Partizipative Entscheidungsfindung Psychiatrie: Cochrane
Hintergrund
Psychische Erkrankungen betreffen einen großen Teil der Bevölkerung und haben tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Die partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making, SDM) ist ein partnerschaftlicher Ansatz in der Gesundheitsversorgung.
Bei diesem Modell bringen sowohl medizinische Fachpersonen als auch die Betroffenen ihre Expertise ein, um gemeinsam Behandlungsentscheidungen zu treffen. Häufig kommen dabei Entscheidungshilfen wie Broschüren, Online-Tools oder ein gezieltes Entscheidungs-Coaching zum Einsatz.
Ein aktueller Cochrane Review (2022) untersucht die Effekte von SDM-Interventionen im Vergleich zur Standardversorgung bei Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen. Zu den untersuchten Krankheitsbildern zählen unter anderem Schizophrenie, Depressionen und bipolare Störungen.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zu verschiedenen Endpunkten der partizipativen Entscheidungsfindung zusammen:
Patientenbeteiligung und Zufriedenheit
-
SDM-Interventionen verbessern möglicherweise die von den Betroffenen berichtete Beteiligung am Entscheidungsprozess unmittelbar nach der Konsultation (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
-
Es zeigt sich wahrscheinlich eine höhere Zufriedenheit mit den erhaltenen Informationen, wobei die Betroffenen diese Art der Informationsvermittlung weiterempfehlen würden (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).
-
Für eine langfristig aufrechterhaltene Beteiligung reicht die aktuelle Studienlage laut den Autoren nicht aus.
Klinische Endpunkte und Ressourcen
-
Aufgrund sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist ungewiss, ob SDM klinische Parameter wie psychiatrische Symptome, Depressionen oder Rehospitalisierungsraten verbessert.
-
Die Dauer der ärztlichen Konsultation wird durch SDM-Interventionen wahrscheinlich nicht oder nur geringfügig verlängert (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).
-
Es wurden in den eingeschlossenen Studien keine unerwünschten Ereignisse oder negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch SDM berichtet.
Übersicht der Effekte
| Endpunkt | Effekt durch SDM (vs. Standardversorgung) | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| Subjektive Patientenbeteiligung (kurzfristig) | Mögliche Verbesserung | Niedrig |
| Zufriedenheit mit Informationen | Wahrscheinliche Verbesserung | Moderat |
| Dauer der Konsultation | Wahrscheinlich kein relevanter Unterschied | Moderat |
| Klinische Symptome (z.B. Depression) | Ungewiss | Sehr niedrig |
| Rehospitalisierungsrate | Ungewiss | Sehr niedrig |
💡Praxis-Tipp
Eine häufige Befürchtung im klinischen Alltag ist, dass die partizipative Entscheidungsfindung zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Review zeigt jedoch, dass SDM-Interventionen die Dauer der Konsultation im Vergleich zur Standardversorgung wahrscheinlich nicht verlängern. Es wird hervorgehoben, dass der Einsatz von Entscheidungshilfen die subjektive Einbindung der Betroffenen unmittelbar stärken kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es wahrscheinlich keinen oder nur einen sehr geringen Unterschied in der Dauer der Konsultation im Vergleich zur üblichen Versorgung. Die Sorge vor einem massiven zeitlichen Mehraufwand wird durch die aktuelle Evidenz nicht gestützt.
Die aktuelle Studienlage ist diesbezüglich unklar. Aufgrund der sehr niedrigen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz lässt sich derzeit nicht sicher sagen, ob SDM klinische Endpunkte wie Depressionen oder Angstzustände signifikant verbessert.
In den untersuchten Studien kamen verschiedene Entscheidungshilfen zum Einsatz. Dazu zählen unter anderem Videos, Broschüren, Online-Tools sowie ein vorbereitendes Entscheidungs-Coaching vor dem eigentlichen Arztgespräch.
In den ausgewerteten Studien wurden keine unerwünschten Ereignisse oder negativen Auswirkungen auf die Gesundheit durch SDM-Interventionen berichtet. Der Ansatz gilt als sicher, auch wenn weitere Forschung zur Kosteneffektivität gefordert wird.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Shared decision-making interventions for people with mental health conditions (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.