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Beckenbodentraining bei Inkontinenz: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Bei mehr als einem Drittel aller Frauen kommt es im zweiten und dritten Trimenon der Schwangerschaft zu einer Harninkontinenz. Auch in den ersten drei Monaten nach der Geburt ist etwa ein Drittel der Frauen von ungewolltem Urinverlust betroffen.

Zudem leidet rund ein Viertel der Frauen in der späten Schwangerschaft an Stuhlinkontinenz oder ungewolltem Abgang von Winden. Zur Vorbeugung und Behandlung dieser Beschwerden wird häufig ein strukturiertes Beckenbodentraining empfohlen.

Der vorliegende Cochrane Review (2020) analysiert 46 Studien mit über 10.000 Teilnehmerinnen. Es wird untersucht, inwiefern ein Beckenbodentraining während der Schwangerschaft oder nach der Geburt das Auftreten von Inkontinenz verhindert oder bestehende Symptome lindert.

Empfehlungen

Die Analyse der Studien liefert unterschiedliche Ergebnisse, je nachdem, ob das Training präventiv oder therapeutisch eingesetzt wird.

Prävention bei kontinenten Schwangeren

Für Frauen, die zu Beginn der Schwangerschaft kontinent sind, zeigt das pränatale Beckenbodentraining die deutlichsten Effekte. Es wird eine signifikante Risikoreduktion für das spätere Auftreten einer Harninkontinenz beschrieben.

Die nachfolgende Tabelle fasst die Effekte des pränatalen Trainings im Vergleich zur Standardversorgung zusammen:

EndpunktRelatives Risiko (RR)Evidenzqualität
Harninkontinenz in der späten SchwangerschaftRR 0,38Moderat
Harninkontinenz in der mittleren Postpartalphase (>3-6 Monate)RR 0,71Hoch
Harninkontinenz in der späten Postpartalphase (>6-12 Monate)RR 1,20Niedrig

Therapie bei bestehender Harninkontinenz

Bei Frauen, die bereits während der Schwangerschaft oder nach der Geburt an Harninkontinenz leiden, zeigt der Review unerwartete Ergebnisse. Es gibt keine Evidenz dafür, dass ein pränatales Training den Urinverlust in der späten Schwangerschaft oder im ersten Jahr nach der Geburt verringert (sehr niedrige bis niedrige Evidenz).

Ebenso gibt es bei Frauen mit persistierender postpartaler Harninkontinenz keine Belege für eine signifikante Besserung durch das Training nach sechs bis zwölf Monaten.

Gemischte Populationen

Wenn das Training unselektiert bei Frauen mit und ohne bestehende Inkontinenz angewendet wird, zeigen sich folgende Resultate:

  • Ein pränataler Trainingsbeginn senkt das Risiko für Harninkontinenz in der späten Schwangerschaft wahrscheinlich um 22 % (moderate Evidenz).

  • Dieser schützende Effekt kann möglicherweise bis zu sechs Monate nach der Geburt anhalten.

  • Für einen Trainingsbeginn erst nach der Entbindung ist die Wirkung auf den Urinverlust nach einem Jahr unklar.

Stuhlinkontinenz

Die Datenlage zur Stuhlinkontinenz wird als unzureichend bewertet. Es gibt derzeit keine Evidenz dafür, dass ein pränatales oder postpartales Beckenbodentraining die Prävalenz von Stuhlinkontinenz signifikant reduziert.

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💡Praxis-Tipp

Ein wesentlicher Praxisaspekt des Reviews ist die Diskrepanz zwischen Prävention und Therapie. Während ein frühzeitiges Beckenbodentraining bei initial kontinenten Schwangeren sehr effektiv zur Vorbeugung einer Harninkontinenz ist, zeigt die aktuelle Datenlage keine sichere Wirksamkeit als alleinige Therapie bei bereits bestehender, persistierender postpartaler Inkontinenz. Es wird vermutet, dass hierbei veränderte physiologische Voraussetzungen nach der Geburt oder Schwierigkeiten bei der Adhärenz im Wochenbett eine Rolle spielen.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Review senkt ein pränatales Training bei initial kontinenten Frauen das Risiko für eine Harninkontinenz in der späten Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt signifikant. Die Evidenz für diesen präventiven Effekt wird als moderat bis hoch eingestuft.

Die aktuelle Evidenz zeigt überraschenderweise keinen sicheren Nutzen von Beckenbodentraining als Therapie bei einer bereits bestehenden Harninkontinenz nach der Geburt. Die Autoren weisen darauf hin, dass dies im Gegensatz zur nachgewiesenen Wirksamkeit bei älteren Frauen steht.

Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Datenlage zur Stuhlinkontinenz stark limitiert ist. Es gibt derzeit keine ausreichende Evidenz, um eine präventive oder therapeutische Wirkung des Trainings auf den ungewollten Stuhlabgang peripartal zu belegen.

Das Training gilt als sehr sicher und es gibt keine Hinweise auf negative Auswirkungen auf den Geburtsverlauf. In den untersuchten Studien wurde lediglich von zwei Fällen berichtet, in denen das Training aufgrund von Beckenbodenschmerzen abgebrochen wurde.

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Quelle: Cochrane Review: Pelvic floor muscle training for preventing and treating urinary and faecal incontinence in antenatal and postnatal women (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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