Renin-Inhibitoren vs. ARB bei Hypertonie: Cochrane Review
Hintergrund
Primäre Hypertonie ist ein weltweites Gesundheitsproblem, das das Risiko für kardiovaskuläre und renale Erkrankungen signifikant erhöht. In vielen klinischen Leitlinien werden Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) als Erstlinientherapie zur Blutdrucksenkung empfohlen.
Renin-Inhibitoren wie Aliskiren blockieren das Renin-Angiotensin-System (RAS) an einem früheren Punkt als ARBs. Es wird theoretisch angenommen, dass sie das RAS dadurch effektiver und vollständiger hemmen könnten.
Dieser Cochrane Review untersucht die Evidenz aus 11 randomisierten, doppelblinden Studien mit insgesamt 6780 Teilnehmenden. Ziel ist der systematische Vergleich von Nutzen und Risiken beider Wirkstoffklassen bei Personen mit leichter primärer Hypertonie.
Empfehlungen
Der aktuelle Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Therapie der primären Hypertonie:
Wirksamkeit und Blutdruckkontrolle
Laut Review gibt es bei der Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks wahrscheinlich kaum oder keine Unterschiede zwischen den beiden Wirkstoffgruppen (moderate bis niedrige Evidenz). Die analysierten Studien umfassten Beobachtungszeiträume von vier Wochen bis neun Monaten.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Die Auswertung zeigt, dass beide Medikamentenklassen ein sehr ähnliches Sicherheitsprofil aufweisen. Es wird wahrscheinlich kein relevanter Unterschied bei folgenden Endpunkten beobachtet:
-
Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Wirkungen (moderate Evidenz)
-
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (moderate Evidenz)
-
Allgemeine unerwünschte Ereignisse (moderate Evidenz)
Langzeitfolgen und Mortalität
Bezüglich der Gesamtmortalität besteht laut Meta-Analyse möglicherweise kein Unterschied, jedoch ist die Evidenz hierfür niedrig. Zu harten kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder terminaler Niereninsuffizienz liegen derzeit keine ausreichenden Daten vor.
Vergleich der Wirkstoffklassen
Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse des direkten Vergleichs zusammen:
| Endpunkt | Renin-Inhibitoren (Aliskiren) | ARBs (z.B. Losartan, Valsartan) | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Blutdrucksenkung (systolisch) | Vergleichbare Wirkung | Vergleichbare Wirkung | Moderat |
| Therapieabbrüche (Nebenwirkungen) | 22 pro 1000 | 32 pro 1000 (kein signifikanter Unterschied) | Moderat |
| Schwerwiegende Nebenwirkungen | 14 pro 1000 | 19 pro 1000 (kein signifikanter Unterschied) | Moderat |
| Gesamtmortalität | 1 pro 1000 | 3 pro 1000 (kein signifikanter Unterschied) | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass die aktuelle Evidenz fast ausschließlich auf Kurzzeitstudien bei Personen mit leichter primärer Hypertonie ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen basiert. Für Personengruppen mit schwerer Hypertonie oder hohem kardiovaskulärem Risiko lassen sich aus den vorliegenden Daten keine verlässlichen Schlüsse zur Überlegenheit einer der beiden Substanzklassen ziehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es wahrscheinlich keinen relevanten Unterschied in der blutdrucksenkenden Wirkung zwischen Renin-Inhibitoren und Angiotensin-Rezeptorblockern. Beide Substanzklassen senken den systolischen und diastolischen Blutdruck in vergleichbarem Ausmaß.
Die Meta-Analyse zeigt, dass es wahrscheinlich kaum oder keine Unterschiede bei allgemeinen und schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen gibt. Auch die Rate der Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen ist bei beiden Gruppen vergleichbar.
Dazu können aktuell keine verlässlichen Aussagen getroffen werden. Der Review stellt fest, dass in den eingeschlossenen Kurzzeitstudien zu wenige kardiovaskuläre Ereignisse auftraten, um mögliche Unterschiede zwischen den Medikamenten zu bewerten.
In allen eingeschlossenen Studien wurde der Renin-Inhibitor Aliskiren untersucht. Als Vergleichssubstanzen aus der Gruppe der ARBs dienten Losartan, Valsartan, Irbesartan und Telmisartan.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Renin inhibitors versus angiotensin receptor blockers for primary hypertension (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.