Unterdruck-Wundtherapie bei Primärverschluss: Cochrane
Hintergrund
Chirurgische Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) stellen eine häufige postoperative Komplikation dar. Sie verursachen Schmerzen, verlängern den Krankenhausaufenthalt und erhöhen die Behandlungskosten erheblich.
Die Unterdruck-Wundtherapie (Negative Pressure Wound Therapy, NPWT) wird zunehmend prophylaktisch bei chirurgischen Wunden eingesetzt, die durch einen Primärverschluss heilen. Dabei wird ein geschlossenes System verwendet, das einen Unterdruck auf die Wundoberfläche ausübt, um Wundflüssigkeit abzusaugen und die Heilung zu fördern.
Dieser Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit und Kosteneffektivität der NPWT im Vergleich zu Standardverbänden. Das Hauptziel ist die Bewertung der Prävention von Wundinfektionen und anderen postoperativen Komplikationen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review liefert folgende zentrale Erkenntnisse zur Anwendung der Unterdruck-Wundtherapie (NPWT) bei primär verschlossenen Wunden:
Wundinfektionen (SSI)
Es wird festgestellt, dass die prophylaktische Anwendung von NPWT die Inzidenz von chirurgischen Wundinfektionen wahrscheinlich senkt (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Laut Meta-Analyse traten Infektionen bei 8,8 % der mit NPWT behandelten Personen auf, im Vergleich zu 13,0 % bei der Nutzung von Standardverbänden.
Weitere postoperative Komplikationen
Für andere wesentliche Komplikationen zeigt die Evidenz keine klaren Vorteile der NPWT:
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Es gibt keinen eindeutigen Unterschied bezüglich der Mortalität oder dem Risiko einer Wunddehiszenz (niedrige Vertrauenswürdigkeit)
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Auch bei den Raten für Reoperationen und Serombildungen lässt sich kein klarer Unterschied feststellen
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Der Effekt auf die Entstehung von Hämatomen oder Hautblasen ist derzeit ungewiss (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit)
Übersicht der klinischen Endpunkte
| Endpunkt | Effekt der NPWT im Vergleich zum Standardverband | Vertrauenswürdigkeit der Evidenz |
|---|---|---|
| Chirurgische Wundinfektion (SSI) | Wahrscheinliche Reduktion (RR 0,66) | Moderat |
| Wunddehiszenz | Kein eindeutiger Unterschied (RR 0,88) | Niedrig |
| Mortalität | Kein eindeutiger Unterschied (RR 0,86) | Niedrig |
| Reoperation | Kein eindeutiger Unterschied (RR 1,04) | Niedrig |
| Serombildung | Kein eindeutiger Unterschied (RR 0,72) | Niedrig |
| Hämatome / Hautblasen | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
Kosteneffektivität und Lebensqualität
Die Kosteneffektivität der NPWT variiert stark je nach chirurgischer Indikation. Es besteht moderate Evidenz, dass die Therapie bei adipösen Frauen nach einem Kaiserschnitt wahrscheinlich kosteneffektiv ist.
Bei Operationen von Frakturen der unteren Extremitäten ist die NPWT hingegen wahrscheinlich nicht kosteneffektiv. Bezüglich der postoperativen Schmerzen und der Lebensqualität gibt es laut Review wahrscheinlich nur geringe bis keine Unterschiede zwischen NPWT und Standardverbänden.
💡Praxis-Tipp
Bei der Entscheidung für eine prophylaktische Unterdruck-Wundtherapie wird empfohlen, die spezifische chirurgische Indikation streng zu prüfen. Während die Therapie bei adipösen Frauen nach Kaiserschnitt wahrscheinlich kosteneffektiv ist und Wundinfektionen reduziert, bietet sie bei Frakturen der unteren Extremitäten laut Evidenz keinen klaren wirtschaftlichen oder klinischen Zusatznutzen bezüglich anderer Komplikationen wie Dehiszenzen.
Häufig gestellte Fragen
Ja, der Cochrane Review zeigt mit moderater Evidenz, dass die NPWT die Rate an chirurgischen Wundinfektionen im Vergleich zu Standardverbänden wahrscheinlich senkt. Die Infektionsrate sank in den untersuchten Studien von 13,0 % auf 8,8 %.
Laut der aktuellen Datenlage gibt es keinen eindeutigen Unterschied im Risiko für eine Wunddehiszenz zwischen der NPWT und herkömmlichen Verbänden. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als niedrig eingestuft.
Nein, die Kosteneffektivität hängt stark von der Art des Eingriffs ab. Es wird berichtet, dass die Therapie bei adipösen Frauen nach Kaiserschnitt wahrscheinlich kosteneffektiv ist, bei Frakturoperationen der unteren Extremitäten jedoch eher nicht.
Es gibt wahrscheinlich keinen wesentlichen Unterschied in der Schmerzwahrnehmung zwischen NPWT und Standardverbänden. Die Evidenz hierzu stammt vor allem aus Studien zu Frakturen der unteren Extremitäten.
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Quelle: Cochrane Review: Negative pressure wound therapy for surgical wounds healing by primary closure (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.