Räumlicher Neglect nach Schlaganfall: Cochrane Review
Hintergrund
Ein räumlicher Neglect oder eine Aufmerksamkeitsstörung tritt häufig nach einem Schlaganfall oder einer anderen erworbenen Hirnverletzung auf. Betroffene haben Schwierigkeiten, eine Seite des Raumes oder ihres Körpers wahrzunehmen.
Dies schränkt die Fähigkeit zur Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) wie Essen, Lesen oder Anziehen erheblich ein. Die Selbstständigkeit der Patienten wird dadurch stark beeinträchtigt.
Dieser Artikel basiert auf einem Cochrane Review aus dem Jahr 2021. Er untersucht die Wirksamkeit verschiedener nicht-medikamentöser Interventionen zur Verbesserung der Alltagsfunktionen und zur Reduktion des Neglects.
Empfehlungen
Der Cochrane Review analysierte 65 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1951 Teilnehmern. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde durchgehend als sehr niedrig eingestuft (GRADE-Evidenz: sehr niedrig).
Untersuchte Interventionen
Die Autoren des Reviews kategorisierten die nicht-medikamentösen Behandlungsansätze in acht Hauptgruppen. Für keine dieser Gruppen konnte ein eindeutiger, langfristiger Nutzen für die Alltagsfunktionen (ADL) nachgewiesen werden.
| Interventionskategorie | Untersuchte Methode | Evidenz für langfristige ADL-Verbesserung |
|---|---|---|
| Visuelle Behandlungen | Förderung von Augenbewegungen/Scanning | Sehr unklar (kein Nachweis) |
| Prismen-Adaptation | Zeigeaktivitäten mit Prismen-Brille | Sehr unklar (kein Nachweis) |
| Körperwahrnehmung | Physische, visuelle oder verbale Hinweise | Sehr unklar (möglicher kurzfristiger Nutzen) |
| Mentale Funktionen | Mentale Vorstellung, virtuelle Realität | Keine Studien zu langfristigen Effekten |
| Bewegungsbehandlungen | Robotik, Feedback, Bewegungseinschränkung | Keine Studien zu langfristigen Effekten |
| Nicht-invasive Hirnstimulation (NIBS) | Elektrische/magnetische Schädelstimulation | Sehr unklar (möglicher kurzfristiger Nutzen) |
| Elektrische Stimulation | Schwache Stromimpulse an Körperteilen | Keine Studien zu langfristigen Effekten |
| Akupunktur | Nadelung spezifischer Körperpunkte | Keine Studien zu langfristigen Effekten |
Klinische Schlussfolgerungen
Aufgrund der unzureichenden Datenlage kann derzeit kein spezifischer Rehabilitationsansatz evidenzbasiert unterstützt oder widerlegt werden. Der Review formuliert stattdessen folgende allgemeine Handlungsanweisungen:
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Es wird empfohlen, bestehende nationale klinische Leitlinien zur Schlaganfallrehabilitation zu befolgen.
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Betroffene sollten weiterhin eine allgemeine neurologische Rehabilitation erhalten, um ihre individuellen Rehabilitationsziele zu erreichen.
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Die Teilnahme an qualitativ hochwertigen klinischen Studien wird sowohl für Behandler als auch für Patienten stark befürwortet.
💡Praxis-Tipp
Da die Evidenz für spezifische Neglect-Therapien sehr schwach ist, wird in der Praxis empfohlen, sich nicht auf eine einzelne unbewiesene Methode zu verlassen. Stattdessen sollte eine umfassende neurologische Rehabilitation angestrebt werden, die sich an den individuellen Alltagszielen der Betroffenen orientiert.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um eine bestimmte nicht-medikamentöse Therapie als überlegen zu bewerten. Es wird empfohlen, die Behandlung an den individuellen Zielen im Rahmen einer allgemeinen Schlaganfallrehabilitation auszurichten.
Die Evidenz zur Wirksamkeit des Prismen-Adaptationstrainings ist laut Review sehr unsicher. Ein langfristiger Nutzen für die Aktivitäten des täglichen Lebens konnte in den bisherigen Studien nicht eindeutig belegt werden.
Der Review fand Hinweise auf einen möglichen kurzfristigen Nutzen der nicht-invasiven Hirnstimulation (NIBS). Die Evidenz für eine langfristige Verbesserung der Alltagsfunktionen wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.
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Quelle: Cochrane Review: Non-pharmacological interventions for spatial neglect or inattention following stroke and other non-progressive brain injury (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.