High vs. Low PEEP bei ARDS: Cochrane Review
Hintergrund
Das akute Atemnotsyndrom (ARDS) und die akute Lungenschädigung (ALI) gehen mit einer hohen Mortalität einher. Betroffene benötigen in der Regel eine maschinelle Beatmung, welche jedoch das Risiko einer beatmungsinduzierten Lungenschädigung (VILI) birgt.
Der positive endexspiratorische Druck (PEEP) wird eingesetzt, um dem Kollabieren der Alveolen entgegenzuwirken und die Oxygenierung zu verbessern. Es wird in der Intensivmedizin intensiv diskutiert, ob hohe PEEP-Werte die Lunge besser schützen können als niedrige Werte.
Dieser systematische Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Nutzen und Risiken von hohen im Vergleich zu niedrigen PEEP-Werten. Die Meta-Analyse schließt Daten von erwachsenen, maschinell beatmeten Intensivpatienten ein.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der Auswertung von 10 Studien folgende Kernaussagen:
Mortalität und Beatmungsdauer
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Ein hoher PEEP führt im Vergleich zu einem niedrigen PEEP zu keinem signifikanten Unterschied bei der Krankenhausmortalität (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).
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Bezüglich der beatmungsfreien Tage bis Tag 28 zeigt sich laut Meta-Analyse ebenfalls kaum ein Unterschied (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Für die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation reichten die verfügbaren Daten nicht für eine abschließende Bewertung aus.
Oxygenierung und Komplikationen
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Eine Verbesserung der Oxygenierung (PaO2/FiO2) durch hohe PEEP-Werte ist an den Tagen 1 und 3 messbar (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
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Auch am siebten Tag der Beatmung zeigt sich eine verbesserte Sauerstoffanreicherung (Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit).
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Das Risiko für ein Barotrauma unterscheidet sich zwischen den Gruppen kaum (Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit).
Klinische Heterogenität
Die Autoren betonen, dass aufgrund der klinischen Heterogenität der eingeschlossenen Studien keine definitiven Schlussfolgerungen für die Praxis gezogen werden können. Die Studien unterschieden sich stark im Schweregrad des ARDS und in den Methoden zur PEEP-Titration.
Übersicht der klinischen Endpunkte
| Endpunkt | Effekt von hohem vs. niedrigem PEEP | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz (GRADE) |
|---|---|---|
| Krankenhausmortalität | Kein signifikanter Unterschied (RR 0,97) | Moderat |
| Oxygenierung (Tag 1, 3) | Verbesserung | Niedrig |
| Oxygenierung (Tag 7) | Verbesserung | Moderat |
| Barotrauma | Kein signifikanter Unterschied (RR 1,00) | Niedrig |
| Beatmungsfreie Tage (bis Tag 28) | Kein signifikanter Unterschied | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review rechtfertigt die aktuelle Evidenzlage keinen pauschalen Einsatz von hohen PEEP-Werten zur Senkung der Mortalität bei ARDS-Patienten. Es wird darauf hingewiesen, dass hohe PEEP-Werte zwar die Oxygenierung in den ersten Tagen verbessern, dies sich jedoch nicht in einem Überlebensvorteil niederschlägt. Die individuelle PEEP-Titration bleibt aufgrund der Heterogenität der Krankheitsbilder eine klinische Einzelfallentscheidung.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass hohe PEEP-Werte im Vergleich zu niedrigen Werten die Krankenhausmortalität nicht signifikant reduzieren. Diese Erkenntnis basiert auf Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit.
Ja, laut Meta-Analyse führt ein hoher PEEP zu einer verbesserten Sauerstoffanreicherung des Blutes. Dieser Effekt ist an den Tagen 1, 3 und 7 der maschinellen Beatmung nachweisbar.
Die ausgewerteten Studien zeigen keinen signifikanten Unterschied im Risiko für ein Barotrauma zwischen hohen und niedrigen PEEP-Werten. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Die Meta-Analyse lässt aufgrund der klinischen Heterogenität der Studien keine definitiven Schlüsse zur optimalen PEEP-Titration zu. Es wird betont, dass weitere Forschung notwendig ist, um die beste Methode für verschiedene ARDS-Subgruppen zu ermitteln.
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Quelle: Cochrane Review: High versus low positive end-expiratory pressure (PEEP) levels for mechanically ventilated adult patients with acute lung injury and acute respiratory distress syndrome (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.