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tDCS nach Schlaganfall: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein Schlaganfall gehört weltweit zu den führenden Ursachen für Behinderungen. Funktionelle Einschränkungen führen bei den Betroffenen häufig zu einer verminderten Leistungsfähigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL).

Etablierte Rehabilitationsansätze weisen laut dem vorliegenden Cochrane Review eine begrenzte Wirksamkeit bei der Verbesserung von ADL, Muskelfunktion und kognitiven Fähigkeiten auf. Die Verbesserung der Kognition wird dabei als eine der wichtigsten Forschungsprioritäten in diesem Bereich angesehen.

Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) stellt eine nicht-invasive Methode der Hirnstimulation dar. Sie wird als mögliche Ergänzung zur Rehabilitation untersucht, um die kortikale Erregbarkeit zu modulieren und funktionelle Outcomes nach einem Schlaganfall zu verbessern. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract des systematischen Reviews.

Empfehlungen

Die Meta-Analyse liefert folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit der tDCS im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Sham-tDCS) oder anderen Kontrollinterventionen:

Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)

Der Review zeigt eine anfängliche Verbesserung der ADL durch tDCS am Ende der Interventionsphase (moderate Evidenzqualität).

Es wird jedoch betont, dass dieser Effekt nicht robust ist. In einer Sensitivitätsanalyse, die nur methodisch hochwertige Studien mit korrekter Zuteilungsverdeckung einschloss, ließ sich der positive Effekt auf die ADL nicht mehr nachweisen.

Motorische und kognitive Funktionen

Für die meisten funktionellen Parameter konnte kein Zusatznutzen der Hirnstimulation ermittelt werden:

  • Für die Funktion der oberen und unteren Extremitäten zeigte sich kein Effekt (niedrige bis hohe Evidenzqualität).

  • Auch bezüglich der Muskelkraft ergab sich kein Effekt (moderate bis hohe Evidenzqualität).

  • Allgemeine kognitive Fähigkeiten wurden durch die tDCS nicht signifikant verbessert.

  • Bei Patienten mit einem räumlichen Neglect (Hemineglect) gibt es Hinweise auf eine mögliche Verbesserung, allerdings bei sehr niedriger Evidenzqualität.

Sicherheit und Verträglichkeit

Die Intervention gilt laut Review als sicher und gut verträglich (moderate Evidenzqualität). Die Raten an Studienabbrüchen und unerwünschten Ereignissen waren in der tDCS-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht erhöht.

Übersicht der tDCS-Effekte nach Schlaganfall

OutcomeEffekt durch tDCSEvidenzqualität
Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)Fraglicher Nutzen (in hochwertigen Studien nicht bestätigt)Moderat bis sehr niedrig
Funktion der oberen ExtremitätKein EffektNiedrig bis moderat
Funktion der unteren ExtremitätKein EffektHoch
MuskelkraftKein EffektModerat bis hoch
Allgemeine kognitive FähigkeitenKein EffektNiedrig
Räumlicher Neglect (Hemineglect)Möglicher NutzenSehr niedrig
Unerwünschte Ereignisse / AbbrücheNicht erhöht (sicher)Moderat
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💡Praxis-Tipp

Der Cochrane Review verdeutlicht, dass die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) nach einem Schlaganfall derzeit keinen verlässlichen Zusatznutzen für die motorische Rehabilitation bietet. Es wird darauf hingewiesen, dass anfänglich positive Effekte auf die Alltagsaktivitäten in methodisch strengeren Analysen nicht standhielten. Bei Patienten mit räumlichem Neglect kann die Methode als individueller Ansatz erwogen werden, wenngleich die Evidenzbasis hierfür noch sehr schwach ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass tDCS die Funktion der oberen Extremität nach einem Schlaganfall verbessert. Die eingeschlossenen Studien zeigten keinen signifikanten Effekt auf die Armmotorik.

Die Meta-Analyse fand zwar anfänglich Hinweise auf eine Verbesserung der Alltagsaktivitäten durch tDCS. Dieser Effekt verschwand jedoch, wenn nur methodisch hochwertige Studien betrachtet wurden, weshalb der tatsächliche Nutzen fraglich bleibt.

Der Review stuft die tDCS als sicheres Verfahren ein. Die Rate an unerwünschten Ereignissen und Therapieabbrüchen war im Vergleich zur Scheinbehandlung nicht erhöht.

Es gibt Hinweise von sehr niedriger Evidenzqualität, dass tDCS bei einem räumlichen Neglect (Hemineglect) wirksam sein könnte. Weitere große randomisierte Studien sind laut den Autoren erforderlich, um dies abschließend zu bestätigen.

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Quelle: Cochrane Review: Transcranial direct current stimulation (tDCS) for improving activities of daily living, and physical and cognitive functioning, in people after stroke (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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