Ambulante Herzgruppen: Leitlinie zur Betreuung (DGK/DGPR)
📋Auf einen Blick
- •Aufgrund des Ärztemangels und gesunkener Komplikationsraten ist eine ständige ärztliche Anwesenheit nicht mehr in allen Herzgruppen zwingend erforderlich.
- •Die Einteilung der Patienten erfolgt nach einer neuen Risikostratifizierung in drei Gruppen: Standardherzgruppe, Herzgruppe mit erhöhtem Betreuungsbedarf und Herzinsuffizienzgruppe.
- •In der Standardherzgruppe (ca. 50 % der Patienten) ist keine ärztliche Anwesenheit nötig; ein qualifizierter Übungsleiter, ein AED und eine Notrufmöglichkeit genügen.
- •Die Zuordnung zu den Risikokategorien muss durch einen Facharzt für Innere Medizin oder eine kardiologische Rehabilitationseinrichtung erfolgen.
- •Eine Reevaluation der Risikoeinstufung sollte in der Regel nach einem Jahr durchgeführt werden.
Hintergrund
Ambulante Herzgruppen sind ein essenzieller Bestandteil der kardiovaskulären Langzeitprävention und Nachsorge (Phase-III-Rehabilitation). Bisher war die ständige Anwesenheit eines Arztes in diesen Gruppen verpflichtend. Durch den zunehmenden ärztlichen Fachkräftemangel drohen jedoch Versorgungsengpässe und Wartezeiten für Patienten.
Da das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse während der Bewegungstherapie dank medizinischer Fortschritte (Revaskularisationsstrategien, medikamentöse Therapie) in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken ist, empfehlen die DGK und DGPR eine risikoadaptierte ärztliche Betreuung.
Risikostratifizierung und Betreuungsmodelle
Die Leitlinie sieht eine Einteilung der Patienten in drei verschiedene Gruppentypen vor:
| Gruppentyp | Ärztliche Anwesenheit | Zielgruppe / Kriterien | Voraussetzungen |
|---|---|---|---|
| Standardherzgruppe | Nicht erforderlich | Stabile, gut belastbare Patienten (z. B. LVEF ≥50 %) | Qualifizierter Leiter, AED vor Ort, Notrufmöglichkeit |
| Herzgruppe mit erhöhtem Betreuungsbedarf | Permanent erforderlich | Patienten mit Risikokriterien (z. B. LVEF <50 %, NYHA ≤II, eingeschränkte Belastbarkeit) | Arzt anwesend |
| Herzinsuffizienzgruppe | Permanent erforderlich | Hochrisikopatienten (siehe separate Tabelle) | Speziell ausgebildete Ärzte und Herzgruppenleiter |
Indikationen für die Herzinsuffizienzgruppe
Für Patienten mit hohem kardiovaskulärem Ereignisrisiko wurden spezielle Herzinsuffizienzgruppen geschaffen. Folgende Indikationen rechtfertigen die Zuordnung:
| Indikationsgebiet | Spezifische Kriterien |
|---|---|
| Schwere Herzinsuffizienz | NYHA III bei mittelgradig bis schwer eingeschränkter Pumpfunktion (HFrEF = LVEF < 40 %) |
| Schwere Rechtsherzinsuffizienz | z. B. bei thrombembolisch pulmonaler Hypertonie (CTEPH) oder primärer pulmonalarterieller Hypertonie (PAH) |
| Rhythmusstörungen / Z.n. Reanimation | Rezidivierende ventrikuläre Herzrhythmusstörungen, 1. Jahr nach überlebtem plötzlichem Herztod mit ICD |
| Kardiomyopathien | Hypertrophe (obstruktive) Kardiomyopathie (HOCM/HCM) mit/ohne ICD |
| Klappenvitien | Mittelschwere symptomatische Herzklappenvitien |
| Schwere Ischämie | Schwere Herzinsuffizienz und intraktable Angina pectoris bei Ischämie oder Dyspnoe bei Training unter 6 MET |
Zuweisung und Reevaluation
Die Einteilung in die Risikokategorien ist eine verantwortungsvolle ärztliche Aufgabe:
- Zuweisung: Darf nur durch einen Facharzt für Innere Medizin (idealerweise mit Schwerpunkt Kardiologie/Sportmedizin) oder eine kardiologische Rehabilitationseinrichtung erfolgen.
- Diagnostik: Klinische Anamnese und aktuelle kardiologische Befunde (Echokardiographie, Ergometrie) sind zwingend erforderlich.
- Reevaluation: Da sich Befunde nach akuten Ereignissen ändern können, sollte nach einem Jahr eine Reevaluation durch einen Facharzt erfolgen. Bei einer Änderung der klinischen Symptomatik ist eine sofortige Reevaluation indiziert.
Anforderungen an die Herzgruppenleiter
Jede Herzgruppe wird durch einen speziell ausgebildeten, nichtärztlichen Herzgruppenleiter (z. B. "Herzgruppenleiter der DGPR") angeleitet. Zu den Kernaufgaben gehören:
- Notfallmanagement: Geübter Umgang mit kardiovaskulären Notfällen.
- Sicherheit: Kenntnis der Kontraindikationen für körperliches Training (z. B. akute Infektionen, kardiale Dekompensation) und entsprechende Aufklärung der Teilnehmer.
- Prävention: Vermittlung präventivmedizinischer Aspekte jenseits des Trainings (z. B. Gesundheitsaufklärung, Ernährung, Raucherentwöhnung).
- Trainingssteuerung: Umsetzung eines kombinierten Ausdauer- und dynamischen Krafttrainings, welches sich als besonders effektiv erwiesen hat.
💡Praxis-Tipp
Weisen Sie stabile Patienten (z. B. LVEF ≥50 %, keine Ischämie) gezielt der Standardherzgruppe zu. Dies entlastet die ärztlichen Ressourcen erheblich, da für diese Gruppe (ca. 50 % aller Patienten) keine permanente ärztliche Anwesenheit mehr gefordert ist.