogen ist:

EndpunktEvidenzEffekt
MortalitätNicht sicher belegtIn Metaanalysen neutral, in Kohortenstudien positiv
KrankenhausaufnahmeNicht sicher belegtHeterogene Studienergebnisse
Körperliche BelastbarkeitSicher belegtDeutlicher positiver Effekt
LebensqualitätSicher belegtMittlerer positiver Effekt

Inhalte der kardiologischen Rehabilitation

Die CR basiert auf dem biopsychosozialen Krankheitsmodell der WHO und wird von einem multiprofessionellen Team durchgeführt.

1. Medikamentöse Optimierung ("Big 4 in 4 weeks")

Eine Kernaufgabe der ärztlichen Betreuung in der CR ist die Implementierung, Optimierung und Dosistitration der evidenzbasierten Herzinsuffizienzmedikation. Durch engmaschige klinische Kontrollen (mindestens wöchentliche Visiten, Labor, EKG, Echo) ist es meist möglich, die vier Säulen der HFrEF-Therapie (Betablocker, RAAS-Hemmer/ARNI, SGLT2-Inhibitoren, MRA) während der 3- bis 4-wöchigen Verweildauer zu vervollständigen und aufzudosieren.

2. Körperliche Trainingstherapie

Vor Beginn erfolgt eine sorgfältige Risikoevaluation (meist mittels Belastungstest).

  • Basis: Aerobes Ausdauertraining (Dauermethode oder gut toleriertes aerobes Intervalltraining).
  • Ergänzung: Dynamisches Krafttraining (Kraft-Ausdauer) zur Behandlung der muskulären Dekonditionierung und als Sturzprophylaxe.
  • Atemmuskeltraining: Zur Stärkung der respiratorischen Muskulatur.
  • Cave: Hochintensives Intervalltraining (HIIT) wird in der klinischen Routine nicht empfohlen.

3. Schulung und Selbstmanagement

Strukturierte Schulungen (oft durch spezialisierte HF-Nurses) fördern die Adhärenz und Selbstwirksamkeit. Wichtige Themen sind:

  • Tägliches Wiegen und Symptombeobachtung
  • Selbstständige Anpassung der Diuretika-Dosis bei Dekompensationszeichen
  • Flüssigkeitsmanagement und Ernährung
  • Bedeutung der medikamentösen Therapie

4. Psychosoziale und sozialmedizinische Unterstützung

Screening auf Depressivität und Ängstlichkeit mit bedarfsgerechten psychologischen Interventionen. Bei Patienten im erwerbsfähigen Alter steht die berufliche Wiedereingliederung (z. B. stufenweise Wiedereingliederung) im Fokus. Bei älteren Patienten geht es um den Erhalt der Selbstständigkeit und ggf. die Beantragung eines Pflegegrades.

Patientenauswahl

Alter, Gebrechlichkeit (Frailty) oder der Erwerbsstatus dürfen keine Ausschlusskriterien für eine trainingsbasierte CR sein. Studien (wie REHAB-HF) zeigen, dass gerade hochbetagte und gebrechliche Patienten funktionell stark profitieren.

Geeignete PatientenNicht geeignete Patienten
Klinisches Stadium NYHA I–III (HFrEF, HFmrEF, HFpEF)Ruhedyspnoe und/oder i.v.-Diuretika-Bedarf
Nach erstmaliger oder wiederholter DekompensationFehlende Motivation oder fehlende Orientierung
Nach Implantation von CRT, ICD, CCM oder mit LifeVestBarthel-Index < 70 (hier ggf. geriatrische Reha prüfen)
Nach Klappeninterventionen (Mitral-/Trikuspidal-Clipping, TAVI)Schwere Begleiterkrankungen, die selbstständiges Gehen/Stehen verhindern

Nachsorge: Herzinsuffizienzgruppen (HIG)

Um die Lebensstiländerungen und die körperliche Aktivität langfristig aufrechtzuerhalten, sollten Patienten in wohnortnahe Nachsorgeprogramme eingeschlossen werden. Für Patienten, die für klassische Herzgruppen (HG) nicht ausreichend belastbar sind, wurden spezielle Herzinsuffizienzgruppen (HIG) etabliert:

  • Gruppengröße: Maximal 12 Patienten (im Gegensatz zu 20 in der HG).
  • Betreuung: Ständige Arztanwesenheit ist verpflichtend.
  • Verordnung: Über Muster 56 (Rehabilitationssport), Kostenübernahme durch GKV/DRV ist gesichert.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie das Zeitfenster der kardiologischen Rehabilitation aktiv für das Konzept 'Big 4 in 4 weeks'. Die engmaschige Überwachung in der Reha bietet das ideale Setting, um die evidenzbasierte Medikation (inkl. SGLT2-Inhibitoren und ARNI) sicher aufzudosieren.

Häufig gestellte Fragen

Die Rehabilitation sollte unmittelbar nach der Entlassung aus der stationären Akutbehandlung (als Anschlussrehabilitation) beginnen, um das hohe Risiko einer frühzeitigen erneuten Dekompensation (Drehtüreffekt) zu minimieren.
Nein. Alter und Gebrechlichkeit (Frailty) sind ausdrücklich keine Ausschlusskriterien. Aktuelle Daten zeigen, dass gerade gebrechliche Patienten durch die Reha ihre motorischen Fähigkeiten und Lebensqualität signifikant verbessern können.
Nein, in der klinischen Routine wird HIIT nicht empfohlen. Studien zeigten keinen signifikanten Vorteil gegenüber moderatem Ausdauertraining, jedoch tendenziell mehr unerwünschte Ereignisse. Basis bleibt das aerobe Ausdauertraining.
Die HIG richtet sich an Patienten mit geringerer Belastbarkeit. Sie ist auf maximal 12 Patienten begrenzt (HG: 20 Patienten) und erfordert zwingend die ständige Anwesenheit eines Arztes während des Trainings.
Eine Reduktion der Gesamtmortalität konnte in Metaanalysen bisher nicht sicher belegt werden. Die CR führt jedoch zu einer hochsignifikanten Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und der krankheitsbezogenen Lebensqualität.

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