Globale RSV-Surveillance: WHO-Strategie 2019
📋Auf einen Blick
- •Die RSV-Surveillance der WHO baut auf dem bestehenden Influenza-Netzwerk (GISRS) auf.
- •Der Fokus liegt auf schweren, hospitalisierungspflichtigen RSV-Infektionen bei Kindern unter 2 Jahren.
- •Es wird eine erweiterte SARI-Falldefinition angewendet, die kein Fieber voraussetzt.
- •Bei Säuglingen unter 6 Monaten gelten auch Apnoe oder Sepsis als Einschlusskriterien.
- •Goldstandard der Diagnostik ist die rRT-PCR mit anschließender Typisierung in RSV-A und RSV-B.
Hintergrund
Das Respiratory Syncytial Virus (RSV) ist ein bedeutender Atemwegserreger, der weltweit jährlich schätzungsweise 33 Millionen akute tiefe Atemwegsinfektionen verursacht. Dies führt zu über 3 Millionen Hospitalisierungen und rund 59.600 Todesfällen im Krankenhaus bei Kindern unter 5 Jahren. Die WHO nutzt das etablierte Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS), um eine weltweite RSV-Überwachung aufzubauen, ohne die bestehende Influenza-Surveillance zu beeinträchtigen. Die Phase II des Projekts fokussiert sich auf Kinder unter 2 Jahren und schwere Krankheitsverläufe, die eine Hospitalisierung erfordern.
Falldefinitionen für die RSV-Surveillance
Da ein erheblicher Teil der Kleinkinder mit RSV-Infektion kein Fieber entwickelt, greift die klassische SARI-Definition (Severe Acute Respiratory Infection) zu kurz. Für die RSV-Surveillance wird daher eine erweiterte SARI-Definition verwendet:
| Kriterium | Erweiterte SARI (RSV) | Klassische SARI (Influenza) |
|---|---|---|
| Schweregrad | Hospitalisierung (>24h) | Hospitalisierung |
| Verlauf | Akut (Beginn in den letzten 10 Tagen) | Akut (Beginn in den letzten 10 Tagen) |
| Atemwegssymptome | Husten oder Atemnot | Husten oder Atemnot |
| Fieber | Nicht erforderlich | Fieber ≥ 38 °C (gemessen oder anamnestisch) |
| Sonderkriterien (<6 Monate) | Apnoe oder Sepsis | Keine spezifischen Sonderkriterien |
Überwachungsstrategie und Zielgruppen
Das Hauptziel der Überwachung ist die Erfassung schwerer RSV-Infektionen bei Kindern unter 2 Jahren. Jedes teilnehmende Land soll jährlich 400 Proben sammeln und testen. Um eine repräsentative Altersverteilung zu gewährleisten, wird folgende Stratifizierung vorgegeben:
- 100 Proben: 0 bis <3 Monate
- 100 Proben: 3 bis <6 Monate
- 100 Proben: 6 bis <12 Monate
- 100 Proben: 12 bis <24 Monate
Probenentnahme und Transport
Die Qualität der klinischen Proben ist entscheidend für die korrekte Diagnostik:
- Probenmaterial: Nasenabstriche (mittlere Nasenmuschel) oder nasopharyngeale Aspirate.
- Tupfer-Art: Es dürfen nur beflockte Nylon-Tupfer verwendet werden. Tupfer aus Baumwolle, Calciumalginat oder mit Holzstiel sind kontraindiziert, da sie Viren inaktivieren und die PCR hemmen können.
- Zeitfenster: Die Entnahme sollte idealerweise innerhalb von 3 Tagen nach Symptombeginn erfolgen.
- Lagerung: Sofort bei 4 °C kühlen und zeitnah ins Labor transportieren. Kann die Probe nicht innerhalb von 48 Stunden verarbeitet werden, muss sie bei -70 °C eingefroren werden (wiederholtes Einfrieren/Auftauen vermeiden).
Labordiagnostik
Der Goldstandard für den Nachweis ist die real-time RT-PCR (rRT-PCR). Der empfohlene Testalgorithmus sieht wie folgt aus:
- Nachweis: Testung auf RSV (z. B. CDC rRT-PCR Assay inkl. RNase P als interne Kontrolle).
- Typisierung: Positive Proben werden anschließend in RSV-A und RSV-B typisiert (z. B. mittels VIDRL- oder CDC-Multiplex-Assays).
- Influenza-Testung: RSV-negative Proben sollten auf Influenza getestet werden (sofern die Patienten Fieber hatten und in das Influenza-Überwachungsschema fallen).
💡Praxis-Tipp
Verwenden Sie für die RSV-Diagnostik ausschließlich beflockte Nylon-Tupfer. Baumwoll- oder Alginattupfer können die PCR-Reaktion hemmen und zu falsch-negativen Ergebnissen führen.