Drogenkonsumierende Straftäterinnen: Cochrane Review
Hintergrund
Der vorliegende Cochrane Review (2019) untersucht die Wirksamkeit verschiedener Interventionen bei drogenkonsumierenden Straftäterinnen. Ziel der bewerteten Maßnahmen ist es, den Drogenkonsum sowie kriminelle Aktivitäten in dieser spezifischen Zielgruppe zu reduzieren.
Frauen im Strafvollzug weisen häufig komplexe Bedürfnisse auf, die sich von denen männlicher Straftäter unterscheiden. Dazu gehören beispielsweise Einschränkungen durch Kinderbetreuung oder die Bewältigung früherer Traumata.
Die meisten etablierten Entwöhnungsprogramme im Justizsystem wurden primär für Männer entwickelt. Der Review analysiert 13 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2560 Teilnehmerinnen, um die Evidenzlage für frauenspezifische Ansätze zu klären.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews fassen die Ergebnisse verschiedener therapeutischer Ansätze zusammen. Insgesamt wird eine sehr niedrige bis moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz festgestellt.
Psychotherapeutische und verhaltensorientierte Ansätze
Laut Review zeigen die meisten psychotherapeutischen Interventionen keine signifikante Überlegenheit gegenüber Kontrollgruppen. Dies betrifft folgende untersuchte Therapieformen:
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Interpersonelle Psychotherapie im Vergleich zu psychoedukativen Maßnahmen (niedrige Evidenz)
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Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) im Vergleich zu einer Warteliste (niedrige Evidenz)
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Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) mit Case-Management im Vergleich zu Gesundheitsförderung (sehr niedrige Evidenz)
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT)
Eine Ausnahme in den Ergebnissen bildet die kognitive Verhaltenstherapie. Wenn diese mit einem therapeutischen Gemeinschaftsprogramm verglichen wird, zeigt sich eine signifikante Reduktion von Verhaftungen.
Dieser Effekt bezieht sich explizit auf neue Verhaftungen und nicht auf Bewährungsverletzungen (sehr niedrige Evidenz). Bezüglich des Drogenkonsums oder drogenbezogener Straftaten konnte jedoch auch hier kein signifikanter Effekt nachgewiesen werden.
Pharmakologische und strukturelle Interventionen
Die medikamentöse Behandlung mit Buprenorphin zeigte im Vergleich zu Placebo keine signifikante Reduktion des selbstberichteten Drogenkonsums. Auch der Zeitpunkt der Buprenorphin-Gabe (vor versus nach der Haftentlassung) ergab keine signifikanten Unterschiede.
Strukturelle Maßnahmen wie ein kollaboratives Case-Management oder eine intensive Entlassungsplanung führten ebenfalls nicht zu einer eindeutigen Verringerung des Drogenkonsums. Bei der intensiven Entlassungsplanung wurde lediglich eine Reduktion der allgemeinen Verhaftungen beobachtet (moderate Evidenz).
Dosierung
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Vergleiche der untersuchten Interventionen zusammen:
| Intervention | Vergleichsgruppe | Effekt auf Drogenkonsum | Effekt auf Kriminalität | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|---|
| Kognitive Verhaltenstherapie | Therapeutische Gemeinschaft | Kein signifikanter Effekt | Signifikante Reduktion von Verhaftungen | Sehr niedrig |
| Intensive Entlassungsplanung | Nur Gefängnisaufenthalt | Kein signifikanter Effekt | Signifikante Reduktion von Verhaftungen | Moderat |
| Buprenorphin | Placebo | Kein signifikanter Effekt | Nicht berichtet | Sehr niedrig |
| Case-Management | Regelversorgung | Kein signifikanter Effekt | Kein signifikanter Effekt | Niedrig |
| Akzeptanz- und Commitment-Therapie | Warteliste | Kein signifikanter Effekt | Nicht berichtet | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass etablierte Entwöhnungsprogramme bei weiblichen Straftäterinnen oft nicht die gewünschte Wirkung zeigen, da diese primär für Männer konzipiert wurden. Es wird hervorgehoben, dass bei der Behandlungsplanung spezifische weibliche Bedürfnisse wie Kinderbetreuungspflichten oder die Aufarbeitung früherer Traumata zwingend berücksichtigt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um eine spezifische Intervention als überlegen zu empfehlen. Lediglich die kognitive Verhaltenstherapie zeigte in einer Studie eine signifikante Reduktion von erneuten Verhaftungen.
Die vorliegende Evidenz zeigt keinen signifikanten Unterschied im Drogenkonsum zwischen der Gabe von Buprenorphin und einem Placebo. Auch der Startzeitpunkt der Therapie (vor oder nach der Haftentlassung) ergab laut Review keine messbaren Unterschiede.
Eine intensive Entlassungsplanung und Case-Management zeigten im Vergleich zum alleinigen Gefängnisaufenthalt keine signifikante Reduktion des Drogenkonsums. Es wurde jedoch eine Verringerung der allgemeinen Verhaftungsraten bei moderater Evidenzqualität beobachtet.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for female drug-using offenders (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.