Dammverletzungen & Hyaluronidase: Cochrane Review
Hintergrund
Dammverletzungen, einschließlich spontaner Risse und Episiotomien, sind häufige Komplikationen bei vaginalen Entbindungen. Sie können zu kurz- und langfristigen Morbiditäten wie Blutungen, Wundinfektionen, Inkontinenz und Dyspareunie führen.
Die Injektion von Hyaluronidase in das Perineum wird seit den 1950er Jahren als potenziell einfache und kostengünstige Methode diskutiert, um das Gewebe zu entspannen. Ziel ist es, das Risiko für Dammverletzungen während der zweiten Wehenphase zu senken.
Der Schweregrad von Dammrissen wird anatomisch klassifiziert, was für die Beurteilung der klinischen Folgen entscheidend ist.
| Grad | Betroffene Strukturen |
|---|---|
| 1. Grad | Perineale Haut oder Vaginalschleimhaut |
| 2. Grad | Perineale Muskulatur (ohne Analsphinkter) |
| 3. Grad | Analsphinkter-Komplex (unterteilt in 3a, 3b, 3c) |
| 4. Grad | Analsphinkter-Komplex und anorektale Mukosa |
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2024) analysiert die Evidenz zur perinealen Hyaluronidase-Injektion bei Erstgebärenden. Die Autoren formulieren basierend auf fünf randomisiert-kontrollierten Studien folgende Kernaussagen:
Vergleich mit Placebo
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Es zeigt sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Inzidenz von Dammverletzungen, Episiotomien oder Dammrissen jeglichen Grades (niedrige Evidenzqualität).
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Auch bei der perinealen Schwellung eine Stunde nach der Geburt ist kein Unterschied feststellbar.
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Die Injektion reduziert jedoch wahrscheinlich die perineale Schwellung 24 Stunden nach der Entbindung (moderate Evidenzqualität).
Vergleich mit keiner Intervention
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Im Vergleich zu keiner Intervention resultiert die Hyaluronidase-Gabe möglicherweise in einer geringeren Inzidenz von Dammverletzungen (niedrige Evidenzqualität).
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Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass dieser Effekt durch eine fehlende Verblindung in der Kontrollgruppe bedingt sein könnte.
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Für Endpunkte wie Episiotomieraten oder spezifische Rissgrade ist die Evidenz in diesem Vergleich sehr unsicher.
Sicherheit und klinische Relevanz
In den eingeschlossenen Studien wurden keine unerwünschten Wirkungen wie allergische Reaktionen oder lokale Schmerzen berichtet.
Aufgrund der insgesamt niedrigen Evidenzqualität und methodischer Mängel der Studien bleibt der klinische Nutzen der Hyaluronidase-Injektion zur Prävention von Dammverletzungen unklar. Es werden weitere qualitativ hochwertige Studien gefordert.
💡Praxis-Tipp
Obwohl die Hyaluronidase-Injektion im Vergleich zu keiner Intervention scheinbar Dammverletzungen reduziert, ist dieser Effekt im direkten Placebo-Vergleich nicht nachweisbar. Der Review legt nahe, dass methodische Verzerrungen, insbesondere eine fehlende Verblindung, die positiven Ergebnisse überschätzen könnten. Eine routinemäßige Anwendung zur Prävention von Dammrissen ist durch die aktuelle Evidenzlage nicht ausreichend gestützt.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es im Vergleich zu Placebo keinen signifikanten Unterschied bei der Häufigkeit von Dammrissen oder Episiotomien. Ein möglicher Vorteil gegenüber keiner Intervention könnte auf methodische Schwächen der Studien zurückzuführen sein.
Die Evidenz zeigt, dass eine Injektion während der zweiten Wehenphase wahrscheinlich die perineale Schwellung 24 Stunden nach der Entbindung reduziert. Eine Stunde nach der Geburt ist jedoch kein Unterschied zu Placebo feststellbar.
In den vom Review analysierten Studien wurden keine unerwünschten Wirkungen berichtet. Dazu zählen unter anderem allergische Reaktionen, erhöhte Blutungsneigung oder lokale Schmerzen an der Injektionsstelle.
Dammrisse werden in vier Schweregrade unterteilt, abhängig von den betroffenen Gewebestrukturen. Während Grad 1 und 2 Haut, Schleimhaut und perineale Muskeln betreffen, involvieren Grad 3 und 4 den Analsphinkter und gegebenenfalls die anorektale Mukosa.
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Quelle: Cochrane Review: Hyaluronidase for reducing perineal trauma (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.