Dentales Trauma: Diagnostik, Schienung und Therapie
Hintergrund
Das dentale Trauma weist weltweit eine hohe Prävalenz von 25 bis 30 Prozent auf. In Deutschland sind im Kindes- und Jugendalter etwa 6 bis 38 Prozent der Bevölkerung von Zahnverletzungen betroffen. Dislokationsverletzungen treten dabei häufiger im Milchgebiss auf, während Kronenfrakturen vorwiegend das bleibende Gebiss betreffen.
Die Leitlinie fokussiert sich auf die Erst- und Weiterversorgung von Verletzungen an bleibenden Zähnen. Oberstes Ziel ist der Zahnerhalt sowie die Minimierung von Folgeschäden wie Infektionen oder Resorptionen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen sollen optimale Voraussetzungen für das weitere Kieferwachstum geschaffen werden.
Zur Prävention wird eine frühzeitige kieferorthopädische Korrektur bei Patienten mit stark vergrößerter Frontzahnstufe empfohlen. Zudem kann das Tragen eines Sportmundschutzes bei Kontaktsportarten das Risiko für ein Frontzahntrauma signifikant senken.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei avulsierten Zähnen die extraorale Trockenlagerungszeit der entscheidende Prognosefaktor ist. Wird ein Zahn länger als 60 Minuten trocken gelagert, gelten die parodontalen Zellen als devital, was unweigerlich zu einer Ankylose führt. Es wird daher empfohlen, bei einer Trockenlagerung von über einer Stunde die endodontische Behandlung mit bioresorbierbaren Materialien bereits vor der Replantation oder kurz vor der Schienenentfernung einzuleiten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt bei einer lateralen Dislokation eine flexible Schienung für 2 bis 4 Wochen. Bei einer Dislokation von mehr als 2 mm sollte zudem die endodontische Behandlung bereits in der Schienungsphase eingeleitet werden.
Als optimales Medium wird eine zellphysiologische Zahnrettungsbox empfohlen. Alternativ können laut Leitlinie kalte H-Milch oder isotone Kochsalzlösung verwendet werden, während Leitungswasser oder eine trockene Lagerung ungeeignet sind.
Eine Dekoronation wird bei Patienten im Wachstum empfohlen, wenn ein posttraumatisch ankylosierter Zahn in eine deutliche Infraposition gerät. Durch dieses Vorgehen kann das Volumen des Alveolarkamms für eine spätere Implantation erhalten werden.
Als favorisierte Therapieoption zur Vitalerhaltung der Pulpa wird die partielle Pulpotomie empfohlen. Dabei wird die Kronenpulpa um etwa 2 mm reduziert und anschließend mit einem bioaktiven Material bakteriendicht verschlossen.
Die Leitlinie rät zu einer zurückhaltenden Indikationsstellung für systemische Antibiotika. Aufgrund fehlender klinischer Daten wird keine generelle Empfehlung für die Gabe von Doxycyclin bei schweren Dislokationsverletzungen ausgesprochen.
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Quelle: Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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