Kompression bei Ulcus cruris venosum: Cochrane Review
Hintergrund
Beingeschwüre (Ulcus cruris venosum) sind chronische Wunden am Unterschenkel, die oft über Monate oder Jahre bestehen. Sie entstehen meist als Folge von Venenerkrankungen, bei denen der venöse Rückfluss gestört ist und der Druck in den Venen ansteigt.
Die Erstlinientherapie stellt in der Regel die Kompressionstherapie mittels Binden oder Strümpfen dar. Diese übt externen Druck aus, unterstützt den venösen Rückfluss und reduziert Ödeme.
Der vorliegende Cochrane Review (2021) untersucht die Wirksamkeit von Kompressionsverbänden und -strümpfen im Vergleich zu keiner Kompression. Der Fokus liegt dabei auf der Wundheilung, der Schmerzreduktion und der Lebensqualität.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit:
Wundheilung und Schmerzreduktion
Laut Meta-Analyse führt die Anwendung von Kompressionsverbänden oder -strümpfen zu einer signifikant besseren Wundheilung. Es wird berichtet, dass:
-
die Zeit bis zur vollständigen Abheilung wahrscheinlich kürzer ist (moderate Vertrauenswürdigkeit, HR 2,17).
-
die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Abheilung innerhalb von 12 Monaten höher ist (moderate Vertrauenswürdigkeit, RR 1,77).
-
der mittlere Schmerzwert durch die Kompression wahrscheinlich gesenkt wird (moderate Vertrauenswürdigkeit).
Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse
Der Review zeigt, dass sich die krankheitsspezifische Lebensqualität durch Kompression möglicherweise verbessert (niedrige Vertrauenswürdigkeit).
Bezüglich unerwünschter Ereignisse und der relativen Kosteneffizienz im Vergleich zu keiner Kompression besteht laut den Autoren weiterhin Unsicherheit (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit).
Klassifikation der Kompressionssysteme
Der Review beschreibt verschiedene Klassen von Kompressionsverbänden und -strümpfen basierend auf dem Ruhedruck am Knöchel. Die Einteilung der Kompressionsverbände stellt sich wie folgt dar:
| Klasse | Kompressionsstärke | Druck am Knöchel |
|---|---|---|
| Klasse 3a | Leicht | 14-17 mmHg |
| Klasse 3b | Moderat | 18-24 mmHg |
| Klasse 3c | Hoch | 25-35 mmHg |
| Klasse 3d | Extra-hoch | bis zu 60 mmHg |
Für Kompressionsstrümpfe wird folgende Klassifikation aufgeführt:
| Klasse | Kompressionsstärke | Druck am Knöchel | Indikation (Beispiele) |
|---|---|---|---|
| Klasse 1 | Leichte Unterstützung | 14-17 mmHg | Varikose |
| Klasse 2 | Mittlere Unterstützung | 18-24 mmHg | Schwere Varikose, Prävention von Ulzera |
| Klasse 3 | Starke Unterstützung | 25-35 mmHg | Schwere chronische Hypertonie, Prävention |
Kontraindikationen
Die Anwendung von Kompressionstherapie birgt das Risiko einer Ischämie, wenn der ausgeübte Druck den lokalen arteriellen Perfusionsdruck übersteigt.
Laut Review wird in nationalen klinischen Leitlinien empfohlen, vorab eine arterielle Erkrankung mittels Doppler-gestützter Messung des Knöchel-Arm-Index (ABPI) auszuschließen.
Eine klinisch signifikante arterielle Erkrankung wird oft als ABPI unter 0,8 definiert. Bei einem ABPI zwischen 0,5 und 0,8 kommt laut den zitierten Leitlinien eine modifizierte (reduzierte) Kompression in Betracht.
💡Praxis-Tipp
Vor dem Anlegen einer Kompressionstherapie bei einem Ulcus cruris venosum wird die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABPI) dringend empfohlen, um eine periphere arterielle Verschlusskrankheit auszuschließen. Ein unerkannter arterieller Perfusionsmangel kann unter Kompression zu schweren Ischämien führen. Bei einem ABPI zwischen 0,5 und 0,8 sollte laut Review lediglich eine reduzierte Kompression angewendet werden.
Häufig gestellte Fragen
Ja, der Cochrane Review zeigt mit moderater Vertrauenswürdigkeit, dass Kompressionsverbände oder -strümpfe die Zeit bis zur vollständigen Abheilung im Vergleich zu keiner Kompression verkürzen. Zudem heilen innerhalb von 12 Monaten mehr Wunden vollständig ab.
Laut Meta-Analyse haben Personen, die Kompressionssysteme tragen, wahrscheinlich einen niedrigeren mittleren Schmerzwert als Personen ohne Kompression. Dies wird mit einer moderaten Evidenz bewertet.
Der Review verweist auf Leitlinien, die eine klinisch signifikante arterielle Erkrankung oft bei einem ABPI von unter 0,8 definieren. In solchen Fällen besteht das Risiko einer Ischämie, weshalb bei Werten zwischen 0,5 und 0,8 nur eine modifizierte Kompression erwogen werden sollte.
Dieser spezifische Review vergleicht primär Kompression (Binden oder Strümpfe) mit keiner Kompression. Zukünftige Netzwerk-Meta-Analysen sollen die verschiedenen Kompressionsarten direkter miteinander vergleichen.
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Quelle: Cochrane Review: Compression bandages or stockings versus no compression for treating venous leg ulcers (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.