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Frühintervention bei Psychosen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Eine Erstpsychose ist das erstmalige Auftreten von psychotischen Symptomen wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Diese Phase tritt häufig im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf und kann zu erheblichen Einschränkungen im Alltag, der sozialen Teilhabe und der beruflichen Entwicklung führen.

Spezialisierte Frühinterventionsteams (SEI) zielen darauf ab, Menschen in den ersten Jahren einer psychotischen Erkrankung intensiv zu behandeln. Sie bieten einen multidisziplinären Ansatz, der medikamentöse Therapie, Psychotherapie, Psychoedukation sowie Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung umfasst. Die Teams arbeiten oft mit kleinen Fallzahlen, um eine enge und aufsuchende Betreuung zu gewährleisten.

Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht die Wirksamkeit dieser spezialisierten Teams im Vergleich zur psychiatrischen Regelversorgung (Treatment as Usual, TAU). Die Daten basieren auf Studien aus einkommensstarken Ländern mit einer Behandlungsdauer von 18 bis 24 Monaten.

Empfehlungen

Der Cochrane Review (2020) vergleicht die Effekte von spezialisierten Frühinterventionsteams (SEI) mit der psychiatrischen Regelversorgung (TAU) bei Personen mit einer kürzlich aufgetretenen Psychose.

Vergleich der Behandlungsergebnisse

Die Auswertung der Studien zeigt unterschiedliche Effekte am Ende der Behandlungsphase. Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen klinischen Endpunkte zusammen:

Klinischer EndpunktEffekt durch Frühintervention (SEI)Evidenzgrad
TherapieabbrücheWahrscheinliche Reduktion (8 % vs. 15 %)Moderat
Klinische GenesungMögliche Erhöhung (73 % vs. 52 %)Niedrig
Psychiatrische EinweisungenMögliche Reduktion (52 % vs. 57 %)Niedrig
Allgemeine FunktionsfähigkeitMögliche leichte VerbesserungNiedrig
Psychotische SymptomatikUnsicherer Effekt / Kein klarer UnterschiedSehr niedrig
GesamtmortalitätUnsicherer EffektNiedrig

Klinische Endpunkte und Gesundheitsleistungen

Laut den Autoren bietet der Einsatz von SEI-Teams folgende Vorteile während der aktiven Behandlungsphase:

  • Die Wahrscheinlichkeit für einen Therapieabbruch wird signifikant gesenkt.

  • Es kommt möglicherweise zu weniger Einweisungen in psychiatrische Kliniken.

  • Die Anzahl der stationären Aufenthaltstage wird möglicherweise reduziert.

Bezüglich der allgemeinen psychotischen Symptomatik (wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen) bleibt die Evidenzlage laut Review jedoch unsicher.

Langzeiteffekte und Einschränkungen

Die beschriebenen Vorteile beziehen sich ausschließlich auf den Zeitraum der aktiven Behandlung. Es gibt laut den Autoren keine ausreichende Evidenz dafür, dass diese positiven Effekte auch nach Beendigung der zwei- bis dreijährigen SEI-Intervention anhalten.

Zudem stammen alle eingeschlossenen Studien aus einkommensstarken Ländern. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Gesundheitssysteme oder Länder mit niedrigerem Einkommen ist unklar.

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💡Praxis-Tipp

Der Review betont, dass die positiven Effekte der spezialisierten Frühinterventionsteams primär während der aktiven Behandlungsphase nachweisbar sind. Es wird darauf hingewiesen, dass unklar ist, ob diese Vorteile nach dem Ende der zeitlich begrenzten Intervention (meist zwei bis drei Jahre) bestehen bleiben. Daher wird eine strukturierte Übergabe in die psychiatrische Regelversorgung nach Abschluss der Frühintervention als besonders wichtig erachtet.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review handelt es sich um multidisziplinäre Teams, die Personen in den ersten Jahren einer psychotischen Erkrankung intensiv betreuen. Sie bieten eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Psychotherapie und sozialer Unterstützung bei kleinen Fallzahlen.

Der Review zeigt, dass die Behandlung durch spezialisierte Teams die Anzahl der psychiatrischen Krankenhauseinweisungen möglicherweise leicht verringert. Zudem wird von einer möglichen Reduktion der stationären Aufenthaltstage berichtet.

Es gibt laut den Autoren moderate Evidenz dafür, dass spezialisierte Frühinterventionsteams die Rate der Therapieabbrüche im Vergleich zur Regelversorgung wahrscheinlich senken. Dies wird als einer der Hauptvorteile dieses Versorgungsmodells gewertet.

Die Intervention ist in der Regel zeitlich begrenzt und dauert laut den eingeschlossenen Studien meist zwei bis drei Jahre. Danach erfolgt üblicherweise der Wechsel in die psychiatrische Standardversorgung.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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