ARDS bei Kindern: Cochrane Review zur Lagerungstherapie
Hintergrund
Das akute Atemnotsyndrom (ARDS) ist eine signifikante Ursache für Hospitalisierungen und Mortalität bei Säuglingen und Kleinkindern. Zur Reduktion der Atemnot und Verbesserung der Oxygenierung werden regelmäßig mechanische Beatmung und spezielle Lagerungstechniken eingesetzt.
Der vorliegende Cochrane Review untersucht die Effekte verschiedener Körperpositionen bei hospitalisierten Kindern im Alter von vier Wochen bis 16 Jahren. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Bauchlage im Vergleich zur Rückenlage bei mechanisch beatmeten Patienten.
Da die Bauchlage in den ersten sechs Lebensmonaten mit dem plötzlichen Kindstod (SIDS) assoziiert ist, wird bei Säuglingen standardmäßig die Rückenlage empfohlen. Im klinischen Setting unter Beatmung kann die Bauchlage jedoch einen Überlebensvorteil durch nicht-invasive Oxygenierungssteigerung bieten.
Empfehlungen
Der Review formuliert aufgrund der begrenzten Datenlage keine definitiven Empfehlungen, liefert jedoch wichtige klinische Erkenntnisse zur Lagerungstherapie.
Effekte der Bauchlage
Laut Review gibt es Hinweise darauf, dass die Bauchlage bei mechanisch beatmeten Kindern mit ARDS Vorteile bieten kann. Es wird eine Verbesserung der Oxygenierung beobachtet, auch wenn die Evidenzqualität sehr niedrig ist.
Für abgeleitete Indizes der Atemmechanik sowie für Blutgaswerte konnten keine schlüssigen Vorteile nachgewiesen werden. Die nachfolgende Tabelle fasst die Ergebnisse für den Vergleich von Bauch- und Rückenlage zusammen:
| Intervention | Parameter | Effekt laut Review | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Bauchlage vs. Rückenlage | Oxygenierungsindex | Verbesserung | Sehr niedrig |
| Bauchlage vs. Rückenlage | SaO2, PCO2, PO2 | Keine eindeutigen Ergebnisse | Sehr niedrig bis niedrig |
| Bauchlage vs. Rückenlage | Atemzugvolumen | Abnahme in Bauchlage | Sehr niedrig |
| Bauchlage vs. Rückenlage | Unerwünschte Ereignisse | Keine eindeutigen Unterschiede | Sehr niedrig |
Seitenlagerung
Der Review untersuchte zudem die Lagerung auf der Seite der gesunden Lunge im Vergleich zur Lagerung auf der Seite der erkrankten Lunge.
Für diese Lagerungsvarianten ergaben sich folgende Resultate:
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Es zeigte sich kein schlüssiger Unterschied im PaO2 zwischen Rückenlage und der Lagerung auf der gesunden Lunge.
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Auch der Vergleich zwischen der Lagerung auf der gesunden und der erkrankten Lunge lieferte keine eindeutige Evidenz.
Unerwünschte Ereignisse
Bezüglich potenzieller Schäden durch die Bauchlage konnten keine signifikanten Unterschiede zur Rückenlage festgestellt werden. Dies betrifft laut Review insbesondere:
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Akzidentelle Extubationen
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Obstruktionen des Endotrachealtubus
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Dekubitus (Druckgeschwüre)
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Hyperkapnie
Kontraindikationen
Der Review weist auf das erhöhte Risiko für das plötzliche Säuglingstod-Syndrom (SIDS) bei der Bauchlage im ersten Lebenshalbjahr hin.
Zudem wird das Risiko von Lungenschäden durch die künstliche Beatmung betont.
Aufgrund dieser Risiken wird hervorgehoben, dass die Bauchlage bei hospitalisierten Säuglingen und Kindern ausschließlich unter kontinuierlichem kardiorespiratorischem Monitoring erfolgen darf.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis des Reviews ist die zwingende Notwendigkeit einer lückenlosen Überwachung. Obwohl die Bauchlage die Oxygenierung bei kindlichem ARDS verbessern kann, wird aufgrund des SIDS-Risikos und möglicher beatmungsassoziierter Lungenschäden ein kontinuierliches kardiorespiratorisches Monitoring vorausgesetzt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es Hinweise auf eine Verbesserung des Oxygenierungsindex durch die Bauchlage. Die Evidenz für diesen Effekt wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.
Der Review fand keine schlüssigen Ergebnisse für signifikante Unterschiede bei SaO2, PCO2 oder PO2. Die Datenlage reicht nicht aus, um hier einen klaren Vorteil einer Position zu belegen.
Es konnten keine eindeutigen Ergebnisse für ein erhöhtes Risiko von unerwünschten Ereignissen wie Tubusobstruktionen oder akzidentellen Extubationen in Bauchlage gefunden werden. Die Evidenz hierfür ist sehr niedrig.
Die Untersuchung der Lagerung auf der gesunden Lunge im Vergleich zur erkrankten Lunge zeigte keine schlüssige Evidenz für einen Unterschied im PaO2. Eine definitive Empfehlung für eine spezifische Seitenlagerung lässt sich daraus nicht ableiten.
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Quelle: Cochrane Review: Positioning for acute respiratory distress in hospitalised infants and children (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.