Osteoradionekrose-Prävention: Cochrane Review
Hintergrund
Die Osteoradionekrose (ORN) des Kiefers ist eine der schwerwiegendsten oralen Komplikationen nach einer Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren. Sie entsteht durch strahleninduzierte Gewebeschäden, die zu einer Nekrose des Knochengewebes und einer gestörten Wundheilung führen.
Häufig tritt die Erkrankung sekundär nach operativen Eingriffen in der Mundhöhle auf. Da eine etablierte ORN sehr schwer zu behandeln ist und die Lebensqualität erheblich einschränkt, sind präventive Maßnahmen von großer Bedeutung.
Dieser Artikel basiert auf einem Cochrane Review, der die Wirksamkeit verschiedener präventiver Interventionen bei erwachsenen Personen mit kurativer oder adjuvanter Strahlentherapie untersucht.
Empfehlungen
Der Review bewertet die Evidenz verschiedener präventiver Ansätze. Aufgrund der geringen Studienqualität und kleiner Fallzahlen wird die aktuelle Evidenzlage insgesamt als sehr unsicher eingestuft.
Untersuchte Interventionen
Die Autoren identifizierten vier Studien mit insgesamt 342 Teilnehmern, die unterschiedliche präventive Strategien untersuchten. Alle eingeschlossenen Studien wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf.
Die Ergebnisse der untersuchten Interventionen stellen sich wie folgt dar:
| Intervention | Vergleich | Indikation | Ergebnis zur ORN-Prävention | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|---|
| Platelet-rich plasma (PRP) | Keine PRP | Prophylaktische Zahnextraktion vor Strahlentherapie | Keine Reduktion | Sehr niedrige Sicherheit |
| Fluorid-Gel | Fluorid-Zahnpasta (1350 ppm) | Kariesprävention nach Strahlentherapie | Kein Unterschied (keine ORN-Fälle) | Sehr niedrige Sicherheit |
| Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) | Antibiotika | Nach Zahnextraktionen | Reduktion der ORN | Sehr niedrige Sicherheit |
| HBO kombiniert mit Antibiotika | Nur Antibiotika | Vor Setzen von Zahnimplantaten | Kein Unterschied | Sehr niedrige Sicherheit |
Bewertung der Maßnahmen
Laut Review zeigte lediglich die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) im Vergleich zu Antibiotika nach Zahnextraktionen eine Reduktion der ORN-Entwicklung. Bei der Kombination von HBO und Antibiotika vor einer Implantatinsertion konnte hingegen kein Vorteil gegenüber einer alleinigen Antibiotikagabe festgestellt werden.
Der Einsatz von plättchenreichem Plasma (PRP) in den Extraktionsalveolen prophylaktisch entfernter Molaren vor der Strahlentherapie führte zu keiner Reduktion der ORN-Rate.
Schlussfolgerungen für die Praxis
Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit der untersuchten Interventionen aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht abschließend beurteilt werden kann. Es wird betont, dass weitere gut konzipierte randomisiert-kontrollierte Studien mit größeren Fallzahlen erforderlich sind.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review weist darauf hin, dass die aktuelle Evidenz für präventive Maßnahmen wie PRP oder hyperbare Sauerstofftherapie bei der Osteoradionekrose sehr schwach ist. Es wird hervorgehoben, dass sich Behandler der methodischen Schwächen bisheriger Studien bewusst sein sollten, wenn klinische Entscheidungen zur ORN-Prophylaxe vor oder nach zahnärztlichen Eingriffen getroffen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review ist die Evidenzlage für alle untersuchten Methoden sehr schwach. Lediglich für die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) nach Zahnextraktionen gab es Hinweise auf eine Reduktion der ORN im Vergleich zu Antibiotika.
Der Review fand keine Evidenz dafür, dass PRP in den Extraktionsalveolen die Entstehung einer Osteoradionekrose reduziert. Die Sicherheit dieser Evidenz wird als sehr niedrig eingestuft.
In der untersuchten Literatur zeigte die Kombination aus hyperbarer Sauerstofftherapie und Antibiotika vor einer Implantatinsertion keinen Unterschied im Vergleich zur alleinigen Antibiotikagabe.
Eine Studie verglich Fluorid-Gel mit hochdosierter Fluorid-Zahnpasta zur Kariesprävention nach Strahlentherapie. Da in beiden Gruppen keine Fälle von Osteoradionekrose auftraten, konnte kein Unterschied bezüglich der ORN-Prävention festgestellt werden.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for preventing osteoradionecrosis of the jaws in adults receiving head and neck radiotherapy (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.