Dengue-Seroprävalenz: Studiendesign & Labordiagnostik
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie "Informing vaccination programs" bietet Empfehlungen zur Planung und Durchführung von Dengue-Seroprävalenzstudien. Diese Studien dienen als essenzielle Entscheidungsgrundlage für die Einführung von Dengue-Impfprogrammen auf nationaler oder regionaler Ebene.
Der Lebendimpfstoff CYD-TDV wird laut Leitlinie nur für Populationen mit einer hohen Krankheitslast empfohlen. Eine Impfung wird ab einer Seroprävalenz von mindestens 50 Prozent, idealerweise über 70 Prozent, in der Zielaltersgruppe in Betracht gezogen.
Bei einer Seroprävalenz von unter 50 Prozent wird von einer Impfung abgeraten. Es besteht ein potenziell erhöhtes Risiko für schwere Dengue-Verläufe bei geimpften seronegativen Personen, weshalb präzise epidemiologische Daten zwingend erforderlich sind.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Durchführung von Serosurveys:
Zielgruppe und Altersklassen
Die Leitlinie empfiehlt die Durchführung schulbasierter Querschnittsstudien. Dabei sollen primär Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren untersucht werden, da diese die wahrscheinliche Zielgruppe für eine Impfung darstellen.
Zusätzlich wird die Einbeziehung folgender Altersgruppen empfohlen:
-
Kinder von 5 bis 8 Jahren zur Erfassung der Übertragungsdynamik
-
Jugendliche über 12 Jahren zur besseren Einschätzung der allgemeinen Krankheitslast (optional)
Studiendesign und Stichprobenziehung
Es wird ein komplexes, mehrstufiges Cluster-Stichprobendesign empfohlen. Die administrativen Einheiten sollen vorab anhand von Überwachungsdaten in Straten eingeteilt werden.
Die Leitlinie schlägt folgende Einteilung der Dengue-Krankheitslast vor und verknüpft diese mit den zu untersuchenden Gebieten je nach Impfstrategie:
| Dengue-Krankheitslast (Stratum) | Nationale Impfstrategie | Regionale Impfstrategie |
|---|---|---|
| Höchste Krankheitslast | Einschluss in Studie | Einschluss in Studie |
| Mittlere Krankheitslast | Einschluss in Studie | Einschluss in Studie (optional) |
| Niedrigste Krankheitslast | Einschluss in Studie | Ausschluss aus Studie |
Die Auswahl der Schulen und Schüler innerhalb der Straten soll streng zufällig erfolgen. Convenience-Sampling wird ausdrücklich abgelehnt, um Verzerrungen der Ergebnisse zu vermeiden.
Labordiagnostik
Für die Untersuchung der Blutproben wird primär ein indirekter IgG-ELISA-Test empfohlen. Da diese Tests häufig Kreuzreaktivitäten mit anderen Flaviviren aufweisen, ist eine lokale Validierung zwingend erforderlich.
Die Leitlinie fordert die Überprüfung einer Teilmenge der Proben:
-
Zufällige Auswahl von 100 bis 200 Proben
-
Nachtestung mittels Neutralisationstest (z. B. PRNT) als Goldstandard
-
Anpassung des ELISA-Cut-off-Wertes basierend auf den Ergebnissen zur Optimierung von Sensitivität und Spezifität
Datenanalyse
Bei der statistischen Auswertung müssen das komplexe Studiendesign und die Gewichtung der Stichproben berücksichtigt werden. Eine einfache Berechnung des Anteils positiver Proben ist laut Leitlinie nicht ausreichend.
Es wird empfohlen, die altersspezifische Seroprävalenz für jedes Stratum separat zu schätzen. Optionale Regressionsmodelle können genutzt werden, um die Präzision der Schätzungen zu verbessern.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Ausschlusskriterien für die Teilnahme von Kindern an der Seroprävalenzstudie:
-
Fehlende Zustimmung der Eltern oder des Kindes
-
Erhalt von Blut oder Blutprodukten innerhalb der letzten drei Monate
-
Medizinische Kontraindikationen gegen Nadelstiche oder Blutentnahmen
-
Bekannte vorherige Dengue-Impfung
💡Praxis-Tipp
Ein kritischer Aspekt bei der Durchführung von Dengue-Seroprävalenzstudien ist die mangelnde Spezifität kommerzieller IgG-ELISA-Tests aufgrund von Kreuzreaktivitäten mit anderen Flaviviren (wie Zika oder Gelbfieber). Die Leitlinie betont, dass der vom Hersteller empfohlene Cut-off-Wert nicht unkritisch übernommen werden darf. Es wird eine lokale Validierung mittels Neutralisationstests an einer Teil-Stichprobe empfohlen, um falsch-positive Ergebnisse und eine daraus resultierende Überschätzung der Herdenimmunität zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut WHO-Leitlinie wird eine Impfung mit CYD-TDV erst ab einer Seroprävalenz von mindestens 50 Prozent in der Zielaltersgruppe in Betracht gezogen. Idealerweise sollte die Prävalenz bei über 70 Prozent liegen, um den größten gesundheitlichen Nutzen zu erzielen.
Die Leitlinie warnt davor, dass bei einer Seroprävalenz von unter 50 Prozent ein potenziell erhöhtes Risiko für schwere Dengue-Verläufe besteht. Dies betrifft insbesondere geimpfte Personen, die zuvor noch keine natürliche Dengue-Infektion durchgemacht haben.
Es wird empfohlen, primär Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren zu untersuchen, da diese die Hauptzielgruppe für Impfprogramme darstellen. Zusätzlich wird die Einbeziehung von 5- bis 8-Jährigen angeraten, um die Übertragungsdynamik besser beurteilen zu können.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz eines indirekten IgG-ELISA-Tests zur Bestimmung der Antikörper. Zur Validierung und Anpassung der Cut-off-Werte soll eine Teilmenge der Proben zusätzlich mit einem Neutralisationstest (z. B. PRNT) untersucht werden.
Die Leitlinie rät von der Verwendung von Blutbank-Proben ab, da diese nicht repräsentativ für die Zielgruppe sind. Da sich Impfprogramme primär an Kinder richten, diese aber in der Regel kein Blut spenden, wird stattdessen ein schulbasiertes Studiendesign empfohlen.
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Quelle: Informing vaccination programs: a guide to the design and conduct of dengue serosurveys (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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